An Wäscheleinen hängen dicht an dicht 1000 Karten mit Gesichtern und Geschichten von Frauen, die mutig für Frieden und Gerechtigkeit eingetreten sind. Die Galerie der Volkshochschule (Katzgasse 7) zeigt noch bis 15. September eine Ausstellung, die auch schon in der Eingangshalle des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen in New York zu sehen war. Diese 1000 Gesichter für den Frieden waren 2005 für den Friedens-Nobelpreis nominiert, bekamen ihn aber nicht. Als Netzwerk für Friedensarbeit aber besteht der Verbund weiter. Er nennt sich Peace Women Across the Globe (Friedensfrauen weltweit). Erika Korn von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes hat sich dafür eingesetzt, dass die Ausstellung nach Konstanz kommt. Zu einem der Kernthemen ihrer Initiative gehöre es, Frauen vorzustellen, die der Unterdrückung trotzen, sich aus der Opferrolle befreien und sich für ein selbstbestimmtes Leben einsetzen – so wie viele der Friedensfrauen.

Erika Korn ist einer von ihnen persönlich begegnet. Es handelt sich um Monika Gerstendörfer, eine der Mitstreiterinnen bei Terre des Femmes gegen Gewalt an Frauen in Deutschland. Sie habe wesentlich mitgewirkt am Gesetz, das 1997 Vergewaltigungen in der Ehe unter Strafe stellte, sagt Erika Korn. Sie ist der Frau, die mit Mitte 50 im Jahr 2010 starb, persönlich begegnet. Zu ihren Vermächtnissen gehört das Buch: "Der verlorene Kampf um die Wörter – opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt."

Dorothee Jacobs-Krahnen, Vorstandsmitglied bei der VHS, kennt zwar keine der 1000 Friedensfrauen persönlich, zeigt sich aber besonders bewegt von Elzita Santa Cruz Oliveira aus Brasilien und deren kämpferischem Geist. Die zehnfache Mutter wurde in den 70er-Jahren aktiv, als einer ihrer Söhne verschwand und sie Zusammenhänge mit der damaligen Militärregierung vermutete. Sie hakte hartnäckig beim Militär nach und mobilisierte andere Frauen, ihrem Beispiel zu folgen.

Maik Schluroff von der Konstanzer Friedensinitiative verweist auf die Aktualität der Ausstellung: "Krieg zu verhindern ist die wichtigste Aufgabe einer Gesellschaft. Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten. Und das geschieht nicht durch das Herstellen und den Verkauf von Waffen." Er erinnert daran, dass Deutschland unter anderem Kampfpanzer für 1,6 Milliarden Euro an Katar geliefert habe. Er mahnt: Wer Bomben sähe, dürfe sich nicht wundern, wenn er Flüchtlinge und Terror ernte. Er geht davon aus, dass der Krieg gegen den Terror mehr Terroristen geschaffen als beseitigt habe.

Termin: Begleitend zur Ausstellung ist am Sonntag, 4. September, um 19 Uhr im Kulturzentum K9 ein Dokumentarfilm über die 1000 Frauen und ihre Friedensarbeit zu sehen.