Christian Bürger hat vor zwei Jahren gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Sarah Keppler einen eigenen Laden in Konstanz eröffnet. Bling heißt das Atelier mit Werkstatt in der Neugasse. Dort stellen die beiden gelernten Goldschmiede Schmuck her. Der Laden ist einer von vielen Goldschmieden und Juwelieren, die sich in der Konstanzer Innenstadt tummeln.

Goldschmiede ballen sich in Konstanz

Dass sich in Konstanz viele Gold- und Silberschmiede niedergelassen haben, beweisen auch Zahlen der Handwerkskammer Konstanz. Demnach sind 16 von insgesamt 59 Schmiedebetrieben im gesamten Kammerbezirk in Konstanz ansässig. Der Kammerbezirk der Handwerkskammer Konstanz umfasst die Landkreise Tuttlingen, Waldshut, Rottweil, Schwarzwald-Baar und Konstanz. Darüber hinaus gebe es noch einige weiter Künstler, die nicht bei der Handwerkskammer eingetragen seien.

Damit sind – gemessen an der Einwohnerzahl – in Konstanz rund drei Mal so viele Schmiede ansässig wie durchschnittlich in anderen Städten in Deutschland. Bundesweit gab es 2017 insgesamt 5515 Gold- und Silberschmiede. Joachim Kunz, Leiter der Standortförderung bei der Handwerkskammer Konstanz, kennt dafür zwei Gründe: die Schweizer und die Touristen. "Die kaufen hier natürlich viel ein", sagt Kunz. Auch Matthias Pfeiffer vom Pfeiffer Schmuckdesign zählt Schweizer zu seinen Kunden. Rund 80 Prozent der Einkäufe werden von Schweizern getätigt. "Sie kaufen gerne bei mir ein", sagt Pfeiffer.

Matthias Pfeiffer hat den Betrieb von seinem Vater übernommen.
Matthias Pfeiffer hat den Betrieb von seinem Vater übernommen. | Bild: Wetschera, Wiebke

Anders ist es bei Christian Bürger. "Wir bedienen nicht das Klischee", sagt Bürger. So hätten sie zwar auch Schweizer und Touristen als Kunden, allerdings auch viele regionale Käufer. Diese seien deutlich jünger als bei anderen Goldschmieden. Auf zwischen 18 und 40 Jahre schätzt Bürger seine Kunden. Der Konstanzer hat seine Ausbildung als Goldschmied in seiner Heimatstadt absolviert und kam – nachdem er seinen Meister absolviert hatte – wieder zurück.

Für andere Goldschmiede führte der Weg in den vergangenen Jahren aus anderen Städten nach Konstanz. Das bestätigt auch Kunz: "Es hat sich herumgesprochen, dass es hier viele gibt und dann kommen natürlich immer noch mehr." Pfeiffer hat die Filiale seines Vaters 1984 übernommen. Er selbst ist Einzelhandelskaufmann, kein Goldschmied. Durch seine jahrzehntelange Erfahrung kennt er die Branche gut: "Michael Zobel ist als Goldschmied sehr bekannt und einige seiner Schüler haben hier dann auch Geschäfte eröffnet", erinnert er sich.

Michael Zobel war einer der ersten Goldschmiede in Konstanz.
Michael Zobel war einer der ersten Goldschmiede in Konstanz. | Bild: Wetschera, Wiebke

Michael Zobel kam vor 50 Jahren in die Schmuckstadt Konstanz und ist hier bis heute geblieben. Mit vielen anderen Künstlern hat er die Schmiedekunst in der Stadt etabliert. Dazu zählt auch die Goldschmiede Pfeiffer, die es seit 1971 in Konstanz gibt. "Damals war der Boom noch nicht so da", erinnert sich Kunz. "Mittlerweile ist Konstanz aber bekannt für viele und gute Goldschmiede." Pfeiffer bewertet den Standort Konstanz als gut. Dass es hier viele Goldschmiede gibt, sieht er als Vorteil. "Wenn man mal etwas braucht, dann helfen wir uns gegenseitig", sagt Pfeiffert. Ein Konkurrenzdenken gebe es hier vor Ort nicht: "Jeder hat seinen eigenen Stil."

Christian Bürger sieht darin einen wichtigen Faktor für sein Geschäft. "Wir haben andere Kundschaft und das hebt uns ab", sagt er. Auch die Kaufkraft sei in Konstanz sehr hoch. Durch die hohen Lebenshaltungskosten sei die Kundschaft da. "Es kommen mehr Wohlhabende hierher", sagt Bürger. Diese könnten und wollten sich die teureren Schmuckstücke leisten. Darauf sind die Goldschmiede in Konstanz angewiesen.

Kritik an der Außendarstellung

Pfeiffer kritisiert allerdings, wie sich die Stadt nach außen präsentiere. "Das Marketing ist nur auf Masse ausgelegt", sagt Pfeiffer. Viele Wohlhabendere würden wegen der Masse die Stadt lieber meiden. "In Konstanz gab es immer schon mindestens zehn Schmiede", sagt Kunz. Die künftige Entwicklung sei aber schwer vorherzusagen. Vor 14 Jahren wurde der Beruf der Goldschmiede zulassungsfrei. Die Kunsthandwerker müssen seitdem keine Meisterprüfung mehr ablegen, um sich selbstständig zu machen. Dadurch habe die Zahl noch mal zugenommen.

Goldschmiede zweifeln an einer rosigen Zukunft

Nachwuchs gebe es durch die Veränderung in der Branche. Kunz sieht aber die Tendenz, dass kaum ein Goldschmied noch freiwillig seinen Meister absolviere. "Langfristig leidet darunter sicher auch die Qualität", sagt Kunz. Auch Christian Bürger blickt der Zukunft kritisch entgegen: "Die Branche wird schwieriger." Materialien würden teurer werden und viele Leute würden eher in Handys als in Schmuckstücke investieren.

Matthias Pfeiffer hält das Handwerk der Goldschmiede für junge Leute für wenig attraktiv. "Die Ausbildung ist schwer und wird schlecht bezahlt", sagt er. Deshalb sei es schwierig geworden, gute Goldschmiede zu finden. Für weitere neue Goldschmiede sieht Pfeiffer wenig Chancen in der Stadt. Denn in der Innenstadt gebe es kaum noch mögliche Läden. "Der Standort muss gut sein", sagt er. Und die guten Standorte sind bereits in anderen Goldschmiede-Händen – teilweise schon seit mehreren Jahrzehnten.