Konstanz Warnstreiks in Konstanz: Pflegepersonal, Busfahrer, Schiffsführer und Erzieher legen die Arbeit für einen Tag nieder

Die Warnung ist deutlich: In Konstanz fahren an diesem Dienstag keine Busse und die Fähre quert den See nicht. Stattdessen versammeln sich nach einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi Busfahrer und Krankenschwestern vor dem Busdepot und dem Krankenhaus zu Kundgebungen. Ihre Botschaft: Es braucht mehr Geld. Es braucht mehr Wertschätzung

Zeit und Wertschätzung. Diese Worte fallen oft, gleichgültig, mit wem man spricht. Pfleger und Krankenschwestern haben genug, ihre gute Laune an diesem Streiktag darf darüber nicht hinwegtäuschen. "Wir sind ausgepresst wie eine Zitrone", sagt Heike Görlitz, Anästhesieschwester am Konstanzer Klinikum, stellvertretend für viele.

Wie ist die Lage am Krankenhaus?

Sie streiken für sechs Prozent mehr Lohn, aber auch für Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen: Krankenschwestern und Pfleger am Klinikum Konstanz. Bilder: Claudia Wagner, Laura Marinovic
Sie streiken für sechs Prozent mehr Lohn, aber auch für Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen: Krankenschwestern und Pfleger am Klinikum Konstanz. | Bild: Claudia Wagner

An diesem Vormittag läuft alles anders. Mitarbeiter des Klinikums stehen in der Sonne vor dem Eingang des Krankenkauses, sie sprechen, haben Zeit. Einmal geht es um sie selbst. "Ich bin seit 20 Jahren im Job und habe noch nie gestreikt", sagt Heike Görlitz, "aber wir haben das Ende der Fahnenstange erreicht." Die Zahl der Patienten, die auf Station von einer Pflegekraft betreut werde, steige weiter, eine Wende sei nicht in Sicht. Junge Krankenschwestern seien angesichts der Arbeitsbedingungen schnell wieder weg. Auf den Stationen verstünden inzwischen auch die Ärzte, dass es so nicht weiter gehe, ergänzt Beate Höfler, "es ist ein schlechtes Arbeiten, wir haben keine Zeit, Kollegen zu helfen."

Warum junge Pflegerinnen abwandern

Roswitha Kratzer ist seit 37 Jahren Krankenschwester. Sie habe sich sehr geärgert über die Klinikleitung, die äußerte, die Gewerkschaft gefährde mit dem Streik die Patientensicherheit: "Wir arbeiten in diesem Haus patienten- und mitarbeitergefährdend. Es wird toleriert, dass wir Patientenversorgung unter dem Minimum leisten. Deshalb hat uns der Vorwurf so geärgert." Die Krankenschwester nennt die Nähe zur Schweiz als Problem: "Hier in Konstanz muss sich der Arbeitgeber attraktiver machen, sonst wandern alle ab". Doris Leier, Stationssekretärin, drückt aus, was viele sich wünschen: "Die Wertschätzung fehlt oftmals." Die jungen Krankenschwestern bestätigen, was ihre älteren Kolleginnen befürchten: "Ich habe gekündigt, weil ich mit meinem Freund wegziehe", sagt Lea Messmer, 24, "man hofft, dass es woanders besser ist. Aber was, wenn die Bedingungen noch schlechter sind?"

Wie sehen es die Busfahrer?

Die Busfahrer fordern faire Arbeitszeiten: Cosma Dibella, Marcello Schiaritti, Ilja Dmitrovic, Salim Ünal, Savo Balan, Hrvoje Cule, Alexander Kooy
Die Busfahrer fordern faire Arbeitszeiten: Cosma Dibella, Marcello Schiaritti, Ilja Dmitrovic, Salim Ünal, Savo Balan, Hrvoje Cule, Alexander Kooy | Bild: Claudia Wagner

Ähnlich kämpferisch ist die Stimmung auch vor den Toren des Busdepots der Stadtwerke. Seit morgens um vier Uhr hüten die Busfahrer hier ihr Feuer. 40 bis 45 Busfahrer sind im Streik, das sei nur die Frühschicht, erläutert Andreas Schackert, Landesfachbereichsleiter von der Gewerkschaft Verdi. Später kommen die Mitarbeiter der Spätschicht hinzu. "Es sind auch Kollegen dabei, die nicht organisiert sind. Wir bekommen viele Anfragen wegen einer Mitgliedschaft", sagt er.

