Reiseführer über die größte Stadt am Bodensee gibt es wie Sand am Meer. Und natürlich verfügt auch die neue Variante aus dem Silberburg-Verlag über den üblichen Info-Teil mit Serviceadressen, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Kunst und Kultur. Von der breiten Masse abheben will sich Autor Arndt Spieth mit seinem 192 Seiten starken Werk, das 16,90 Euro kostet, durch ein neues Konzept: Stadtwanderungen hat er seine Touren kreuz und quer durch Konstanz getauft. Der Reiseführer verzichtet völlig auf die übliche Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten. Stattdessen sollen die Leser Konstanz auf einer von neun Touren mit so abenteuerlichen Namen wie "Gnome, Hussenstein und Sprachenkult" oder "Fischer, Pilger, Drachenflug" entdecken.

Zu Beginn jeder Tour gibt es einen Infokasten mit einem Start- und einem Zielpunkt, Bushaltestelle, Länge der Strecke und – wie es sich für eine Wanderung gehört – Einkehrmöglichkeit und Höhenunterschied. Auch wenn der Begriff "Wanderung" bei maximal 70 Höhenmetern auf der Aussichtsrunde um Staad und die Allmannshöhe wohl eher mit einem ironischen Augenzwinkern zu verstehen sein dürfte.

Arndt Spieth verknüpft in seinen Texten gekonnt und locker Wegbeschreibung mit Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten, Interessantes am Straßenrand und historischem Hintergrund. Auf Tour Nummer vier, die mit den Gnomen, geht es zum Beispiel auf "Entdeckungsreise durch die Wunderwelt des Konstanzer Paradieses". Die Wanderung startet am Rathaus in der Kanzleistraße. Nach einem kurzen Ausflug in die Geschichte der dahinterliegenden historischen Stadthäuser geht es dann schnurstracks ins Paradies. Spieth navigiert den Leser durch die schönsten Straßen des Viertels, macht auf besonders sehenswerte Altbauten aufmerksam und lässt natürlich auch Sehenswürdigkeiten wie den Hussenstein nicht aus. Wer sich näher für die Geschichte des Stadtteils interessiert, findet alles Wichtige eingeschoben auf einer gelb hinterlegten Info-Doppelseite. Arndt Spieths Art und Weise des "Stadtführens" ist eine sehr entspannte. Ohne mit möglichst vielen Sehenswürdigkeiten in möglichst kurzer Zeit bombardiert zu werden wird der Leser klug durch die Stadt gelotst und hat so das Gefühl, die Straßen und Gassen selbst zu entdecken. Und auch wer das Altstadtpflaster lieber verlassen will, findet mit "Kreuz und quer durch Konstanz" genug zu tun – wie etwa Tour Nummer acht über die Universität und St. Katharina zur Insel Mainau mit dem ebenso poetischen Namen "Kunterbunte Campuswelt, Klosterschlaf und Palmeninsel". Auch Ausflüge weiß Arndt Spieth zu empfehlen, etwa zur Reichenau, nach Meersburg, Schloss Arenenberg, Gottlieben, Hohentwiel, oder Friedrichshafen.

Waschechte Einheimische werden in "Kreuz und quer durch Konstanz" kaum Neues entdecken – dennoch erschließt sich mit den gut durchdachten Touren an der ein oder anderen Stelle ganz sicher eine ungewohnte Perspektive auf die Stadt. Für alle anderen ist der neue Stadtführer eine wunderbare Möglichkeit, Konstanz, seine Sehenswürdigkeiten, aber auch seine versteckten Ecken ohne Stress und Sightseeing-To-Do-Liste kennenzulernen.

Silberburg-Verlag

Das Programm des Verlages mit Sitz in Tübingen hat einen Namen: Baden-Württemberg. Die Mitarbeiter, ein kleiner Haufen junger Menschen im Alter zwischen gut 30 und gut 60, versuchen seit 1985 erfolgreich in immer mal etwas wechselnder Besetzung, Bücher, Tonträger, DVDs, Kalender und eine Zeitschrift unters Volk zu bringen, die sich alle mit verschiedenen Facetten des Ländles befassen. Breit ist das Spektrum der Themen. Silberburg verlegt beispielsweise Mundartbücher und Kulinaria, Städtebildbände und Biographien, Freizeitführer und Regional-Krimis. Die Mitarbeiter glauben, dass es trotz aller Modernität und Globalisierung auch weiterhin Heimat geben soll, eigene Wurzeln oder, akademisch gesagt: kulturräumliche Identität. Sie denken, dass Heimat für Heimische und "Reigschmeckte" immer wichtiger wird.