Als Steuerzahler las man die Zeitung zuletzt nicht besonders gerne. Zuerst wird bekannt, dass das Bodenseeforum schon zum zweiten Mal in diesem Jahr mit Steuermitteln unterstützt werden muss, zusammen geht es um 3,2 Millionen Euro. Dann stellt sich heraus, dass das Budget für die Z-Brücke nicht zu halten ist. In nur acht Jahren steigen die Kosten von einst geschätzten 2,6 auf nun bis zu 6,2 Millionen Euro. Und schließlich wird klar, dass die Geschwister-Scholl-Schule (GSS) nach nur 41 Betriebsjahren so heruntergewirtschaftet ist, dass man ernsthaft über Abriss und Neubau nachdenken muss. Das wirft die Frage auf: Gehen Stadtverwaltung und Gemeinderat mit den anvertrauten Geldern nachlässig um?

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Die einfachste Antwort darauf wäre ein Ja – aber einfache Antworten sind eben nicht immer die richtigen. Über lange Fristen betrachtet, hat Konstanz sparsam gewirtschaftet. Das zeigt sich an der Verschuldung, die weit unter den Wert vergleichbarer Städte gedrückt wurde. Das zeigt sich einer knappen Personalausstattung im Rathaus. Und das zeigt sich auch in vielen Projekten wie millionenschweren Kanalsanierungen oder dem Bau der Gemeinschaftsschule, die im Budget geblieben oder in der Schlussabrechnung sogar günstiger geworden sind.

Aber: Bezifferbare, mit Bankkrediten zu bedienende Darlehen sind auch einfach zu grauen, erst von kommenenden Generationen zurückzuzahlenden Schulden geworden. Eine vollkommen kaputtgesparte Straße, eine fast abbruchreife Schule, ein Veranstaltungshaus ohne Rücklage für den irgendwann anstehenden Ersatzbau – all das sind Kosten. Nicht heute, aber irgendwann. Die Steuerzahler wären vielleicht besser gefahren, wenn die Stadt seit 2005 nicht jeweils 1,6 Millionen Euro in das politische Ziel Schuldenabbau, sondern das praktische Projekt GSS-Sanierung investiert hätte.

Für Kostensteigerungen und -explosionen gibt es immer mehr als einen Grund. Die Z-Brücke hätte Konstanz billiger bekommen, wenn sie sofort nach dem Wettbewerb errichtet und nicht vom Rat über Jahre ausgebremst und der wissentlich der enormen Baupreis-Steigerung ausgesetzt worden wäre. Dass die Geschwister-Scholl-Schule (und übrigens: nicht nur sie) dringendst saniert werden muss, hat die Verwaltung schon 2010 klar formuliert – doch der Gemeinderat setzte andere Prioritäten, zum Beispiel den Neubau für die Gemeinschaftsschule. Beim Bodenseeforum gab es den politischen Beschluss, dass ein solches Haus ebenso zur öffentlichen Infrastruktur gehöre wie ein Sportplatz, der seine Abschreibung ja auch nicht erwirtschaften kann.

Lange Entscheidungsprozesse sind nicht der einzige Grund, warum es bei öffentlichen Projekten so oft ein Kostenproblem gibt. Das vorgeschriebene Verfahren von Ausschreibung, Angebot und Zuschlag lädt Baufirmen förmlich ein, billig anzubieten und dann nachzufordern, wenn ein Ausstieg unmöglich geworden ist: Es leicht zu begründen, warum der günstigste Bieter genommen wird und schwer zu erklären, warum ein teurerer vielleicht der solidere Partner ist. Insofern wird Konstanz bei der Z-Brücke auch zum Opfer einer Vorgehensweise, die gut gemeint ist, aber nur auf funktionierenden Märkten Transparenz schafft.

Das wohl größe Problem aber liegt im Wesen von Politik selbst. Wer viel Zeit und Kompetenzen einbringt, um sich im Gemeinderat einzubringen, tut dies aus einem inneren Gestaltungswillen heraus. Wenn nun 30 Millionen Euro pro Jahr für Investitionen zur Verfügung stehen, lässt sich dieser Wille nur schwer ausleben, wenn der Betrag vorwiegend in zwar nachhaltige, aber politisch kaum ertragreiche Straßensanierungen oder Schulhauserneuerungen investiert wird. Auch einem Bürgermeister tut man nicht Unrecht, wenn man ihm attestiert, dass er lieber einen Neubau einweiht als eine neue Asphaltdeckschicht der Nutzung zuführt.

So zeichnet sich das Bild eines Systems, in dem sparsam-zukunftsgerichtetes Haushalten mit dem anvertrauten Geld nur selten honoriert wird. Wenn wir von unserer Stadtverwaltung und von unserem Gemeinderat erwarten, dass sie künftig keine Schulen verrotten lassen oder Brücken schnell und kostengünstig bauen, müssen wir unsere Ansprüche an immer neue Projekte zurückschrauben. So lange aber mit finanziell nachhaltigem Wirtschaften kaum ein Wahlkampf zu gewinnen ist, werden wir uns noch oft die Augen reiben, was mit unserem Geld alles passiert – und manchmal, schlimmer noch, was alles nicht passiert.