Es war eine Veranstaltung ganz nach Peter Bertholds Geschmack, die sich im Senatssaal der Universität hoch über den Dächern von Konstanz abgespielt hat – unterhaltsam, humorvoll und mit ernstem Hintergrund: Der Ornithologe, der hier von 1981 bis 2004 als Professor lehrte, wurde gestern Mittag das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Ausgezeichnet wurde das Urgestein der Radolfzeller Vogelwarte, Pionier der Zugvogelforschung, Autor zahlreicher Vogelbücher – unter anderem übers richtige, ganzjährige Füttern – und streitbare Umweltschützer für seine Forschung wie für sein jahrzehntelanges Engagement.

Unterhaltsam war die Ordensverleihung auch, weil die Redner, darunter Uni-Rektorin Kerstin Krieglstein und der Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell, Martin Wikelski, Launiges zu berichten hatten. In Anspielung auf die Tätigkeit ganzer Generation von Vogelkundlern kommentierte Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium, das Anstecken des Ordens an der linken Brusthälfte von Bertholds Jackett, mit den Worten "Eigentlich müsste ich Sie beringen."

Berthold seinerseits erwies sich als der kritische Geist, als den man ihn kennt. Über den Orden freue er sich "angemessen-verhalten". "Wenn im nächsten Jahr die Zaungrasmücke und der Gartenrotschwanz wieder in Billafingen wohnen würden, würde ich mich mehr freuen", sagte der 79-Jährige, der mit der Heinz-Sielmann-Stiftung im Owinger Ortsteil, in dem er mit seiner Frau Gabriele, einer Schafherde, Hühnern und Hund lebt, ein Biotop angelegt hat. Dass er im fortgeschrittenen Ruhestandsalter noch Sträucher pflanze und wässere und für diesen praktischen Vogelschutz, der seiner Ansicht nach eigentlich Aufgabe des Staats wäre, einen Orden verliehen bekomme, sei schon "beinahe zynisch".

Angenommen hat Berthold den Preis dennoch, auch weil er auf weitere Spenden für seine Biotope hofft. Sein Dank galt neben seiner Frau den Weggefährten, von denen etliche dabei waren.