Die schlechte Nachricht zuerst: In diesem Jahr wird es kein Zeltfestival geben. Das ist nach der Absage von Veranstalter Koko & DTK Entertainment wenig verwunderlich, nun wohl definitiv. Interessenten für eine Fortführung der beliebten Veranstaltung gibt es zwar. Doch wäre die Zeit zu kurz, um bis zum Sommer noch ein Programm auf die Beine stellen.

Die gute Nachricht: Der Wille, das Zeltfestival nicht sterben zu lassen, ist in der Lokalpolitik da. Sie möchte den Weg bereiten für eine Neuauflage des kulturellen Reigens. Allerdings soll die Stadtverwaltung den Bogen weiterspannen und alle kulturellen Festivals inklusive künftiger Ideen unter die Lupe nehmen.

Nach zwei Jahren war bekanntlich wieder Schluss – zum Leidwesen vor allem auch vieler Konstanzer, für die das Zeltfestival mehr war als Konzerte. Es war 2015 und 2016 nach einer längeren Pause wieder ein Treffpunkt geworden, ein Ort für Geselligkeit auf Klein Venedig. Koko und DTK Entertainment hat nach dem Ausstieg von Programmmacher Dieter Bös die Veranstaltung aus dem Programm gestrichen. Aus wirtschaftlichen Gründen, lautete das Motiv. Somit steht alles wieder auf Anfang. Und das, nachdem Stadt und Sponsoren beim Neustart 2015 des Zeltfestivals kräftig unter die Arme gegriffen hatten.

Ob das bei einer erneuten Neuauflage der Fall wäre, würde sich erst in einem zweiten Schritt klären. Von politischer Seite ist das Ziel gesteckt, aber: "Wir wollen nicht ein Zeltfestival, das kurz darauf wieder zu Grabe getragen würde", sagte Anne Mühlhäußer (FGL) in der Sitzung des Kulturausschusses. Sie forderte eine qualitätsvolle Veranstaltung mit mindestens mittelfristiger Zukunft. Gegenrede ihrer Ausschusskollegen erhielt sie nicht.

Über Qualität hatte zuvor Bürgermeister Andreas Osner gesprochen: "Darüber haben wir uns intensiv Gedanken gemacht." Mit dem Ergebnis: Die städtische Marketing und Tourismus GmbH erarbeitet gemeinsam mit dem Kulturbüro ein Gesamtkonzept über kulturelle Angebote in der Stadt, "damit es nicht bei jeder Veranstaltung neue Diskussionen gibt"; und 100 000 Euro nicht wieder freigegeben würden, ohne zu wissen, "was wir dafür bekommen", sagte Osner. Diese Summe war Koko für das Zeltfestival zugesagt, jährlich und vorerst auf drei Jahre befristet.

Das bedeutet: Mit dem Konzept soll die Stadt einen Leitfaden an die Hand bekommen, welche Qualitätskriterien das künftige Zeltfestival, aber auch alle weiteren geplanten kulturellen Veranstaltungen erfüllen sollen, damit keine Konkurrenz oder Doppelungen entstehen. Daran müssen sich dann auch aktuell jene sechs Interessenten orientieren, die sich für die Fortführung des Zeltfestivals auf Klein Venedig ins Rennen gebracht haben. Darunter sind laut Sitzungsvorlage für den Kulturausschuss auch Veranstalter von bereits in Konstanz stattfindenden Open Airs. Aber auch Vertreter namhafter Festivals in anderen Städten, etwa des Ulmer Zelts, des Sommervarietés auf Rügen sowie von Einzelkonzerten.

Geht es nach Zahide Sarikas (SPD), sollen sie ihre erst einmal Pläne für Programm und Ausrichtung vorlegen. Michael Fendrich (FDP) wies darauf hin, dass neue Veranstaltungen auf Klein Venedig nicht genehmigungsfähig seien. Dies müsse, so Bürgermeister Osner, im Rahmen des von MTK und Bürgerbüro auszuarbeitenden Konzepts geklärt werden. Marcus Nabholz (CDU) und Johannes Kumm (SPD) waren der Ansicht, dass das Zeltfestival ohne städitschen Zuschüsse auskommen müsse. Der Gemeinderat soll im April über das Kulturkonzept abstimmen.