Simon Storz, Gründer von "LiveFresh"

Simon Storz
Simon Storz | Bild: Kurz, Charlotte

Simon Storz studiert in Konstanz und hat ein Saft-Start-Up gegründet. Für sein Produkt fehlte ihm in der Stadt aber Platz für die Produktion. Fündig wurde er in der Nähe von Meßkirch.

"Für mein Studium bin ich nach Konstanz gekommen, vor allem weil der Ruf der HTWG gut ist, aber auch wegen der Liebe. Das Leben in der Stadt habe ich immer sehr genossen. Ganz zu schweigen vom See, nicht ohne Grund heißt es ja so schön: Da studieren, wo andere Urlaub machen.

Im Moment studiere ich International Sales Management im Master, bin dafür an der HTWG geblieben und stehe kurz vor meinem Abschluss. Zudem spiele ich leidenschaftlich gerne Handball in Konstanz, bin aber nicht immer hier, da ich viel pendeln muss aufgrund meines Start-Ups LiveFresh.

Die Idee dafür entstand während meines Maschinenbau-Studiums, als ich mit einem Kommilitonen zusammengewohnt habe. Wir haben uns öfters nach einer durchzechten Nacht frischen Saft gepresst. Uns ist aufgefallen, dass es etwas Vergleichbares nicht aus der Flasche gibt. Aus dieser Marktlücke entstand dann unsere Idee. Wir haben recherchiert, wie man Saft haltbar macht und haben unsere ersten Technologien vor drei Jahren entwickelt.

Nach einiger Zeit und positiven Rückmeldungen von Freunden und Verwandten haben wir uns dann entschieden, das richtig durchzuziehen. Wir wollten unser Start-Up LiveFresh unbedingt in Konstanz ansiedeln und haben unser Netzwerk dort von Anfang an aufgebaut. Doch es war nicht so einfach passende Lokalitäten in Konstanz zu finden und wir haben relativ lange und mühevoll gesucht. Das Technologiezentrum von der HTWG hat uns bei der Standortsuche unterstützt, aber zu dieser Zeit haben wir nichts gefunden, das den hohen Auflagen für Lebensmitteltechnik genügt.

Wir mussten dann auf die ländliche Region ausweichen, was wir sehr schade fanden. Die Anfangsproduktion, die im ersten halben Jahr in der Garage von meinem Kollegen stattfand, konnten wir mithilfe eines Förderdarlehens für Gründer auf eine professionelle Produktionsstätte ausweiten. In der Nähe von Meßkirch sind wir fündig geworden und haben unsere heutige Produktion mit einer Fläche von 1000 Quadratmetern aufgebaut.

Heute verkaufen wir unsere Säfte in knapp 2000 Edeka-Märkten und planen neue Produkte wie zum Beispiel Superfood-Shots."

Katharina Beisiegel, Deputy Director bei der Ausstellungsagentur Art Centre Basel

Katharina Beisiegel
Katharina Beisiegel | Bild: privat

Katharina Beisiegel hat Literaturwissenschaften, sowie Kunst-, Medien- und Rechtswissenschaften an der Uni Konstanz studiert. Kulturelle Aspekte waren woanders attraktiver als in Konstanz. Trotzdem möchte Katharina Beisiegel nicht ausschließen, in der Zukunft wieder in Konstanz zu arbeiten.

Wie sieht ihr Tag bei der Ausstellungsagentur Art Centre Basel aus?

Als stellvertretende Direktorin konzentrieren sich meine Aufgaben auf die Teamleitung und die Gestaltung unseres Ausstellungsprogrammes, aber ich übernehme auch Aufgaben in der Geschäftsleitung. Hauptsächlich bin ich als Kuratorin für Projekte zuständig und realisiere die Ausstellungen von der Idee-Entwicklung bis zum Abbau.

Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, in Basel zu arbeiten?

