Konstanz Viel Theater um einen Baum: Wie eine Bürgerinitiative um die Pappel am Wintersteig kämpft

Manche finden den Baum schön, andere überhaupt nicht, sagt die Grünen-Stadträtin Gisela Kusche. "Da kommen auch unterschiedliche Sichtweisen zusammen, wie eine Stadt insegsamt aussehen soll."

"Also ich finde, der sieht noch ordentlich aus", sagt die Konstanzerin Lisa Kalb und blickt nach oben. Ihr Mann Jürgen nickt. "Man sollte die Bäume so lange schützen und pflegen, wie es geht. Nicht nur hier am Seerhein, sondern in der ganzen Stadt. Auch die Linde an der Laube hat für mein Verständnis zu früh gefällt". Einige Meter weiter packt Günter Hauser seine Trompete aus und fängt an zu spielen.

 

 

"Kein Blues, wie damals, als die Pappeln im Tägermoos schon teilweise abgesägt waren. Sondern eine Hymne zu Ehren des Baumes", sagt Christel Thorbecke, die Organisatorin der Protestaktion. Die Botschaft: Diesmal sind wir früher dran. Die Bürgerinitiative will die Fällung verhindern und hat die Pappel bis auf die Tagesordnung der Sitzung des Technischen und Umweltausschuss am Dienstag gebracht.

Jeder verbindet etwas anderes mit der Pappel

Gibt es nichts Wichtigeres in der Kommunalpolitik, als sich über einen Baum zu streiten? "Ich finde es durchaus angemessen, sich für den Erhalt dieses markanten Baumes einzusetzen", antwortet die Grünen-Stadträtin Gisela Kusche. Es gebe eine lange Liste an Bäumen in Konstanz, die als Naturdenkmal geschützt sind. Darauf steht zwar die Pappel am Seerhein nicht, aber für sie gebe es durchaus noch Optionen, so Kusche.

Das sieht auch der Alt-Konstanzer Christoph Hauser so. Der Turnschuhbaum liegt im Sommer auf seinem Weg vom Paradies zum Schänzle, wenn er zum Baden fährt. "Jedes Mal freue ich mich über diesen besonderen, eigenwilligen Baum", sagt Hauser und fährt mit seinem Fahrrad und der Trompete im Gepäck davon. Vieles hat sich verändert am Seerhein, links wie rechts des Ufers. Der Turnschuhbaum blieb stehen und verwurzelt, während sich die Baukräne um ihn herum drehten und beispielsweise die neuen Hochschulgebäude entstanden.

So verbindet wohl jeder etwas anderes mit dieser Pappel, und sieht in ihr nicht nur alte Erinnerungen, sondern auch gesellschaftliche Zusammenhänge. Jost Rüegg, Mitglied der Bürgerinitiative und Thurgauer Grünen-Politiker, sieht den Baum als Symbol dafür, "wie wir mit dem Alter umgehen." Je älter, desto wertvoller seien die Dinge. "Nichts gegen die Jugend. Aber wir sollten diesen alten Baum pflegen, wie wir auch ältere Menschen begleiten und sie nicht einfach umbringen."

Theater erklärt Solidarität mit Bürgerinitiative

Rund 50 Menschen kamen zu der gestrigen Aktion am Wintersteig, darunter viele ältere Konstanzer. Aber auch junge Tänzer, Schauspieler und Mitglieder des Theaters Konstanz. Sie zeigten einen Auszug aus dem Tanztheater "Lebenshunger-Lust for Life", das am 19. Januar Premiere feiert.

 

 

"Bewegungslos, tief verwurzelt, wollen wir der Pappel am Rhein noch viel Leben gönnen und hoffen, dass es diese Woche noch einen Entscheid gegen die Fällung gibt", so Dani Behnke. Seit vergangener Woche gibt es auf dem Münsterplatz einen Schuhbaum, der auf das Tanztheater hinweist und zugleich die Solidarität des Theater Konstanz mit der Bürgerinitiative erklären soll.

Wie es mit der Pappel nun weitergeht, wird heute der Technische und Umweltausschuss diskutieren. Für die Grünen-Stadträtin Gisela Kusche ist es auch eine grundsätzliche Frage: "Manche finden den Baum sehr schön, andere überhaupt nicht. Da kommen auch unterschiedliche Sichtweisen zusammen, wie eine Stadt aussehen soll."

Warum hängen an dem Baum überhaupt Schuhe?

  • Weltweites Phänomen: Dass in Bäumen, an Brücken oder Stromkabeln Schuhe hängen, ist ein weltweites Phänomen. Im Internet finden sich zahlreiche Erklärungsversuche. Studenten oder Schülern sollen mit dem Ritual ihren Abschluss feiern. Soldaten sollen am Ende ihres Militärdienstes mit dem Wurf ihrer Kampfstiefel über Kabel oder Zäune ein Zeichen gesetzt haben. Eine romantische Geschichte kursiert über eine Pappel am einsamen Highway 50 in Nevada, an der Hunderte von Paaren baumelten. Die ersten Schuhe flogen angeblich von einem Liebespaar, das sich auf dem Weg zur Hochzeit stritt. Im Zorn soll der Bräutigam die Schuhe seiner Verlobten auf einen Ast geschmissen haben. Weil die beiden die Schuhe nicht mehr herunter holen konnten, redeten sie – und vertrugen sich. Viele Reisende sollen diesem Beispiel gefolgt sein. Weniger romantisch klingt die Theorie, dass die Schule ein Erkennungszeichen für Treffpunkte von Drogenhandeln sind.
  • In Konstanz dürften es vor allem Studenten der angrenzenden Hochschule und Skater der inzwischen abgebauten Skateanlage gewesen sein, die die alte Pappel am Seerhein mit ihren alten Tretern schmückten. (sap)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Die leckersten Gins vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren