Die Erwartungen waren hoch, die Ernüchterung fällt entsprechend aus. Das Bodenseeforum hat als neues Tagungs- und Veranstaltungshaus der Stadt Konstanz ein tolles Eröffnungswochenende erlebt und einige denkwürdige Kulturveranstaltungen beherbergt. Doch die Zahlen aus dem ersten Geschäftsjahr – es waren eigentlich nur gut zwei Monate Betrieb – sind enttäuschend. Selten hat man Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal, der nach der Pleite mit dem Gründungs-Geschäftsführer zusätzlich die Leitung des Bodenseeforums übernommen hat, so kleinlaut erlebt wie am Dienstagabend.

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In manchen Punkten haben die Kritiker Recht behalten. Zum Haus der Bürger wird das Bodenseeforum erst langsam. Eine schwarze Null im Betrieb scheint noch ziemlich weit entfernt. Und wenn es darauf ankommt, wird die Stadt schon aus wirtschaftlichen Erwägungen lieber für drei Tage an einen Tagungs-Veranstalter vermieten als für einen Abend an einen Konstanzer Verein. Die neuen und erschreckenden Zahlen aber als Beleg für die alten Argumente anzuführen, ist nicht ganz fair: Den gescheiterten Geschäftsführer hat der Gemeinderat gewählt, und dass in der Anlauf-Phase nochmals Zusatzkosten für Technik entstehen, ist bei fast jedem komplexen Bauvorhaben der Fall.

Das Bodenseeforum insgesamt in Frage zu stellen oder in der Debatte um das Haus einen Stellvertreterkrieg gegen Oberbürgermeister Uli Burchardt zu führen, hilft keinem weiter. Konstanz hatte mit dem Kauf des neuwertigen, aber nicht mehr von Centrotherm benötigten Gebäudes eine Chance. Die Stadt hat sie gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer ohne das für die Stadt sonst so typische lange Zaudern genutzt. Nun gilt es, den Glauben an diese Chance in der Gesellschaft breit zu verankern. Dazu müssen Vereine ins Haus, und das Veranstaltungsangebot muss origineller werden. Noch ist es dafür nicht zu spät.

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