2010 habe ich mich auf eine Praktikumsausschreibung bei Art Centre Basel beworben. In der Anfangszeit bin ich sogar 2½ Stunden von Konstanz nach Basel gependelt! Aber nachdem ich gleich an einem großen Projekt „Gauguin Polynesia“ mitarbeiten durfte und die Chance hatte dazubleiben, zog ich nach drei Monaten nach Basel.

Haben Sie nach dem Studium überlegt, in Konstanz zu bleiben?

Ja, ich hatte tatsächlich das Angebot, ein Marketing-Volontariat zu machen. Aber die Stelle in Basel war für mich so attraktiv, dass dies für mich keine Frage war. Ich hatte auch nie das Bedürfnis, für immer in Konstanz zu bleiben. In meiner Generation war es üblich, dass viele nach ihrem Abschluss ins Ausland oder in eine andere Stadt gegangen sind und man sich nochmal umorientiert hat.

Es liegt also eher am Zeitgeist der Internationalisierung und Umorientierung als am Standort Konstanz selbst, dass viele Absolventen die Stadt verlassen. Was müsste sich ändern, damit Konstanz attraktiver werden kann?

Diese Frage kann ich gar nicht genau beantworten, befürchte ich. Konstanz ist eine relativ kleine Stadt. Für die Art von Arbeit, die ich leiste, braucht es aber ein größeres urbanes Umfeld. Das kann Konstanz einfach nicht bieten. In der Bodenseeregion gibt es zwar viele Museen und Kunsthäuser, das heißt aber nicht, dass für jeden etwas dabei ist. Es kommt immer auf individuelle Spezialisierungen und Interessen an.

Könnten Sie sich vorstellen in einigen Jahren wieder zurück nach Konstanz zu ziehen und zu arbeiten?

Ja natürlich! Konstanz hat immer einen besonderen Platz in meinem Herzen. Das würde ich überhaupt nicht ausschließen, sondern könnte mir es sogar sehr gut vorstellen.

Die Kollegen des Uni-Magazins "Campuls" ergänzen diesen Artikel mit zwei weiteren Stimmen:

Friedhelm Schaal ist Wirtschaftsförderer der Stadt Konstanz. Er sagt: "Die Gründerszene in Konstanz ist sehr lebendig und heterogen." Aber auch: "Es gibt mehrere Engpässe, die wir in dieser Stadt haben. Dazu zählen Flächen, die rar und teuer sind."

Anna Pfeifer ist Gründerin von „nemms“, einer digitalen Beratungs-Lösung für den Einzelhandel. Sie sagt: "Wer ein Start-up aufbauen will, denkt vielleicht nicht direkt an Konstanz. Dabei gibt es hier einen entscheidenden Vorteil: Die Wege sind kurz und persönlich."

Kooperationsprojekt Hochschulstadt Konstanz

  • Dieser Artikel ist Teil einer Kooperation von Campuls und SÜDKURIER. Campuls ist das Konstanzer Studi-Magazin des Studierendenwerks Seezeit. Als Printmagazin erscheint Campuls, produziert von einer studentischen Redaktion, viermal im Jahr und ist kostenlos an der Uni, der HTWG und verschiedenen Standorten in Konstanz zu finden. Außerdem gibt es exklusive Onlinebeiträge von Campuls Online bei Facebook und unter folgendem Link: https://www.seezeit.com/leben/studi-magazin-campuls/
  • Das Kooperationsprojekt „Hochschulstadt Konstanz“ soll die Perspektiven von Lokalzeitung und Studi-Magazin vereinen. Mit vereinten Kräften wollen Campuls und der SÜDKURIER die Stadt Konstanz als vergleichsweise jungen Hochschulstandort beleuchten. Wie kamen Uni und HTWG nach Konstanz? Welchen Einfluss haben die Hochschulen auf die Stadt? Diesen und weiteren Fragen sind wir gemeinsam nachgegangen. Sie finden die Beiträge der Kooperation auf suedkurier.de und bei Campuls Online.