Der Stadt geht es gut. Dieses Fazit nahmen rund 800 Konstanzer gestern nach zwei informativen Stunden im Bodenseeforum mit. So viele Neugierige waren zum Bürgerempfang von Oberbürgermeister Uli Burchardt gekommen, um seiner Standortbestimmung zu lauschen. Zur Einstimmung lief ein Film über Konstanz, der die wichtigsten Kennzahlen der Stadt lieferte – unterlegt mit Händels "Wassermusik", eingespielt von der Südwestdeutschen Philharmonie. "Wir sind wissensdurstig, sportlich, gut vernetzt, kulturell interessiert und engagiert", waren Kernaussagen des Videos.

Also alles bestens – auch beim Bodenseeforum?

Diesen Eindruck verstärkte Uli Burchardt bei seiner Ansprache an die Bürger. "Insgesamt machen wir als Verwaltung vieles richtig, das bestätigen uns Experten von außen", sagte er und ergänzte: "Ich gehe mit mehr Freude denn je ins neue Jahr." Dass trotzdem nicht immer alles optimal läuft, verdeutlichte er am Beispiel Bodenseeforum: "Wir haben uns 2014 für den Kauf entschieden, weil hier der perfekte Standort für ein Veranstaltungshaus ist", so Burchardt. "Außerdem hatte die Industrie- und Handelskammer jahrzehntelang nach einem neuen Gebäude in Konstanz gesucht. Nun ergänzen wir uns als Nutzer bestens."

Kritisch merkte der OB an: "2017 schloss das Haus mit einem Ergebnis ab, das deutlich unter der schlechtesten Prognose lag, das ärgert mich am meisten. Aber das Risiko war klar und wir können es tragen, ohne dass dafür jemand anderes auf etwas verzichten müsste. Das alles war gut gedacht, aber anfangs falsch geplant. Wir müssen nun gemeinsam am Erfolg arbeiten, das braucht Zeit." Ansonsten sei die Haushaltslage erfreulich, Konstanz investiere viel und baue dennoch Schulden ab.

Und was ist dieses Jahr geplant?

Um zu verdeutlichen, was alles innerhalb dieses Jahres vorangehen wird, zählte Burchardt einige Projekte auf: 2018 wird der Standort Steinstraße für die Feuerwehr weiterentwickelt, das neue Oberstufengebäude für die Gemeinschaftsschule Gebhard wird geplant, die Generalsanierung der Geschwister-Scholl-Schule beginnt, das Konziljubiläum geht in die Endphase, die Stadt baut neue Anschlussunterbringungen für Flüchtlinge. Auch beim Dauerthema Verkehr gehe es voran: "Wir kommen vorwärts, auch wenn die gefühlte Wahrnehmung eine andere ist", so der Oberbürgermeister. Tatsächlich lachten einige Konstanzer im Publikum auf.

Kommen S-Bahn und Seilbahn?

"Wir haben messbar weniger Verkehr als noch 2016 und wir arbeiten an einer Verkehrsleitzentrale, die den Zufluss in die Stadt regelt." Auch der wohl größte Wunsch der Bürger, ein völlig staufreier Altstadtring, soll irgendwann in Erfüllung gehen.* In diesem Jahr bringen die Stadtwerke außerdem ein Fahrradmietsystem auf den Markt.

* Mit einer Aussage zum Einkaufstourismus aus der Schweiz war OB Burchardt im ursprünglichen Text falsch zitiert worden. Im Wortlaut sagte er richtigerweise: „Es kommt aber auch eine andere Wahrheit dazu und das ist die: dass der Einkaufstourismus aus der Schweiz deutlich nachlässt. Und ich weiß, dass der eine oder andere sagen wird, das ist ja auch gut, wenn das mal ein bisschen weniger wird. Wir müssen aber auch wissen, ich muss das auch sehen und wir als Verwaltung auch im Blick haben: für den einen oder anderen Händler kann es schwierig werden in den nächsten Monaten oder Jahren. Das ist einen Entwicklung, die wir sehr genau im Auge haben müssen. Und wir sind darüber mit den Händlern auch im Gespräch, um zu wissen, was die Entwicklungen sind.“

