Konstanz Warum es der neue Ratsherr der Alt-Konstanzer Hansele als Muss empfindet, Kindern die Fasnacht nahe zu bringen

Der 45-Jährige Thorsten Hipp ist neuer Ratsherr bei den Alt-Konstanzer Hansele. Im Interview spricht er über seine Funktion, über das Fasnachtausrufen, aber auch über Tradition und Veränderung – und die Blätzlebuebe-Zunft.

Herr Hipp, Sie sind nun die nächsten 30 Jahre Ratsherr bei den Hansele?

Schauen wir mal, wo die Reise hingeht.

Wie kam es dazu, dass Sie dieses Amt übernommen haben?

Das kam auf Empfehlung und Wunsch meines Vorgängers, Hans-Peter Kratzer. Er hat mich angesprochen und gefragt, ob ich dieses Amt übernehmen will. Ich bin ja schon lange in der Fasnacht engagiert. Da habe ich mich relativ schnell dazu entschieden, das zu machen.

Aber Sie sind eigentlich bei den Blätzlebuebe.

Ich bin seit meiner Geburt in der Narrenzunft, was ich auch weiterhin bleiben werde. Wir haben uns mit den Alt-Konstanzer Hansele darauf verständigt, dass ich Ratsherr werde. Ich bin auch dort Mitglied.

Wollen Sie Hans-Peter Kratzers Tradition des Ausrufens, das sie am Samstag erstmals übernommen haben, so weiterführen, oder werden Sie etwas verändern?

Das Ausrufen besteht aus zwei Teilen: ein Ratsbeschluss der Stadt Konstanz, mit dem die offizielle Fasnacht auf der Marktstätte eröffnet wird. Das zweite ist, sich selbst etwas zu überlegen, ahnlich einer Büttenrede, in der ich auf das Konstanzer Geschehen eingehe. Ich hatte das ja noch nie gemacht. Hans-Peter Kratzer hat meine Zeilen nochmals quergelesen und Verbesserungsvorschläge eingebracht.

Ihr Vorgänger hatte immer sehr gute Quellen und Informanten. Wer ist das bei Ihnen?

Der SÜDKURIER.

Hans-Peter Kratzers Ansinnen war, die Narren an ihre Rechte und Pflichten zu erinnern. Wie sehen Sie die Entwicklung der Fasnacht in Konstanz, muss da wieder etwas ins Lot gebracht werden?

Als Narrenrat der Blätzlebuebe gehe ich auch in Schulen, um Kindern und Jugendlichen die Fasnacht nahe zu bringen: dass sie nichts damit zu tun hat, mit Rasierschaum rumzusprühen und die Marktstätte unter Scherben zu setzen, das kam ja auch in meiner Rede beim Ausrufen zum Ausdruck.

…und sich nicht bewusstlos zu trinken.

Auch das, und Mädchen in Ruhe zu lassen, nicht aufdringlich zu werden. Diese Vermittlung ist sehr wichtig. Mein Eindruck ist, dass es sich durch den närrischen Unterricht an vielen Stellen gebessert hat. Es ist noch nicht gut, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Alle Kinder und Jugendlichen, deren Eltern hier nicht so verwurzelt mit der Region sind, muss man näher bringen, was die Fasnacht ist und wie sie funktioniert.

Warum hat sich die Fasnacht an manchen Stellen so verändert?

Als ich Kind war, war die Fasnacht noch ganz anders. Sie hat sich weiterentwickelt. Das Feiern an sich soll bestehen bleiben. Es gibt aber ein paar Grundsätze, an die man sich halten sollte, damit auch die Tradition der Fasnacht nicht verloren geht. Dazu gehört das Ausrufen.

Was sind die Rechte und Pflichten des Ratsherrn?

Der Ratsherr ist eine Einzelfigur, die nur am 6. Januar auftritt. Sie verkündet eben den Erlass, dass zum Dreikönigsgeläut mittags um 12 Uhr die Fasnacht eröffnet ist – ab dann darf der Narr das Häs wieder tragen, die Maske aufsetzen, die Fasnacht bis Aschermittwoch gelebt werden. Ansonsten mache ich die Fasnacht wieder wie sonst auch, da bin ich bei den Blätzlebuebe als Narrenrat unterwegs.

Was ist denn nun der echte Fasnachtsbeginn: 11.11. oder 6. Januar?

Da scheiden sich die Geister. Ich als Blätzelbue sage, am 6. Januar beginnt die Fasnacht mit dem Dreikönigsgeläut, das ist in der schwäbisch-alemannischen Fasnacht so. Der 11.11. als närrische Zahl hat einen karnevalistischen Hintergrund, da haben wir ja auch Gruppen in Konstanz.

Wofür schlägt ihr Herz mehr, für die Blätz oder die Hansele?

Mein Herz hat schon immer für die Blätzlebuebe geschlagen und wird es weiterhin. Ich bin aber ein riesiger Fan der Alt-Konstanzer Hansele, weil ich das Häs und die Schemen unheimlich schön finde. Deshalb habe ich das Amt als Ratsherr gerne angetreten.

Fragen: Philipp Zieger

Zur Person

Thorsten Hipp ist 45 Jahre alt und so lange schon in der Konstanzer Blätzlebuebe-Zunft. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet als Angestellter im Polizeidienst. Im Führungs- und Lagezentrum des Präsidiums unterstützt Hipp polizeiliche Ermittlungen. 26 Jahre lange war er im Fanfarenzug der Blätzelbuebe, sechs Jahre lang Polizeiblätz, heute ist er Narrenrat. Die Alt-Konstanzer Hansele, als deren Ratsherr Hipp seit diesem Jahr die Fasnacht am 6. Januar ausruft, ist im Jahr 1983 gegründet worden. Die Blätzlebuebe sind Patenzunft der Hansele.

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