Unsere erste Grafik veranschaulicht, wie weit die Zahl der Wortbeiträge in Gemeinderatssitzungen auseinander liegt. Sie reicht von neun Nennungen in den Protokollen bei Christine Finke (Junges Forum Konstanz) bis zu 201 bei Roger Tscheulin (CDU).

Redebeiträge pro Stadtrat

Es liegt in der Natur des Gemeinderats, dass Fraktionsvorsitzende wie Tscheulin häufiger sprechen als andere Stadträte, weil sie häufig die grundsätzliche Position ihrer Fraktion verdeutlichen. So liegen mit Holger Reile (Linke Liste), Matthias Schäfer (JFK), Jürgen Ruff (SPD), Heinrich Everke (FDP) oder Ewald Weisschedel (Freie Wähler) andere aktuelle oder ehemalige Fraktionsvorsitzende ebenfalls weit vorne. Die Freie Grüne Liste bildet einen Sonderfall, da die Fraktion alle zwei Jahre zwei neue Vorsitzende wählt.

Für das Schaubild gilt es zudem, einige Sonderfälle zu berücksichtigen: So rückten für die SPD mit Alfred Reichle (2015) und Jan Welsch (2016) ebenso zwei Stadträte nach, wie für die FGL (Roland Wallisch, 2015, und Till Seiler, 2016). Letzter Nachrücker war Joachim Filleböck, der erst seit 2017 der CDU-Fraktion angehört. Mit Klaus-Peter Kossmehl (von der CDU) und Jürgen Puchta (von der SPD) wechselten zudem zwei Räte zur Fraktion der Freien Wähler. Diese wiederum verließ Gabriele Weiner in Richtung JFK.

Redebeiträge pro Fraktion

Logisch erscheint die absolute Zahl der Wortbeiträge nach Fraktionen: Mit 667 beziehungsweise 529 stehen die beiden stärksten Fraktionen, FGL und CDU, an der Spitze. Dass die FDP mit 185 Nennungen das Schlusslicht bildet, liegt also (auch) daran, dass sie zu den kleinen Fraktionen zählt. Doch hierzu später mehr.

Andererseits wird deutlich: Die Vertreter der FDP zählen auch relativ nicht zu den wortfreudigsten. Pro Stadtrat kommen die Liberalen statistisch gesehen auf gerundet 62 Beiträge und bilden damit den Gegenpol zur Linken Liste. Die stellt zwar nur zwei Stadträte, dafür kommen Holger Reile und Anke Schwede aber im Schnitt auf 157 Beiträge – was ihnen die Spitzenposition in der folgenden Grafik einbringt. Schlusslicht sind die Freien Wähler mit 50 Wortbeiträgen.

Interessanter Aspekt: Die CDU spricht zwar insgesamt oft (siehe oben), jedes Fraktionsmitglied im Schnitt aber nur 59 Mal.

Redebeiträge pro Stadtrat und Fraktion

Einer redet ganz viel, ein anderer ganz wenig. Zugespitzt könnte man das von der CDU-Fraktion behaupten, denn die Zahl der Wortbeiträge reicht von mehr als 200 bei Roger Tscheulin bis zu 13 bei Marcus Nabholz. Deutlich ausgewogener sind die Anteile bei FDP, SPD oder der Linken Liste. Selbst die FGL, die einen Stadtrat mehr als die CDU stellt, kommt auf eine deutlich geringere Spreizung zwischen 20 und 111.

Spreizung in den Fraktionen

Bei den meisten Fraktionen zeigt sich: Sie bewegen sich ausgewogen über beziehungsweise unter dem ermittelten Median. Mediane bilden in der Statistik einen Mittelwert ab. Sie balancieren anders als der Durchschnitt die Extreme an beiden Enden einer Zahlenreihe aus.

Für unser Beispiel bedeutet das: Jeweils die Hälfte der Stadträte hat sich häufiger beziehungsweise seltener zur Wort gemeldet als der ermittelte Median. Der Durchschnittswert liegt deutlich höher. Bei der Linken Liste gehören beide Stadträte zu den beitragshäufigen, auch die SPD ist mit vier von sechs Stadträten in den Top 20 der Wortmeldungen vertreten.

Mit der nahenden Gemeinderatswahl bekommt auch die Frage nach weiblichem Engagement in der Kommunalpolitik neue Kraft. Nicht nur in Konstanz.

Das könnte Sie auch interessieren

Notwendig ist die Debatte aber auch hier, wie ein Blick auf die analysierten rund 2750 Wortbeiträge zeigt. Denn diese entsprechen ziemlich genau dem bisher unausgewogenen Geschlechterverhältnis im Gemeinderat: 30 Stadträte treffen dort auf zehn Stadträtinnen. Und auch nur jeder vierte Wortbeitrag stammt von einer Frau. Deren Anteil von Redebeiträgen enstpricht also ihrer Anzahl im Rat. Allerdings: Im Verhältnis kommen Frauen in allen Fraktionen seltener zu Wort als Männer – mit Ausnahme der FGL.