Die Paradies-Bewohner sind wenig begeistert von den Plänen der Stadtverwaltung, wie der Verkehr an besonders verkehrsreichen Tagen gelenkt werden soll. Sobald der Verkehr droht, zu zähflüssig zu werden, wird unter anderem die Zufahrt zum Paradies abgesperrt. Anwohner sollen weiterhin Zugang haben, müssen den Verkehrskadetten aber einen Anwohner-Parkausweis vorweisen, im Zweifelsfall einen Personalausweis. Joachim Hotz, der in der Wallgutstraße wohnt, hält insbesondere die Praxis, dass man den Anwohner-Parkausweis vorzuzeigen habe, für wenig dienlich. "Hier in unserer Straße haben nur sehr wenige einen Parkausweis, die meisten nutzen eine Tiefgarage, die zu ihrem Haus gehört." Selbst sei er bisher, wenn die Zufahrt gesperrt wurde "trotzdem in die Straße gefahren, mit einem schlechten Gewissen." Das Problem, dass sich die Anwohner ausweisen sollten, hält er für lösbar, etwa durch einen Aufkleber am Auto, den die Verwaltung zur Verfügung stellt.

Noch weniger hält er allerdings von der Umleitung des Verkehrs an den Hochlasttagen: "Wenn ich um die Stadt herum fahre, um dann im Stau zu stehen – dazu bin ich nicht bereit. Die Umleitungslösung ist viel zu umständlich und produziert eher noch mehr Stau", sagt Hotz. Er habe sich diesbezüglich an die Stadtverwaltung gewandt, habe aber noch keine Rückmeldung erhalten.

Auch Firmen sind betroffen

Franz Wanner, Inhaber der Firma Vidatics im Technologiezentrum, ergänzt diese Sichtweise in einer E-Mail an den SÜDKURIER: er frage sich ebenfalls, wie es ihm und seinen 25 Kollegen gelingen solle, die "Anwohnerschaft" nachzuweisen, da die Firma keine Parkausweise vorhalte. In diesem Fall helfe auch der Personalausweis nicht. Viele Kollegen seien darauf angewiesen, von auswärts mit dem Auto zur Firma zu gelangen, oft auch samstags.

Martin Ruppender, dessen Freundin im Paradies wohnt, meldet sich ebenfalls per Mail zu Wort und plädiert für eine Art Passierschein für Anwohner, der von der Stadt ausgegeben werde. Viele SÜDKURIER-Leser melden sich online zu Wort und weisen auf fehlende Parkausweise hin. Einige machen Vorschläge zur Lösung des Verkehrsproblems wie etwa die Einrichtung eines bewirtschafteten Parkplatzes auf dem Areal Klein Venedig oder die Einführung autofreier Samstage.

Das antwortet die Verwaltung

Anja Risse, Leiterin des Bürgeramts, bemüht sich, die Bedeutung des Anwohnerparkausweises zu relativieren. "Die Anwohner können natürlich auch den Personalausweis vorzeigen", sagt sie. In der Verwaltung habe man sich auch über eine Anwohner-Plakette Gedanken gemacht. Doch die Kosten der Herstellung und der Verwaltungsaufwand wären unverhältnismäßig.

Am vergangenen Samstag hätten sich die Verkehrskadetten die Park- oder Personalausweise zeigen lassen und das Verfahren habe gut funktioniert. "Ohnehin geht es im Moment nur um eine mittelfristige Lösung", betont Risse. Langfristig könne man das Verkehrsproblem nur durch den Bau weiterer Parkhäuser und die zunehmende Akzeptanz des Parkplatzes am Bodenseeforum erreichen. Diese Vorhaben seien in Planung, könnten aber nur langfristig realisiert werden.

Maßnahmen

  • Parken: Nach Wunsch der Verwaltung sollten viele Autofahrer den Parkplatz am Bodenseeforum oder ein Parkhaus nutzen.
  • Umleitungen: Sobald eine Überlastung der Bodanstraße droht, wird der Verkehr Richtung neue Rheinbrücke umgeleitet. Auch Anwohner nehmen dann einen Umweg in Kauf. Verkehrskadetten regeln den Verkehr.
  • Anwohner: Verschiedene Straßen werden gesperrt. Anwohner dürfen jetzt trotzdem wieder ins Paradies einfahren, sollten aber einen Parkausweis oder Ausweis zeigen.