"Sie finden eine neue Heimat im öffentlichen Gebetshaus am neuen Pflegeheim Zoffingen", erklärt Joachim Filleböcktell, stellvertretender Vorsitzender der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Konstanz, über die Kunstgegenstände aus dem Inneren des Gebäudes.

Wo kommen die Gegenstände hin?

Zunächst würden die von Klaus Ringwald angefertigten Gegenstände – darunter ein Altar, ein Kreuz und ein Tabernakel – in der Kunstschule Konstanz zwischengelagert. Diese ist bis zum Bau des Pflegeheims ins ehemalige Schulgebäude in der Niederburg eingezogen.

Ehemalige Mädchenschule Zoffingen.
Ehemalige Mädchenschule Zoffingen. | Bild: Oliver Hanser

"Diese Lösung haben wir mit der Klaus-Ringwald-Stiftung, die sich um den Nachlass kümmert, besprochen", sagt Filleböck. Rund 25.000 Euro kosteten der Ausbau und die Zwischenlagerung demnach.

Finden diese Lösung alle gut?

"Bedingt einverstanden" mit dieser Lösung ist Markus Ringwald, Sohn des 2011 verstorbenen Bildhauers aus Schonach im Schwarzwald. "Mir wäre der Erhalt als Gesamtwerk in Form einer Kapelle innerhalb des künftigen Wohnprojekts lieber gewesen", so der Ringwald-Erbe, "aber es war für den Eigentümer wohl schwer vorstellbar, deshalb einige Wohnungen wenige verkaufen zu können."

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Konnte die Kunst der Kapelle vollständig bewahrt werden?

Nicht anfreunden kann er sich mit den bunten Scherben, die er kürzlich rund um die Baustelle eingesammelt hat.

Zu Bruch gegangen: Scherben der von Emil Wachter geschaffenen Fenster der Kapelle.
Zu Bruch gegangen: Scherben der von Emil Wachter geschaffenen Fenster der Kapelle. | Bild: Markus Ringwald

Sie stammen von den Kapellenfenstern, die von Emil Wachter erschaffen wurden. "Ich habe mit Entsetzen die zerstörten Bleiglasfenster gesehen", sagt Ringwald im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Er schätze die Arbeit Wachters, nicht nur weil er den 2012 verstorbenen Künstler persönlich gekannt habe.

"Wachter war ein bedeutender Künstler, dessen Werke auf dem Markt beachtliche Preise erzielen", sagt Ringwald. Bekannt ist unter anderem die von ihm künstlerisch verantwortete pyramidenförmige Autobahnkirche am Rasthof Baden-Baden.

Markus Ringwald sei von Reiner Ott, Geschäftsführer des Klinikverbundes im Landkreis Konstanz, telefonisch zugesichert worden, dass auch die Fenster mit christlichen Motiven erhalten blieben. Der Klinikchef war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Warum konnten die Fenster nicht erhalten werden?

Stattdessen hat Joachim Filleböck eine Erklärung: "Die Fenster konnten, so traurig das ist, beim Abriss schlicht nicht erhalten werden." So habe die Auskunft des erzbischöflichen Bauamts an die Katholische Gesamtkirchengemeinde gelautet.

So sah das Innere der Vincentius-Kapelle vor ihrem Abriss aus.
So sah das Innere der Vincentius-Kapelle vor ihrem Abriss aus. | Bild: Markus Ringwald

"Sie waren für die Ewigkeit geschaffen, ein Ausbau war nie vorgesehen und nach unserem Wissen technisch unmöglich", so Filleböck weiter. So bleiben die vier christlichen Fenstermotive lediglich als fotografische Dokumente erhalten. "Das ist schade und ein Fehler", urteilt Markus Ringwald. "Natürlich hätte man die Fenster ausbauen können, man wollte nur aus finanziellen Gründen nicht", lautet seine Einschätzung.

Was geschah mit dem Außenkreuz der Kapelle?

Anders gelagert als der Fall um die Kunst Ringwalds und Wachters aus dem Inneren der Kapelle, ist der des blauen Kreuzes an der Fassade. Auch das fiel dem Abriss zum Opfer – und findet durch eine spontane Rettungskation eine ungewöhnliche neue Heimat: den privaten Garten von Erika Landthaler im Ortsteil Dettingen.

Dem Abriss zum Opfer gefallen: Der materielle Wert mag gering sein, aber für viele Konstanzer ist das blaue Kreuz von der Fassade der Vincentius-Kapelle von hoher emotionaler Bedeutung. In einer Spontanaktion ist es gerettet worden.
Dem Abriss zum Opfer gefallen: Der materielle Wert mag gering sein, aber für viele Konstanzer ist das blaue Kreuz von der Fassade der Vincentius-Kapelle von hoher emotionaler Bedeutung. In einer Spontanaktion ist es gerettet worden. | Bild: Oliver Hanser

Sie arbeitet im Vertrieb der Krankenkasse AOK, direkt gegenüber der Vincentius-Baustelle. Gemeinsam mit ihrem Arbeitkollegen Andreas Kaltenbach, im Nebenberuf Zunftmeister der Konstanzer Blätzebuebe-Zunft, beobachte Landthaler das Geschehen an der gegenüberliegenden Seite der Unteren Laube seit einiger Zeit.

"Und plötzlich haben wir das Kreuz im Dreck liegen sehen", sagt Kaltenbach. Nach Absprache mit der Bauleitung – streng genommen gehört das entsorgte blaue Kreuz dem Grundstückseigentümer LBBW Immobilien – wurde es zum Abholen freigegeben.

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Für die Katholische Gesamtkirchengemeinde sei das Stück "ohne wichtige Bedeutung, es ist weder geweiht, noch sonst aus christlicher Sicht wichtig", erklärt der stellvertretende Vorstand, Joachim Filleböck.

Wohin soll das Kreuz nun kommen?

"Von der Bauleitung wurde uns gesagt, wir sollen es abholen, sonst falle es auf den Schrott", sagt Andreas Kaltenbach über die Spontanrettung, die am Mittwochmorgen stattfinden soll. Ein Baggerfahrer hatte versprochen, es nicht verloren gehen zu lassen.

Erika Landthaler schaltete sich ein und brachte den heimischen Garten ins Spiel. "Den genauen Standort müssen wir noch absprechen", kündigt sie an. Dass das Kreuz nicht einfach entsorgt werden dürfe, erklärt sie mit ihrer Familiengeschichte: "Meine Schwiegermutter hat im Vince gearbeitet und mein Vater ist an der Laube aufgewachsen, also das sind doch Gründe genug."