Autobahnzoll und Altstadt: Das sind die zwei Staufallen, die den Verkehr in Konstanz aktuell regelmäßig zum Kollabieren bringen. Der Kollaps zwischen den Jahren kommt nicht überraschend – und doch schärfer, als ihn offensichtlich viele erwartet hatten. Die Verkehrskadetten überlassen den Verkehr sich selbst, Busse kommen mit 64 Minuten Verspätung an, Falschparker behindern die Feuerwehr auf dem Weg zum Löscheinsatz und bei einigen Autofahrern liegen die Nerven so blank, dass sie sich schlagen.

"Welche Konstanzer zieht es bei diesen Verhältnissen noch in die Innenstadt?", fragt Leserin Yvonne Kimmig. "An Tagen wie diesen, wenn sie sich in die Stadt aufmachen, recht bald in irgendeinem Stau stehen, die Luft maximal verpesten, die Nerven verlieren, gleicht diese ehemals nette Stadt Konstanz mit der nicht funktionierenden Verkehrslenkung einem Irrenhaus", schreibt Leser Josef E. Unterwerner.

Vor allem die Situation am Autobahnzoll sorgt für Diskussionen, denn der Rückstau zieht sich Abend für Abend bis über die Schänzlebrücke hinaus. Stillstand auf allen Spuren Richtung Schweiz. Viele Autofahrer fragen sich: Warum öffnet der Schweizer Zoll keine zweite Spur?

Die Grenzwacht Schaffhausen teilt mit, dass die zweite Spur als Standstreifen für die Zollabfertigung benötigt wird. Würden die Grenzbeamten diesen Streifen für Passanten ohne grüne Zettel öffnen, würde das weitere Probleme mit sich bringen, da sich so der Durchflussverkehr und die Zollabfertigung vermischten. Das sei auch aus sicherheitstechnischen Gründen ein Problem, da es für die Einkäufer nicht genug Parkplätze gäbe.

Weiterhin, erklärt die Grenzwacht, bringe es nichts, eine weitere Spur zu öffnen: Das Problem der Staubildung würde sich nur verschieben, da die Verkehrswege vor und nach dem Zoll für so ein hohes Aufkommen nicht ausgelegt seien. Was die Situation im Moment noch verschärft, ist, dass der Gottlieber Zoll, über den viele sonst ausweichen, aufgrund baulicher Maßnahmen geschlossen ist.

Während es für den Knotenpunkt Autobahnzoll keine Lösung zu geben scheint, soll das im Jahr 2014 vom Gemeinderat beschlossene C-Verkehrskonzept, bei dem die Autofahrer in Form eines Buchstaben C um die Altstadt herum fahren, zumindest diese Staufalle entschärfen. Und es soll womöglich früher umgesetzt werden als geplant. Das hat der Technische und Umweltausschuss im Dezember beraten. Ziel der Offensive ist es, mithilfe von Fördermitteln den Altstadtring auf der Bahnhofseite in fünf Jahren fertigzustellen – statt, wie im Haushaltsplan 2017/18 vorgesehen, den größten Teil der notwendigen Straßenumbauten 2022 oder später umzusetzen.

Nach dem Kollaps der vergangenen Tage aber stellt sich die Frage: Kann das Konzept an Tagen wie diesen tatsächlich Entlastung bringen? Die Leistungsfähigkeit des Verkehrskonzepts ist von dem Unternehmen R+T Ingenieure für Verkehrsplanung untersucht worden. Das Gutachten, das allerdings schon 2014 erstellt wurde, kommt zu dem Schluss, dass das C-Konzept einige Staufallen auflösen wird, andere Straßen werden an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. "Die Knotenpunkte im Untersuchungsgebiet sind in allen Planfällen leistungsfähig, es zeigen sich aber deutliche Unterschiede zwischen Normalwerktagen und Spitzentagen", heißt es in dem Papier.

Auf der Laube zum Beispiel soll sich der Verkehrsfluss an diesen Tagen verschlechtern, genau wie auf der Grenzbachstraße. Die Untersuchung prognostiziert einen Rückstau von 300 bis 400 Metern und rechnet mit Überlastungen an Hochlasttagen.

Die Stadterwaltung hält am C-Konzept fest. "Aus Sicht einer integrierten Verkehrs- und Stadtentwicklung ist das C-Konzept eindeutig die beste Lösung für die Verkehrsführung auf dem Altstadtring und eine gute Ausgangslage für die weiteren Stadtentwicklungsprozesse", erklärt Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn auf Anfrage. "Der Verkehr wird verlagert auf die starken vierspurigen Verkehrsachsen Laube und Europastraße." Das bringt vielleicht Entlastung für die Altstadt, aber es stellt sich die Frage: Wie reagiert die Europastraße auf das C-Konzept?

Gefährlich ist das Chaos auf vielen Straßen auch für Rettungseinsätze. Bereits am Donnerstag hatte die Feuerwehr aufgrund von Falschparkern Probleme, zu einem Brand auf der Markstätte durchzukommen. "Glücklicherweise brannte nur ein unterirdischer Müllcontainer, nicht auszudenken, wenn es in einem Gebäude gebrannt hätte", erklärte Hans-Rudi Fischer, Leiter des Bürgeramts, in einer Reaktion. Und: "Oftmals verlieren hier Rettungsdienste wertvolle Zeit. An den sogenannten Hochlasttagen erschweren derartige Falschparker zusätzlich und unnötig die ohnehin schon sehr schwierigen Verkehrsverhältnisse in der Konstanzer Innenstadt."

 

Baubeginn des C-Konzepts

Der erste Schritt zur Umsetzung des C-Konzepts ist die Sanierung des Rheinsteigs, die im nächsten Frühjahr beginnen soll. Während der Bauarbeiten könnten Autos die Straße nur in einer Richtung befahren. Außerdem müsse man in dieser Zeit den Radweg sperren, um eine überbreite Fahrbahn für Rettungsfahrzeuge zu haben.