Immer wieder sonntags, genau genommen neun Mal jeden Sonntag, fahren Fernbusse des Anbieters FlixBus von München nach Konstanz. Rund dreieinhalb Stunden Fahrtzeit und Tickets für weniger als 20 Euro sind für viele Reisende Anlass, einem der meist auffällig grün-lackierten Busse den Vorzug gegenüber dem Auto oder der Bahn zu geben. Wäre da nicht das schwer abzuschätzende Risiko, im Stau zu stehen. Oder an der Auffahrt zur Fähre von Meersburg nach Konstanz.

Was war dort geschehen?

Genau das sei am vorigen Sonntag um 21.25 Uhr Ulrich Wolf und 53 Mitfahrern widerfahren. Ohne dass es dafür einen Grund gegeben habe, wie der Konstanzer in einer Beschwerde-E-Mail an die Stadtwerke Konstanz als Betreiber der Fähre erklärt.

Was stört den Fernbus-Nutzer Ulrich Wolf denn genau?

Sie liegt der Redaktion vor. Wolf schreibt: Als der Bus die Fähre erreicht habe, sei mit dem Beladen gerade erst begonnen worden. "Obwohl also noch genügend Platz auf der Fähre mit der fahrplanmäßigen Abfahrtzeit 21.35 Uhr war, verweigerte der für das Beladen der Fähre zuständige Mitarbeiter dem Bus die Auffahrt." Dies erscheine ihm "willkürlich" und sei "nicht nachvollziehbar".

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Und was erwartet Ulrich Wolf nun von den Stadtwerken?

Er fragt: Warum müssen 54 Fahrgäste eines öffentlichen Verkehrsunternehmens eine halbe Stunde warten, weil den Fahrern von drei Autos der Vorzug gegeben wird? Mehr Platz benötige der Bus seiner Einschätzung nach nicht. "Mit einem solchen Verhalten wird doch jedes Werben der Verkehrsbetriebe für den öffentlichen Verkehr konterkariert", argumentiert Wolf.

Von den Stadtwerken möchte er wissen, ob es sich um ein "bedauerliches Fehlverhalten" gehandelt habe, oder ob es eine entsprechende Richtlinie seitens der Fährbetriebe gebe, nach der sich auch Fernbusse in die Warteschlange einreihen müssen.

Und gibt es diese Richtlinie denn?

Zwar werde laut Stadtwerke-Sprecher Christopher Pape kein Verkehrsteilnehmer bei der Einweisung zur Überfahrt bevorzugt behandelt. Entscheidend für die Art der Beladung seien so unterschiedliche Faktoren wie das tagesaktuelle Wetter oder Maße und Beladung der wartenden Fahrzeuge. Die Stadtwerke behalten sich dabei immer vor, situationsbedingt zu entscheiden, "welche Fahrzeuge in welcher Reihenfolge wann und wie übergesetzt werden", erklärt Pape weiter.

Das heißt: Pech für Fernbus-Reisende?

Dennoch, führt er aus, werden "besonders umweltfreundlich reisende Fahrgäste vom Fährebetrieb möglichst schnell bedient, um Wartezeiten dieser Nutzergruppen gering zu halten". In der Regel funktioniere diese Lösung reibungslos und Fernbus-Reisende wie Ulrich Wolf könnten direkt mit der jeweils nächsten Fähre auf die andere Seeseite übersetzen.

Warum hat das dann vergangenen Sonntag nicht geklappt?

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Um eine solche habe es sich laut Pape am vergangenen Sonntagabend gehandelt. Wegen "eines unvorhersehbar großen Verkehrsaufkommens", gepaart mit einem "technischen Defekt einer der Großfähren" hatten bei der Ankunft des Fernbusses mit Ulrich Wolf an Bord "bereits viele andere Pkw und Lkw schon deutlich über eine Stunde auf ein Übersetzen gewartet", erklärt er.

Die zuständigen Mitarbeiter in Meersburg entschieden aus Gründen der Fairness deshalb, sie vor dem gerade erst angekommenen Fernbus auf die Fähre einzuweisen. Dieser sei dann laut Christopher Pape mit dem nächsten Schiff "nach verhältnismäßig sehr geringer Wartezeit übergesetzt worden".