„10 Plus. Kette und Schuss“. Das Theatherstück von Gerd Zahner über den Fußballer Dieter Koulmann sorgt für Aufregung in der Kultur- und Sportszene der Stadt. Der einstige Spieler des FC Bayern München, des FC Singen und der DJK Konstanz, der 1979 mit nur 39 Jahren aus unbekannten Gründen starb, wird gespielt von Thomas Fritz Jung. In einem einstündigen Monolog nimmt der Schauspieler die Zuschauer im Vereinsheim des Velo- und Motorfahrer-Clubs Konstanz mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt zwischen Triumph und Tragödie. Europapokalsieg, Alkoholexzesse, Affären – bis zum bitteren Ende bietet das Leben des Dieter Koulmann viele Facetten einer Tragödie.

Achterbahnfahrt der Emotionen und Erinnerungen: Thomas Fritz Jung spielt in „10 Plus. Kette und Schluss“ die Fußball-Legende Dieter Koulmann.
Achterbahnfahrt der Emotionen und Erinnerungen: Thomas Fritz Jung spielt in „10 Plus. Kette und Schluss“ die Fußball-Legende Dieter Koulmann. | Bild: Theater Konstanz/Björn Jansen

Am Samstag wurde „10 Plus. Kette und Schuss“ erneut aufgeführt. Unter den Gästen war auch Herrad Lingner mit ihrem Mann. „Nach ein paar Minuten ruft ein Herr aus der ersten Reihe immer wieder dazwischen“, erinnert sie sich. „Du bisch ja it de Kouli“, soll er unter anderem laut und direkt zum Schauspieler gesagt haben. „Du bisch ja bloß en Schauspieler.“ SÜDKURIER-Recherchen ergaben, dass der Zwischenrufer Walter Uhrig war – er streitet die Vorkommnisse gar nicht erst ab, im Gegenteil: „Da wird ein Verstorbener durch den Dreck gezogen“, sagt er auf Nachfrage. „Der Kouli war ein aufrichtiger, anständiger und feiner Mensch. Und hier wird er dargestellt wie ein Alkoholiker, der nur gesoffen hat. Doch das stimmt nicht.“ Walter Uhrig hat zwei Jahre mit Dieter Koulmann bei der DJK zusammen gespielt.

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Thomas Fritz Jung, der nach dem Auftritt stehende Ovationen erhielt, erzählt seine Sicht der Dinge: „Am Anfang dachte ich, dieser Herr kann Fiktion und Realität nicht auseinander halten und möchte interaktiv mitwirken. Doch irgendwann war klar, dass er das ernst meint.“ Er verstehe den Impuls, nichts auf einen ehemaligen Mitspieler kommen lassen zu wollen, „aber ich bin ja nur der Schauspieler und der falsche Ansprechpartner. Ich habe ihn irgendwann unterbrochen und ihn gebeten, ruhig zu sein. Das hat er sportlich genommen und nichts mehr gesagt“.

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Autor Gerd Zahner und Walter Uhrig diskutierten hinterher weiter. Zahner sagt: „Ich finde es albern, wenn er behauptet, dass Koulmann nie getrunken habe. Dafür habe ich zu intensiv recherchiert bei Nachbarn, Freunden und einigen Mitspielern.“ Seine Konstanzer Wegbegleiter würden nicht wahrhaben wollen, dass ein Freund so abgestürzt war. „Da wird Ignoranz mit Toleranz verwechselt.“ Walter Uhrig möchte seinem verstorbenen Freund weiterhin die Treue halten. „Es wäre uns doch aufgefallen, wenn er Alkoholiker gewesen wäre. Bei uns in Konstanz war er das garantiert nicht.“ Gerd Zahner wundert das nicht: „Genau das ist ein Teil der Geschichte des Dieter Koulmann. Die Bereitschaft, das Scheitern zu verteidigen, ist größer als die Bereitschaft, das Scheitern zu verarbeiten.“