Hamster, Meerschweinchen, Zwergkaninchen: Nicht zum Kuscheln geeignet!

Hamster, Meerschweinchen oder Zwergkaninchen gelten als Kuscheltiere. Doch dazu sind sie überhaupt nicht geeignet. Sie verspüren Panik und Angst, wenn sie hochgehoben werden, da sich das für sie anfühlt, als würden sie von einem Greifvogel gepackt.

Außerdem sollten sie nicht einzeln gehalten werden und dürfen keinesfalls den ganzen Tag nur im Käfig bleiben, auch wenn er noch so groß ist. Tiergerechte Haltung bedeutet hier: genug Bewegung und Abwechslung.

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„Kleintiere oder -nager sind keine Kuschel- oder Schmusetiere. Sie sind Beobachtungstiere“, erklärt Heidi Schätzle, Leiterin des Konstanzer Tierschutzheims. „Kinder wollen oft kuscheln, aber Kaninchen sind wahnsinnig hibbelig“, sagt Tierärztin Barbara Hornig. Hamster und Meerschweinchen sind außerdem noch nachtaktiv und sollten tagsüber schlafen und nicht wachgehalten oder beschäftigt werden.

Hamster und andere Kleinnager sind nach wie vor beliebte Haustiere, eignen sich aber nicht zum schmusen.
Hamster und andere Kleinnager sind nach wie vor beliebte Haustiere, eignen sich aber nicht zum schmusen. | Bild: stockfoto

„Hamster sind in der Nacht oder der Dämmerung aktiv“, sagt Heidi Schätzle. Das macht sie für Kinder ungeeignet, weil nachts durchaus mal das Laufrad lärmen kann. „Es kommt immer aufs Alter an und wo das Gehege steht“, schränkt Barbara Hornig ein. „Ein zwölfjähriges Kind kann durchaus mit einem Meerschweinen oder Kaninchen umgehen.“

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Ganz wichtig dabei: Auch Kleintiere sind hochintelligent und brauchen Beschäftigung. So ergibt es beispielsweise durchaus Sinn, sie ihr Futter selbst erarbeiten zu lassen wie in der freien Wildbahn. „Man darf sich nicht wundern, wenn Tiere, die unausgelastet sind, zwicken oder beißen“, warnt Heidi Schätzle.

Ratten: Super Spielkameraden

Ratten sind nicht die typischen Haustiere, doch sie sind die Ausnahme unter den kleinen Säugern. Sie lassen sich gern anfassen und streicheln. „Ratten sind hervorragend als Spieltiere geeignet“, sagt der Tierschutz-Experte Hansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Ratten sind sehr intelligent und kuscheln auch gerne. Das Vorurteil schmutzig zu sein, stimmt nicht.
Ratten sind sehr intelligent und kuscheln auch gerne. Das Vorurteil schmutzig zu sein, stimmt nicht. | Bild: Frank May

Anders als bei Hamster, Meerschweinchen & Co. wird bei Ratten das Kuschel-Hormon genannte Oxytocin ausgeschüttet, wenn man sie kuschelt. Auch sind sie sehr intelligent. „Ratten kann man viel beibringen“, weiß Tierärztin Barbara Hornig, und Heidi Schätzle vom Tierschutzheim ergänzt: „Ich kenne Mädels, die ihren Ratten das Apportieren beigebracht haben.“

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Trotzdem sind Ratten als Haustiere unbeliebt, da sie als schmutzig gelten. Das aber ist gar nicht mehr oder weniger der Fall als bei anderen Kleinnagern.

Hund und Katze: Immer noch die beste Wahl

Beliebtes Haustier, das sich auch zum Kuscheln eignet: die Katze.
Beliebtes Haustier, das sich auch zum Kuscheln eignet: die Katze. | Bild: Patrick Pleul

Letztendlich bleiben doch zwei alte Bekannte die geeignetsten Haustiere für Menschen jeden Alters. „Am artgerechtesten sind Hund oder Katze“, sagt Heidi Schätzle. „Eigentlich eignen nur sie sich zum Anfassen. Kuscheln sollte man aber auch nur, wenn es das Tier wirklich will.“

Auch der Hund gehört zu den geeignetsten Haustieren.
Auch der Hund gehört zu den geeignetsten Haustieren. | Bild: Frank Rumpenhorst

Hund und Katze sind meist stabil genug, um auch heftigere Kuschelattacken zu überstehen, und sie können deutlich signalisieren, wenn sie sich zu sehr geliebt fühlen. Allerdings verlangen diese Tierarten auch die Hingabe und Begeisterung der ganzen Familie. Besonders der Eltern, die sich darüber im Klaren sein müssen, dass das Haustier möglicherweise länger bei ihnen wohnt als die eigenen Kinder.

Vögel und andere Exoten: Finger weg

„Fragwürdig sind alle Exoten wie Echsen oder Geckos“, sagt Tierärztin Barbara Hornig. „Sie eignen sich nur zum Beobachten.“ Auch sei die Pflege dieser außergewöhnlichen Tiere sehr anspruchsvoll. „Schildkröten etwa brauchen ein Riesen-Außengehege“, sagt Heidi Schätzle.

Vögeln ein artgerechtes Umfeld zu schaffen, ist fast nicht möglich. So sollten Wellensittiche immer mindestens zu zweit gehalten werden, sagt Christiane Schroff. Und Barbara Hornig fügt hinzu: „Papageien kann man die Haltungsbedingungen überhaupt nicht so einrichten, dass sie artgerecht sind.“

Das kurioseste Erlebnis einer Kollegin: Ein junger Mann, der ihr eine Tarantel bringen wollte, die sich in Klebeband eingewickelt hatte...

Fazit

Unter dem Strich kann man sagen, dass viele der klassischen Haustiere nicht für jeden oder manchmal sogar überhaupt nicht als solche geeignet sind. Wer dennoch welche möchte, muss sich unbedingt um eine artgerechte Haltung bemühen. Dazu gehört auch, sich ausreichend zu informieren und zu schauen, ob das Tier überhaupt zu den eigenen Lebensumständen passt.

Und hier können Sie direkt mit dem Konstanzer Tierschutzheim Kontakt aufnehmen: http://www.tierschutzheim.de/