Lindner, der FDP-Spitzenkandidat, der sich doch so jovial, wie ein Sunnyboy, wie ein Model auf Wahlplakaten zur Bundestagswahl präsentierte; garniert mit Aussagen wie "Es geht um unser Land", "Ungeduld ist auch eine Tugend" und "Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer." Was würde er also sagen, wenn er wüsste, dass ausgerechnet die Konstanzer FDP die Frage stellt, ob Wahlplakate nicht abgeschafft werden sollten? Zur Erinnerung: Die FDP verbuchte bei der Wahl im September 2017 ein Plus von 5,9 Prozent – vielleicht oder gerade aufgrund der plakativen Lindner-Show.

OB Burchardt lobt Lindner

Da musste sogar der Konstanzer Oberbürgermeister zugestehen: "Aber die FDP hatte doch einen der schönsten Kandidaten." Mit dieser Aussage sorgte Uli Burchardt im Gemeinderat für Erheiterung. Wie bei einigen Ratsmitgliedern der Vorstoß der FDP selbst. Heinrich Everke von den Liberalen hatte dargelegt, dass die Masse an Wahlplakaten im Zeitalter von Internet und sozialen Medien nicht mehr zeitgemäß seien, sie verschandelten das Stadtbild, seien teuer und können zur Belastung für die Umwelt werden. Die Stadtverwaltung begrüßte die Idee Everkes. Weniger Plakate im öffentlichen Raum bedeuteten weniger Arbeit in der Behörde, weil diese die Schilder genehmigen muss. Zudem sei eine werbefreie Stadt schöner, erklärte Bürgeramtsleiterin Anja Risse sinngemäß. Aber: Parteien hätten ein Recht auf Plakatwahlwerbung, den Umfang kann eine Kommune regeln – in Konstanz sind es 220 DIN-A1-Plakate pro Partei.

Ein Kompromissvorschlag

Viele Wahlplakate trügen narzistische Züge, Stichwort Christian Lindner, sie seien langweilig, beleidigend, gehörten aber zur demokratischen Tradition und seien Teil der politischen Willensbildung, sagte Normen Küttner (FGL). Die Schnittstelle zur analogen Welt sei groß. Viele Menschen würden durch diese erst auf eine Wahl aufmerksam. Küttner und die Mehrheit der FGL, so war er überzeugt, hielten an Wahlplakaten fest, eine Reduzierung sei aber denkbar. Matthias Heider (CDU) verwies auf das Grundrecht auf Wahlwerbung. Jan Welsch (SPD) betonte, Konstanz lasse im Vergleich mit anderen Städten wenige Wahlplakate zu. Einigung im Gemeinderat war, dass sechs Monate vor der nächsten Wahl nochmals über die Zulassung von Wahlplakaten diskutiert werden soll.

Wahlwerbung mit und ohne Inhalt

"Das Problem sind doch nicht die Plakate", sagte Anselm Venedey (FW), "sondern die Inhaltslosigkeit". Ihr Vorschlag ehre die Konstanzer FDP, die bei der Bundestagswahl doch so dazugewonnen habe. Inhaltslosigkeit war ein Stichwort im Gemeinderat. Es fiel ein weiteres Beispiel: "Digital First. Bedenken Second." Welche Partei? Richtig, die FDP. Dieses Sprachengemisch machte der kleine Zusatz auf dem Wahlplakat nur bedingt besser: "Denken wir neu." Immerhin das haben die Konstanzer Liberalen mit ihrem Vorschlag getan.