Freude und Erleichterung sind Florian Ritter ins Gesicht geschrieben. Nach dem offiziellen Ende der Gemeindeversammlung eilen Freunde und Bekannte zu ihm und gratulieren ihm zum roten Pass, dem Schweizer Pass. Diesen wird der Deutsche nun bald erhalten.

77 Ja- und 34 Nein-Stimmen

77 Stimmbürger Salensteins hatten zuvor „Ja“ auf ihrem Stimmzettel notiert, 34 „Nein“, sechs Salensteiner hatten einen leeren Zettel abgegeben. Eigentlich nichts Besonderes: Auch drei weitere Einbürgerungen kommen am Mittwochabend in der Salensteiner Mehrzweckhalle problemlos durch. Doch Florian Ritters Weg zur Schweizer Staatsbürgerschaft hatte über einen steinigen Weg geführt und zuletzt für Aufmerksamkeit bis in die nationalen Medien gesorgt.

Erstmals 2018 vor Versammlung

Vor eineinhalb Jahren stand Ritter bereits an selber Stelle und stellte sich der Salensteiner Versammlung vor. Eine Nachbarin ergriff anschließend jedoch das Wort und machte Vorwürfe geltend an die Adresse des gebürtigen Konstanzers, der seit 15 Jahren in Fruthwilen, ein Teil Salensteins, lebt. Er sei arbeitslos und überhaupt nicht integriert. Genau genommen wohne er gar nicht in Fruthwilen, einem Teilort Salensteins, sondern komme nur alle sieben bis zehn Tage kurz vorbei, um seinen Briefkasten zu leeren. Außerdem habe er Streit mit dem Vermieter und in seinem Garten herrsche Chaos.

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Eine Menge Vorwürfe

Bei einem anderen Nachbarn sei er sogar eingebrochen, um dort zu übernachten, als dieser in Ferien gewesen sei. Eine geballte Ladung Vorwürfe, zu denen sich der Konstanzer Architekt zwar äußern durfte. Doch die Meinungen schienen wohl gemacht gewesen. Die Stimmbürger lehnten das Gesuch ab: mit 51 Nein zu 29 Ja. Das war Verleumdung, urteilte später das kantonale Departement für Justiz und Sicherheit. Es hob die Entscheidung der Versammlung auf.

Erneute Angriff von Nachbarin

„Ich möchte mich herzlich bedanken für die Unterstützung, die ich von verschiedenen Seiten erfahren habe. Die Situation ist nicht einfach, zum zweiten Mal hier zu stehen“, sagte Ritter bei seiner neuerlichen Vorstellung. Dieselbe Frau wie zuvor schritt auch dieses Mal wieder zum Mikrofon. Sie sei an den Pranger gestellt worden in der Begründung des Kantons, beklagte sie sich. „Wir müssen ihn nicht einbürgern, wenn wir nicht wollen.“ Sie erneuerte ihre Vorwürfe. Etwa, dass Ritter gar nicht in Fruthwilen wohne: „Er will nun über die Medien den Pass erzwingen.“

Verbaler Angriff auf Gemeinderat

Auch gegen den Gemeinderat zog die Frau vom Leder: „Ihr Verhalten deutet darauf hin, dass sie die Bürger mundtot machen wollen.“ Gemeindepräsident Bruno Lorenzato wehrte sich kurz, aber vehement. In dem Verfahren habe alles seine Richtigkeit gehabt. „Wenn wir jemanden mundtot machen wollten, hätten sie heute nicht so lange reden dürfen“, sagte er zu der Frau. Die Nachbarin verließ noch vor der Bekanntgabe des Abstimmungsresultats den Saal.