Es gibt einen festen Rahmen. „Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr“, berichtet Hans-Peter Glowatzki. „Da geht es zunächst darum, die Hörsäle aufzuschließen und die Medientechnik und Mikrofone vorzubereiten.“ Wenn um 8.15 Uhr die ersten der 11.300 Uni-Studenten in ihre Vorlesungen strömen, soll alles betriebsbereit sein. Die Spätschicht wiederum endet für Glowatzki und seine Kollegen um 22 Uhr, wenn sie zum Abschluss ihrer Schließrunde die letzten Gebäude auf dem Campus zusperren.

Hans-Peter Glowatzki hat blaue Augen, sein Gesicht und seine Arme sind von der Sonne braungebrannt. Deutlich interessanter als Schichtanfang- und Ende sei für ihn aber die Zeit dazwischen, verrät er gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem SÜDKURIER. „Jeder Tag bringt neue Aufgaben. Und genau das schätze ich an meiner Arbeit.“

Mal gehe es darum, den Senatssaal im zehnten Stock des V-Gebäudes für eine größere Veranstaltung herzurichten oder einem Dozenten unter die Arme zu greifen, der in ein neues Büro umzieht. „Vielleicht muss aber auch eine Studentin befreit werden, die in einem der Aufzüge feststeckt.“

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Abwechslung ist ein Schlüsselwort für den 51-Jährigen. Das verrät schon der Blick auf seinen Lebenslauf. Wie jeder der 20 Hausmeister der Uni Konstanz hat Hans-Peter Glowatzki, der aus St. Blasien im Schwarzwald stammt, zunächst einen Ausbildungsberuf erlernt. „Ich war als Möbelschreiner in Bernau tätig und bin in dieser Zeit auch öfter auf Montage gewesen“, erzählt er.

Bild: Schottmüller, Daniel

Anschließend zog es ihn an den Bodensee. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Vier Jahre lang arbeitete Glowatzki in Konstanz-Dettingen auf einer Bootswerft. Seine Aufgabe: Boote, die bei einer Kollision oder einem missglückten Anlegemanöver Schaden genommen haben, reparieren. Für ihn als Schreiner sei es spannend gewesen, zu lernen, wie man zum Beispiel am Rumpf der Gefährte Algenbildung verhindern kann. „Ich hatte es mit Motorbooten zu tun, meistens mit Sportbooten.“

Von der Bootswerft in die Sauna

Sportlich ging es auch an Glowatzkis nächstem Arbeitsplatz zu: der Sauna in Radolfzell. „Die Hälfte meines Arbeitstags war ich dort als Hausmeister tätig, die andere Hälfte als Saunameister.“ Wie bitte? „Ja, genau“, sagt er und schmunzelt. „Ich habe in München eine Schulung abgelegt und ein entsprechendes Zertifikat erhalten.“ Nicht nur das. In den sechs Jahren, die er in Radolfzell das Handtuch schwang, half Glowatzki, größere Saunaevents zu organisieren.

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„Je nach Motto kamen dabei Schwarzlicht und sogar Schneekanonen zum Einsatz.“ Einmal habe er die komplette Sauna in einen Stall verwandelt – selbstgebastelte künstliche Kuhfladen inklusive. Glowatzkis persönlicher Höhepunkt: Einmal an Halloween hätten er und seine Kollegen einen riesigen Eiswürfel unter einer Maske versteckt. Zu dramatischer Horrorfilmmusik sei dieser Eiswürfel-Maskenkopf dann mit einer Kettensäge abgetrennt und feierlich auf den heißen Saunasteinen platziert worden, erinnert sich Glowatzki vergnügt.

Mit rauchenden Köpfen hat er auch bei seiner jetzigen Arbeit an der Uni zu tun. „Als Hausmeister hat man zwar nicht ganz so viele Berührungspunkte mit den Studenten, aber es kommt durchaus vor, dass sie mir Hilfe bei bestimmten Arbeiten anbieten. Es ist wirklich ein sehr nettes Miteinander hier“, freut er sich.

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Anfangs sei er mit dem weitläufigen Campus noch etwas überfordert gewesen, sagt der Mann, der im Laufe eines Arbeitstags Fußstrecken von bis zu 16 Kilometern zurücklegt. „Aber mittlerweile kenne ich jeden Gang und jeden Winkel.“ Das ist auch gut so, denn es passiert nicht selten, dass das Team vom Hausdienst alarmiert wird, wenn irgendwo auf dem Unigelände ein Notfall passiert. Das kann kurios sein, so wie damals, als Glowatzki und ein Kollege einem Studenten helfen mussten, der nicht mehr aus der Toilette herauskam. Es kann sich aber auch um einen medizinischen Notfall handeln.

Der Hausmeister als Ersthelfer

„Verletzungen kommen öfter vor“, berichtet der Hausmeister. Aber ähnlich wie damals in der Sauna habe er immer mal wieder mit Menschen zu tun, denen der Kreislauf versagt. „Oft kann man das in Klausurenphasen beobachten. Manche Studenten steigern sich so sehr in ihre Prüfungsangst herein, dass sie wirklich körperliche Beschwerden bekommen.“

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Glowatzki nimmt regelmäßig an Erste-Hilfe-Schulungen teil, und hilft, wo er kann. Freude bereiten ihm aber andere Aspekte seiner Arbeit. „Als ausgebildeter Möbelschreiner freue ich mich natürlich immer, wenn ich in diesem Bereich aktiv sein kann“, erzählt er. „Am liebsten sind mir Arbeiten, bei denen es um millimetergenaue Präzision geht – da kann ich mich so richtig dran verbeißen.“

Oftmals wüsste ein Laie gar nicht, wie viel Zeit und Energie er in solche Reparaturarbeiten investiert. „Aber genau das macht mir Spaß“, sagt Hans-Peter Glowatzki und lächelt.