Es war zu erwarten. Am frühsommerlich warmen Brückentag strömen die Besuchermassen in die Konstanzer Innenstadt. Gegen 12 Uhr mittags fließt zwar noch der Verkehr auf der Alten Rheinbrücke, zwischen Döbele und und Bahnhofplatz dagegen geht fast gar nicht mehr voran. Fahrzeuge mit Kennzeichen aus ganz Deutschland und der Schweiz stauen sich an der Kreuzung in alle Richtungen. Obwohl die Parkinformationstafeln rundherum längst in allen Parkhäusern null freie Plätze anzeigen, reißt der Strom der Autos und Motorräder nicht ab. Zwei junge Verkehrskadetten, die sich vor dem Lago positioniert haben, beobachten das wachsende Verkehrsaufkommen. Sie beraten sich kurz, dann treten sie auf die Fahrbahn, stoppen die Autofahrer mit Handzeichen und stellen Pylonen auf der Straße auf. Die Stadt ist voll.

 

Schüler regeln den Verkehr

Und so manchen Besucher irritiert: Sollten die Jugendlichen, die da auf der Straße den Verkehr regeln, nicht in der Schule sein? Schließlich ist dieser Montag vor dem 1. Mai ein gewöhnlicher Schultag. Tatsächlich sind die Jugendlichen, die an diesem Tag im Einsatz sind, von der Schule freigestellt, wie eine Recherche des SÜDKURIER ergab. Gestellt hat den Antrag auf Freistellung die Stadt selbst, die den Einsatz der Verkehrskadetten koordiniert. Normalerweise sind diese Einsätze an den schulfreien Samstagen, wenn ein hohes Verkehrsaufkommen erwartet wird.

Auf Anfrage bestätigt Frank Raddatz, Schulleiter der Theodor Heuss-Realschule, dass es dieses Jahr zwei Anträge der Stadt auf Freistellung von einzelnen Schüler gab, die sich als Verkehrskadetten engagieren. Der Antrag werde streng im Einzelfall und in Abstimmung mit den Eltern geprüft, so Raddatz. "Wir halten Rücksprache mit den Klassenlehrern über die derzeitigen Leistungen des Schülers und entscheiden dann." Im aktuellen Fall handle es sich um einen Schüler der zehnten Klasse, der gerade seine schriftliche Prüfung geschrieben hat und für einen Tag vom Unterricht freigestellt wurde. Die Arbeit der Verkehrskadetten sei soziales Engagement, das man wenn möglich unterstützen wolle, so Raddatz. Die Jugendlichen bekommen lediglich eine Aufwandsentschädigung, der Einsatz gilt als Ehrenamt.

Anträge würden im Einzelfall geprüft

Auch Jürgen Kaz, geschäftsführender Schulleiter der Konstanzer Gymnasien bestätigt, dass es Anträge der Stadt gibt – wenn auch sehr selten. An diesem Brückentag sei aber vom Humboldt-Gymnasium, das er leitet, kein Schüler freigestellt worden. "Die Anträge auf Freistellung laufen prinzipiell über den Tisch des Rektors, die wir dann im konkreten Fall prüfen", so Kaz. Bei der Konstanzer Gemeinschaftsschule sind nach Angaben der Leiterin Elke Großkreutz keine Schüler Verkehrskadetten. "Bei mir ging auf jeden Fall keine Anfrage ein", so Großkreutz am Mittwoch.

Auf Anfrage konnte die städtische Pressestelle bislang keine Stellungnahme abgeben, warum die Stadt als Schulträger die Schulen anschreibt und um Freistellung von Schülern bittet, um den Verkehr zu regeln.