Unmittelbar nach der Wahl zum Ortschaftsrat war die SPD-Fraktion in Dettingen-Wallhausen noch der Gewinner. 434 Stimmen mehr erreichte sie als die CDU, die damit einen Sitz verlor. Die SPD zog nach Sitzen gleich.

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Aber inzwischen entsendet die SPD statt sieben nur noch vier Mitglieder in ihre Fraktion, denn die parteilosen Andreas Schwabedissen, Christoph Müller und Maurizio Caré haben die Fraktion Freie Liste Dettingen-Wallhausen (FLDW) gegründet.

Wie konnte es dazu kommen?

„Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht. Ich finde es daher schade, dass wir für manche die Buhmänner sind“, erklärt Andreas Schwabedissen, der acht Jahre lang für die SPD in Ortschaftsrat saß. „Über einen längeren Zeitraum hinweg sei eines zum anderen gekommen. Daher haben wir uns entschieden, einen eigenen Weg zu gehen. Wir wollen das Bestmögliche für Dettingen-Wallhausen herausholen“, erläutert er.

Dass dies im Verhältnis zur Kernstadt nicht immer leicht ist, ist ihm bewusst. „Ob wir aber unsere Interessen durchkriegen, das steht auf einem anderen Blatt Papier“, sagt er.

Streitpunkt der SPD schon vor der Wahl: Bebauung der Brunnenhalde

„Es gab Unstimmigkeiten. Wir konnten unsere Ziele und Meinungen nicht vertreten. Unser vorrangiges Interesse ist es, die Interessen der Bürger von Dettingen-Wallhausen zu vertreten“, erklärt Maurizio Caré. Bereits vor der Wahl schwelte ein großes Thema in der SPD-Fraktion. Christoph Müller und Andreas Schwabedissen stehen der Bürgerinitiative Ortsmitte nahe, die eine Bebauung auf der Brunnenhalde strikt ablehnt.

„Da sind wir immer weiter auseinander gegangen“

Im Gegensatz dazu haben Alfred Reichle und Christian Broghammer ihr prinzipielles Bekenntnis zur Brunnenhalde-Bebauung ausgesprochen. „Da sind wir immer weiter auseinander gegangen“, betont Müller. Als weiteres wichtiges Thema benennt er die unbefriedigende Verkehrssituation in Dettingen: Falschparken im Schulweg, wobei Kinder gefährdet werden; die zu hohen Geschwindigkeiten in der Langenrainer Straße; die Allensbacher Straße, die für einen Schwerlastverkehr nicht ausgelegt sei.

„Die Wahl des Ortsvorstehers war nicht nur für uns nicht nachvollziehbar“

Wichtig ist ihm auch der Ausbau des Anruf­sammeltaxis. Das Angebot am Abend sollte erweitert werden, da es mehrere Kooperationen mit Allensbacher Vereinen gibt, an denen auch Kinder beteiligt sind. Die geplante Dreifeldhalle möchte er großzügiger fürs Publikum, mit Umkleiden und mit einem Bewirtungsbereich ausgestattet sehen, als dies nach einer ersten Skizzierung der Fall sei.

Unbefriedigend für Schwabedissen, Müller und Caré war auch die Tatsache, dass die SPD keinen eigenen Kandidaten für die Wahl zum Ortsvorsteher aufgestellt hatte. So wurde mit zwei SPD-Stimmen der bisherige Amtsinhaber Roger Tscheulin im Amt bestätigt. „Die Wahl des Ortsvorstehers war nicht nur für uns nicht nachvollziehbar, sondern auch für viele Bürger“, erklärt Christoph Müller.

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Dass es bei jeweils sieben Sitzen im Ortschaftsrat zu einer Pattsituation hätte kommen können, ist für ihn in Ordnung; auch dass möglicherweise der Ortsvorsteher per Auslosung ermittelt worden wäre. „Warum nicht, wenn es im Gesetz so vorgesehen ist“, sagt er nachdrücklich.

Enttäuschung bei der dezimierten SPD-Fraktion

Über sein Verhältnis zu den anderen Ortschaftsräten sagt Andreas Schwabedissen: „Ich möchte einen fairen Umgang miteinander. Ich kann mit anderen Meinungen leben. Es gibt unterschiedliche Interessen, für die ein Kompromiss gefunden werden kann. Ob der gut war, muss dann die Generation nach uns beurteilen.“

SPD-Ortsvereins-Vorsitzende Lore Dizinger und ihr Stellvertreter Alfred Reichle sind enttäuscht.

Alfred Reichle (SPD), Ortschaftsrat Dettingen-Wallhausen und Stadtrat in Konstanz.
Alfred Reichle (SPD), Ortschaftsrat Dettingen-Wallhausen und Stadtrat in Konstanz. | Bild: Nikolaj Schutzbach

„Das verstehe ich nicht so ganz, da es intensive Gespräche gab“, erklärt Reichle. Darüber hinaus ist er über die Antwort „Wir haben keine Anforderungen“ unzufrieden. „Das passt auch nicht zusammen. Da kann ich nicht verhandeln“.

„Ich glaube, dass es um persönliche Dinge geht“

Zur Ortsvorsteherwahl sagt er: „Was die Bürgerinitiative sich von einem anderen Ortsvorsteher vorstellt, das ist Träumerei“. Reichle ergänzt: „Ich glaube, dass es um persönliche Dinge geht und nicht um die Sache. Das ist schlecht für so einen kleinen Ort. Wir müssen zusammenstehen“.

Lore Dizinger (SPD), Ortschaftsrätin Dettingen-Wallhausen.
Lore Dizinger (SPD), Ortschaftsrätin Dettingen-Wallhausen. | Bild: Nikolaj Schutzbach

„Ich finde es einfach schade“, bilanziert Dizinger. „Dass man nicht immer einer Meinung ist, ist klar. Aber wir werden so gut wie es geht zusammenarbeiten“, bekräftigt sie.

Wähler reagiert mit Zorn auf Abspaltung

Peter Heckler ist ein Bürger, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Über die Anwohner der Brunnenhalde und Begründer der Bürgerinitiative Ortsmitte sagt er: „Die vertreten nur private Interessen. Die haben noch nie einen Handstreich für die Gemeinde getan.“ Von Schwabedissen, Müller und Caré hätte er mehr Durchhaltevermögen erwartet. „Da stehe ich doch dazu. Das ist den Bürger verarscht. Die werde ich nie mehr wählen“, sagt er erbost.