Was darf der Stadt Konstanz die Marienschlucht und der Uferwanderweg zwischen Wallhausen und Bodman-Ludwigshafen wert sein? Seit fast vier Jahren ist der beliebte Ausflugsort nach einem Erdrutsch, in dessen Folge ein Mensch tödlich verunglückt war, gesperrt.

Was wollen die Gemeinden Konstanz, Allensbach und Bodman-Ludwigshafen?

Noch in diesem Herbst sollen erste Forstarbeiten beginnen. Etliche Jahre werden ins Land gehen, bis Schlucht und Wanderweg komplett wiedereröffnet sein werden. Erklärtes Ziel der drei Gemeinden ist laut einer Machbarkeitsstudie aber: „Die Schlucht und der komplette Uferweg sollen (…) durchgängig allen Menschen wieder zur Verfügung stehen und ein einmaliges Naturerlebnis ermöglichen.

Doch soll das die Stadt Konstanz auch mindestens 600.000 Euro kosten?

Darüber herrscht Uneinigkeit – sowohl zwischen Stadtverwaltung und Politik, wie auch zwischen den einzelnen Fraktionen. „Mit Verwunderung“ hat Oberbürgermeister Uli Burchardt in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss (HFA), „diese Diskussion zur Kenntnis genommen“.

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Mit nur einer Stimme Mehrheit stimmte der HFA dem Vorschlag der Verwaltung zu, 100.000 Euro für die weitere Finanzplanung für das Projekt zuzuschießen.

Zuvor hatte Matthias Weckbach, Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen und Leiter der Projektgruppe Marienschlucht, den Stadträten den aktuellen Zwischenstand zu den drei Bereichen Uferweg, Mondfelsen – unter ihm verläuft ein Teil dieses Wegs – und Schlucht selbst vorgestellt.

Wie sehen die Finanzierungspläne aus?

Er berichtete von „positiven Signalen“ der Landesregierung und des Regierungspräsidiums, sich an den aktuell auf sechs Millionen Euro geschätzten Gesamtkosten zu beteiligen. Der Finanzierungsgedanke der Projektgruppe: das Land übernimmt – nach einer Antragstellung im September dieses Jahres – 60 Prozent, jeweils zehn Prozent entfielen auf Allensbach, Konstanz und Bodman-Ludwigshafen.

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Den Rest erhofft man sich durch eine Beteiligung der Umlandgemeinden und des Landratsamts.

Wo liegt für die Konstanzer Politiker das Problem?

Mehrere Ausschussmitglieder stießen sich an genau diesem Vorschlag und argumentierten entweder mit Naturschutzbedenken oder einer möglichen Kostenfalle. Es sei nicht garantiert, erklärte Dorothee Jacobs-Krahnen (Freie Grüne Liste), dass sich die Natur nicht gegen weitere Eingriffe wehre. „Wollen wir wirklich sechs Millionen investieren, ohne eine Sicherheit zu haben, dass nicht erneut ein Unglück wie 2015 passiert?“, fragte sie.

Welche Alternativen zum Sechs-Millionen-Euro-Modell gibt es?

Sie brachte eine „abgespeckte und deutlich günstigere Version“ ins Gespräch, bei der die Schlucht selbst geschlossen bliebe, der Uferweg aber wieder begehbar wäre. Ins selbe Horn stießen Jürgen Faden (Freie Wähler) und Holger Reile (Linke Liste). Der Anteil der Kosten für die Ertüchtigung der Marienschlucht liegt nach der aktuellen Schätzung bei circa zwei Millionen Euro. Bliebe sie geschlossen, wäre das Gesamtprojekt also um ein Drittel günstiger.

Jürgen Ruff (SPD) zeigte sich skeptisch gegenüber Alternativen und verwies aus den Aspekt der Sicherheit. Der jetzige Zustand von Marienschlucht und Uferweg sei „gefährlicher als jede Öffnung, da sich die Menschen trotz Verbots ihre eigenen Wege schaffen“.

Warum plädieren die Bürgermeister für eine Zusage der Planungsgelder?

OB Burchardt und Bürgermeister Weckbach verwiesen darauf, dass die aktuelle Beratung einzig der Finanzierung der weiteren Planung diene. Es handle sich nicht um eine Zusage der möglichen Zehn-Prozent-Beteiligung. „Die Entscheidung erfolgt erst, wenn auch alle Zahlen auf dem Tisch liegen“, erklärte Weckbach. Gleichzeitig forderte er: „Wir dürfen nicht vorab zu viele Ängste aufbauen.“

Die Zustimmung der politischen Gremien in den drei beteiligten Gemeinden ordnete er als wichtiges Signal für die weiteren Gespräche mit den Fachbehörden und im Antragsverfahren bei der Landesregierung ein.

Ob der Konstanzer Gemeinderat sich an diesem Signal beteiligen wird, entscheidet sich in der kommenden Sitzung am Dienstag, 26. Februar.