Die Nachricht, die Tobias Engelsing zur Jahrespressekonferenz der Konstanzer Museen mitbrachte, war mehr als gut: Die Besucherzahlen sind in allen vier Einrichtungen gestiegen. Allein im Rosgartenmuseum waren 2019 mit 64.621 Besuchern über 20.000 Personen mehr als noch im Vorjahr. Auch in der Städtischen Wessenberg-Galerie, im Hus-Haus und im Bodensee-Naturmuseum lief es.

Rechts der Chef der Museen, Tobias Engelsing, in der Mitte Barbara Stark, Leiterin der Wessenberg-Galerie und links Martina Groth, Leiterin des Naturmuseums
Rechts der Chef der Museen, Tobias Engelsing, in der Mitte Barbara Stark, Leiterin der Wessenberg-Galerie und links Martina Groth, Leiterin des Naturmuseums | Bild: Eva Marie Stegmann

„Wollen keinen volldigitalisierten Rummelplatz“

Für eine mittelgroße Museumsgruppe, wie die Konstanzer Museen es seien, sei das beachtlich, so Engelsing. Er fühle sich dadurch in der Linie bestätigt, die das Museum fährt. Die da lautet: Weniger Digitalisierung als manch andere Häuser, kein Augmented Reality, keine digitalen Welten. Dafür mehr unmittelbares, direktes Erleben der Ausstellungsstücke. „Digitalisierung im Museum kann keine Erfolgsideologie sein. Dann sehen Museen aus wie Kinderzimmer“, sagte Engelsing, während die Presse Croissants und Brezeln aß.

Bild: Eva Marie Stegmann

„Wir wollen Menschen in unmittelbaren Kontakt mit den Originalen bringen. Und keinen volldigitalisierten Rummelplatz“ Die Vermittlung erfolge von Mensch zu Mensch, weshalb die Gästeführer auch 2020 wieder eine tragende Rolle einnehmen sollen.

Jubiläumsprogramm im Rosgartenmuseum

Das Rosgartenmuseum wird 150 Jahre alt. „Wir wollen versuchen im Jubiläumsjahr in jeder Abteilung Objekte zu haben, die man auch anfassen kann“, versprach Tobias Engelsing. Etwa Schuhe, Schals, das solle ein sinnliches Erleben ermöglichen. Eine kleine digitale Neuerung soll es dann doch auch geben: Audioguides für die Daueraustellung.

Bild: ANNETTE WEISKE

Und zwar am 25. Juni zum Start der Jubiläumsausstellung. Die trägt den Titel „Schätze des Südens – Kunst aus 1000 Jahren“. In der Schau werden bis 30. Dezember 2020 besondere Stücke aus der eigenen Sammlung im ganzen Haus und im Sonderausstellungssaal gezeigt. Gemälde und Skulpturen bedeutender süddeutscher Maler, frühe Buchkunst, Glas, Gold- und Silberarbeiten und historische Zeugnisse aus 1000 Jahren Geschichte des Bodenseeraums. Im „Leiner-Saal“ wird es Zeugnisse aus der Gründungszeit rund um den leidenschaftlichen Sammler Ludwig Leiner und seine Familie geben.

Zwei besondere Ausstellungen in der Wessenberg-Galerie

In der Wessenberg-Galerie wird es 2020 zwei besondere Ausstellungen geben. Wie Leiterin Barbara Stark sagte, stehen bei der einen die Malerinnen vom Bodensee im Mittelpunkt. Die Frauen, die mit Gründung der Weimarer Republik erstmals als Bürgerinnen mit Wahlrecht den Männern gleichgestellt waren. Deshalb war die Zahl professionell arbeitender Künstlerinnen seit dem 19. Jahrhundert sukzessive gestiegen.

Wird dieses Jahr in der Wessenberg-Galerie gezeigt: Ilna Ewers Werke. Dieses trägt den Titel Wunderwald.
Wird dieses Jahr in der Wessenberg-Galerie gezeigt: Ilna Ewers Werke. Dieses trägt den Titel Wunderwald. | Bild: Wessenberg-Galerie

Bei der Ausstellung „Beruf: Künstlerin! Zehn deutsche Malerinnen am Bodensee„ werden unter anderem Werke von der 1791 in Konstanz geborenen Marie Ellenrieder präsentiert, die als Portraitistin und Malerin religiöser Bilder erfolgreich war.

Autodidaktin Susanne Scheuermann

Oder die kleinformatigen Aquarelle von Agnes Susanne Scheuermann, der Autodidaktin, über die bisher wenig bekannt ist. Die zweite Schau in der Wessenberg-Galerie im Jahr 2020 wird heißen „Luft, Licht und Farbe. Malerei süddeutscher Impressionisten“. Sie startet am 12. September und geht bis ins Jahr 2021 hinein. Die Schau soll, so Barbara Stark, erstmals explizit expressionistische Künstler aus dem süddeutschen Raum in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit rücken. Rund 80 Gemälde von 30 prominenten und weniger bekannten Malern erwarten die Besucher. Dabei sind zum Beispiel Leo Putz, Carlos Grehte, Maria Caspar-Filser.

Jan Zizka von Trocknov, spielt eine tragende Rolle in der Geschichte der tschechischen Partnerstadt
Jan Zizka von Trocknov, spielt eine tragende Rolle in der Geschichte der tschechischen Partnerstadt | Bild: Hus-Haus

Hus-Haus feiert mit tschechischer Partnerstadt

Das Hus-Haus feiert in diesem Jahr mit der Konstanzer Partnerstadt Tábor deren 600-jähriges Gründungsjubiläum. Von Mai bis Oktober wird die Ausstellung „Hussitisches Tábor – 600 Jahre „gezeigt. Zweisprachig, tschechisch und deutsch, natürlich. Denn die Stadt war eine Hochburg der nach Jan Hus benannten hussitischen Bewegung. In Tábor sollte das Ideal einer klassenlosen Gesellschaft verwirklicht werden. Im Mittelalter war sie noch revolutionäre Hochburg, in der Neuzeit dann eine wohlhabende Handels- und Handwerkerstadt. Man darf also gespannt sein.

Blau angeleuchteter Schwerspat – dieses Jahr im Naturmuseum werden Steine kindgerecht präsentiert
Blau angeleuchteter Schwerspat – dieses Jahr im Naturmuseum werden Steine kindgerecht präsentiert | Bild: Naturmuseum

Im Bodensee-Naturmuseum werden in diesem Jahr Minerale des Schwarzwalds präsentiert. Das besondere: Die Sonderausstellung „Schätze unter dunklem Tann – Minerale des Schwarzwalds für Kinder und Jugendliche“ wendet sich explizit an Kinder und ist kindgerecht aufbereitet.