Burchardt ließ den Blick auch in die weitere Ferne schweifen: "In zehn Jahren ist das C-Konzept, das den Verkehrsfluss verbessern soll, umgesetzt. Und in 20 Jahren haben wir vielleicht eine S-Bahn von Singen über Konstanz in die Schweiz mit 15-Minuten-Takt. Auch die Idee einer Seilbahn wird weiterhin geprüft." Die großen Themen Wohnen und Wirtschaft habe die Stadtspitze mit den jeweiligen Handlungsprogrammen ebenfalls fest im Blick.

Burchardt: Seenachtfest geht nach Stuttgart

Zu zwei umstrittenen Projekten nahm das Stadtoberhaupt noch Stellung: Beim Flugplatz sei vielleicht bald eine Kompromisslösung in Sicht. Ein Teil des Geländes könnte bebaut werden, ein schmalerer Streifen weiterhin für den Luftverkehr zur Verfügung stehen. Und zum Seenachtfest gab Uli Burchardt bekannt: "Wenn erstmals mehrere Bewerber ein Fest ausrichten wollen, müssen wir das neu ausschreiben. Der Zuschlag wird an ein anderes Büro aus Stuttgart gehen, aber der Name ist noch geheim."

Persönliches Gespräch ist vielen wichtig

Nach vielen Worten, Zahlen und Bildern war es Zeit für Unterhaltung. Die Wushu Taichi Akademie Konstanz zeigte beeindruckende chinesische Kampfkunst und ließ dabei drei riesige Löwen auftreten. Für die Musik sorgte das Vokalensemble der Jazz und Rockschule Konstanz mit zwei stimmungsvollen Liedern. Anschließend nutzten die Besucher die Gelegenheit, viele Bürgermeister und Amtsleiter persönlich kennenzulernen und ihre Anliegen vorzubringen. Besonders umlagert war Karl Langensteiner-Schönborn, der als Bürgermeister für Verkehr und Wohnen zuständig ist. Unter anderem bemängelten zwei Bürger, der Konzilvorplatz solle endlich richtig gestaltet werden, die Zeit der Provisorien sei vorbei. Der Dezernent stimmte zu: "Vieles, was die Bürger vorschlagen, sehe ich genauso."

Im Video: Drei Bürger fragen - drei Bürgermeister antworten

Nicht alles läuft rund in Konstanz. Drei Bürger haben auf dem Neujahrsempfang im Video erzählt, was ihnen auf der Seele brennt. Die zuständigen Bürgermeister haben geantwortet.

Frage 1: Titus Zahn, 56 Jahre, aus Petershausen (Thema Verkehr)

Video: Kirsten Schlüter

 

Die Antwort von Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn (zuständig u.a. für Verkehrsthemen)

 

Video: Kirsten Schlüter

 

 

Frage 2: Sieglinde Glaser, 75 Jahre, aus dem Paradies (Thema: Parken in der Innenstadt)

 

 

Video: Kirsten Schlüter

 

Die Antwort von Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn

 

Video: Kirsten Schlüter

 

 

Frage 3: Cornelia Fischer, 56 Jahre, Wollmatingen (Thema Ganztagsschulen)

 

 

Video: Kirsten Schlüter

 

Die Antwort von Bürgermeister Andreas Osner (zuständig u.a. für Bildung)

 

Video: Kirsten Schlüter

 

 

 

Die Geehrten

Oberbürgermeister Uli Burchardt zeichnete drei Konstanzer für besondere Leistungen aus: Ute Munz, stellvertretende Vorsitzende des Stadtsportverbands, war 2017 für das Landeskinderturnfest im Dauer-Einsatz. Hans Peter Kratzer rief 30 Jahre lang die Fasnacht aus. Frozan Malika Amin, selbst 1995 nach Deutschland geflüchtet, leitet die Afghanische Frauengruppe und hilft beim Übersetzen bei Behördengängen.