Warum die Fahrer Entlastung fordern

Thomas Mayer erläutert die Lage der Busfahrer: "Es hängt für uns viel ab von dieser Lohnrunde", allerdings reiche die Problematik über das Finanzielle hinaus. "Neue Kollegen wohnen drei Monate lang auf dem Campingplatz wohnen und kündigen danach wieder, weil sie keine Wohnung finden", berichtet er. Mit dem Gehalt sei es schwer, in Konstanz eine Familie zu ernähren. Ein großes Problem sei die Arbeitszeitbelastung. Alle Kollegen hätten lange Schichten, von siebeneinhalb bis neun Stunden. "Was kaputt macht, ist der Verkehr in Konstanz". Es sei schwierig, den Fahrplan einzuhalten. Hinzu komme, dass freie Tage wegen Personalmangels ausfielen. "Wir wollen diese freien Tage nicht ausbezahlt bekommen, die Kollegen brauchen ihre Freizeit". Es komme vor, dass ein Busfahrer nur alle sechs Wochen ein freies Wochenende habe.

Entlastung ist nicht in Sicht: "Der Job ist einfach zu unattraktiv für junge Leute", ergänzt Klaus Zamai. Mayer sieht in der Arbeitszeitproblematik ein Strukturproblem. Die Gewerkschaft habe verschiedene Arbeitszeitmodelle in die Diskussion gebracht, die Stadtwerke seien nicht darauf eingegangen.

Wie Stadtbuskunden und Patienten reagieren

Währenddessen bleiben die meisten Bushaltestellen leer, vom Zähringerplatz fährt die Linie 908 jedoch bis zum Bahnhof. Viele Stadtbuskunden zeigen großes Verständnis: "Ich bin dafür, dass Krankenhäuser mehr Personal bekommen. Es muss mehr Geld und mehr Wertschätzung in dieses System", sagt Christa Dück, "das gilt ebenso für Busfahrer, die viel Verantwortung übernehmen." Das sieht Nico Kupferschmid ähnlich: "Mehr Geld ist wichtig. Sonst sahnen nur die falschen ab." Am Krankenhaus stellen sich Patienten auf die Seite des streikenden Pflegepersonals: Sonja Nufer aus Albstadt, die wegen ihrer Erkrankung seit vier Jahren Dauergast in Krankenhäusern ist, ist zwar selbst von der Umverlegung auf den Stationen wegen des Streiks betroffen, äußert aber volles Verständnis: "Was die Pfleger leisten müssen! Ich kann verstehen, dass sie auf die Barrikaden gehen. Es ist ein mächtig harter Beruf."

Wenn Eltern Kinder von der "Notfallgruppe" abholen

Auch bei der Kinderbetreuung wird es eng. An der Kita am Rhein, die Notfallgruppen eingerichtet hat, holen einige wenige Eltern ihre Kinder ab. "Normalerweise würde ich arbeiten, ich musste Patienten absagen. Ich habe Verständnis für den Streik, die Blöden sind aber die Eltern.“

Die Gewerkschaft zieht Bilanz

Zufrieden angesichts jener, die an diesem Tag auf der Straße statt bei der Arbeit sind, ist Gewerkschaftssekretärin Sylvia Nosko: 50 Kollegen am Krankenhaus, etwa 100 Schiffsführer und Busfahrer bei den Stadtwerken, weitere 50 von der Stadtverwaltung. "Die Streikbereitschaft ist sehr hoch." Arbeitgeber müssen sich auf ein heißes Frühjahr einstellen.

Wer noch streikte

  • Im Ausstand: In Konstanz gingen auch Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe in den Ausstand. Der Wertstoffhof in der Fritz-Arnold-Straße blieb daher geschlossen
  • Arbeitszeiten: Bei den Stadtwerken arbeiten Busfahrer fünf oder sechs Tage und haben dann einen Tag frei. Wenn ein Fahrer ausfällt, muss ein Ersatzfahrer gefunden werden, erläutert Pressereferent Christopher Pape. Die Stadtwerke versuchten, die Lage über Neueinstellungen zu entspannen, dies sei aber vor allem aufgrund der Nähe zur Schweiz schwierig.

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