Für Sandy Wenzel und Tobias Weller ist Tanzen mehr als ein Hobby. Mit ihrer Tanzschule im Oberlohn verdienen sie ihr Geld. Noch, denn das Duo weiß nicht, „ob wir noch lange weitermachen können“, sagt Wenzel. Die Betreiber des Tanzwerks fühlen sich von den städtischen Behörden „ungerecht behandelt“, sagt Weller. Schwer zu durchschauende bürokratische Entscheidungen bedrohten ihre Existenz. Und dann ist da noch ein getrübtes Verhältnis zum größten Mitbewerber in der Stadt.

Beschwerden von Nachbarn über Lärm – wie alles begann

Doch von vorne: Für die Tanzwerk-Betreiber sei der Ärger im Sommer 2017 losgegangen. Damals sahen Anwohner von der anderen Seite der Bahngleise, an die das Tanzwerk grenzt, ihre Ruhe gestört. Sandy Wenzel und Tobias Weller sprechen von Beschwerden eines einzigen Nachbarn aus der Reutestraße im Sommer 2017.

Die Stadtverwaltung Konstanz teilt über Sprecher Walter Rügert mit, es habe „seit Betrieb der Tanzschule immer wieder Beschwerden wegen Ruhestörungen aus der Nachbarschaft“ gegeben. Wenzel und Weller hatten den Eindruck, nach klärenden Gesprächen sei ein möglicher Nachbarschaftsstreit ausgeräumt.

Keine größeren abendlichen Veranstaltungen mehr

Doch nach einem Jahr Funkstille kam es Mitte 2018 zu neuerlichen Beschwerden, was die Tanzschulbetreiber einräumen und die Stadtverwaltung bestätigt. Wenzel und Weller haben nach eigener Aussage versucht, dem Problem selbst Herr zu werden, zum Beispiel durch das Schließen der Fenster während der Veranstaltungen. Vergeblich. Größere abendliche Anlässe wie die beliebten Salsa-Partys fänden seither ebenfalls nicht mehr statt, sagen Wenzel und Weller.

Anwohner erhoben Einwände gegen Wunsch nach verlängerter Betriebszeit

Letztlich führten die Lärmbeschwerden dazu, dass auch Pläne zur Verlängerung der Betriebszeiten im Papierkorb verschwanden. Wenzel und Weller besitzen eine Genehmigung von 18 bis 23 Uhr mit bis zu zwölf Ausnahmen pro Jahr nach vorheriger Anmeldung. Als die beiden einen Antrag auf Verlängerung einreichten, kam es zur Anhörung der Nachbarn, die „zahlreiche Einwände“ erhoben, wie Rathaus-Sprecher Walter Rügert mitteilt. „Einstimmig wurden als Begründung die störenden Schallemissionen beklagt.“

Sandy Wenzel und Tobias Weller Tanzschule Tanzwerk. Bild: Oliver Hanser
Sandy Wenzel und Tobias Weller Tanzschule Tanzwerk. Bild: Oliver Hanser

Das Tanzwerk befindet sich in einem sogenannten eingeschränkten Gewerbegebiet. Unabhängig von möglichem Lärm hätte ein Antrag auf einen regelmäßigen Betrieb nach 23 Uhr keine Chance, da die Tanzschule dann als eine in einem solchen Gewerbegebiet unzulässige Vergnügungsstätte gelten würde.

Woran die Jugend-Partys im Tanzwerk scheiterten

„Als besonderen Nackenschlag“ bezeichnet Tobias Weller das faktische Aus der Jugendpartys im Tanzwerk. Wobei der Teufel in der Bezeichnung liege. „Uns wurde seitens der Stadt gesagt, Veranstaltungen für Jugendliche dürften nicht ‚Party‘ genannt werden.“ Tanzveranstaltung sei der korrekte Begriff. Außerdem seien er und seine Partnerin aufgefordert worden, vorab Listen der angemeldeten Jugendlichen anzufertigen und diese an die Stadt zu übermitteln.

Die Folge: Die jungen Gäste verloren das Interesse. „Am besten, wir machen es zu einem Tanztee am Sonntagnachmittag, dann kommt auch sicher niemand mehr“, sagt Weller mit bitterem Humor.

Stadtverwaltung: Das Problem ist die explizite Einladung ab 14 Jahren

Seitens der Stadt hat man die Diskussion um Jugendpartys im Tanzwerk anders in Erinnerung. Die Verwaltung habe, erklärt ihr Sprecher Walter Rügert, den Betreibern mitgeteilt, „dass sie den Eindruck öffentlicher Party- oder Tanzveranstaltungen vermeiden müssen, um nicht mit dem Jugendschutzgesetz in Konflikt zu geraten“. Hintergrund sei gewesen, dass ausdrücklich Jugendliche ab 14 Jahren zugelassen waren.

Das Jugendschutzgesetz verbietet unter 16-Jährigen ohne Begleitung der Eltern einen solchen Besuch. „Verbindliche Vorgaben oder gar ein Verbot, die Veranstaltungen als Jugendpartys zu benennen, gab es unsererseits nicht“, so Rügert.

Profitiert der größte Konkurrent von den Schwierigkeiten im Tanzwerk?

Liegt der Teufel erneut im Detail? Denn der große Konkurrent in Konstanz – die Tanzschule La Danse in der Markgrafenstraße – richtet ebenfalls regelmäßig Veranstaltungen für Jugendliche aus, zuletzt am ersten Oktobersamstag; außerdem mehrfach pro Jahr die von der Stadt erlaubten zwölf Veranstaltungen über die offiziellen La-Danse-Betriebszeiten bis 22 Uhr hinaus.

Auf ihrer Homepage und in den sozialen Medien wirbt die Tanzschule La Danse für ihre Jugend-Partys.
Auf ihrer Homepage und in den sozialen Medien wirbt die Tanzschule La Danse für ihre Jugend-Partys. | Bild: Screenshot/ Südkurier

Auf der Homepage wurden „Jugend Partys“ von 20 bis 23 Uhr angekündigt – eine Altersbegrenzung wird nicht genannt. La-Danse-Inhaber Urs Glänzel will sich zu diesem Thema nicht äußern. Schriftlich teilt er mit, er sehe „keinerlei Relevanz bezüglich eines Interesses für die Öffentlichkeit“. So lässt sich auch nicht klären, ob er von den Schwierigkeiten seiner Konkurrenten im Oberlohn profitiert.

Pikant: Diese waren früher als Tanzlehrer bei Urs Glänzel angestellt, „das Verhältnis ist sicher nicht das beste, seit wird 2016 selbstständig wurden“, sagen Sandy Wenzel und Tobias Weller. Sie sind von einem Wettbewerbsvorteil für das La Danse durch die Probleme mit der Stadt überzeugt – und können sich schwer vorstellen, dass Partys bis in die späten Nachtstunden im Wohngebiet Markgrafenstraße für weniger Lärmbeschwerden sorgen als in einem Gewerbebau direkt neben einer Bahntrasse. Schade, dass Urs Glänzel Fragen dazu „keinerlei Relevanz“ beimisst.