Der Tross rollt – auch mal mitten auf der Straße und auch, wenn die letzten in der Gruppe nur bei Rot über die Kreuzung kommen. Einige Autofahrer in der Wollmatinger Straße regen sich darüber auf, doch die Radfahrer sind im Recht. Die Straßenverkehrsordnung lässt das für einen sogenannten geschlossenen Verbund ab 15 Radfahrern zu. Der Verbund, das sind in diesem Fall viele Vertreter der Stadtverwaltung und rund 20 Bürger, die Oberbürgermeister Uli Burchardt bei seiner gesamten mobilen Bürgersprechstunde begleiten.

Die Tour gleicht einer Leistungsschau des Bauens in der Stadt. Es geht um die Schritte zum Bebauungsplan, welcher der Universität Erweiterungsmöglichkeiten bieten kann, um breitere, beleuchtete und durchgehend asphaltierte Radwege auf den Gießberg, um den geplanten Neubau des Schwaketenbads, um die fast fertig gebaute Gemeinschaftsschule mit Sporthalle, um die angefangene neue Z-Brücke in Petershausen, um das vor dem Komplett­umbau stehende Kinderkulturzentrum (KiKuz) und um das fast schon fertige Bodensee-Forum am Seerhein. Eröffnung dort soll am 22. Oktober sein. Gesprächsbedarf zu diesen Themen besteht offenbar nur wenig. Die meisten Teilnehmer hören zu. Mitfahrer wie Harry Harder oder Reiner Schmid-Burger fragen sich vor allem, warum nur so wenige Bürger auf die OB-Tour mitgekommen sind. Möglicherweise hatten einige am Samstag ab 9 Uhr doch etwas anderes zu tun. Viele Fragen erübrigen sich, weil der OB Klartext spricht, so etwa am Bodensee-Forum. Das Ziel sei ein sich wirtschaftlich selbst tragendes Haus durch eine hochpreisige Vermarktung. Zum Haus für alle in Konstanz werde das Forum nach Angaben von Burchardt erst über Zuschuss-Regelungen für örtliche Vereine und Initiativen. Der Gemeinderat müsse darüber entscheiden.

Fragen zum Thema Verkehr

Kleinere Debatten entstehen um Verkehrsfragen. Ein Bürger will wissen, wie die Aussichten stehen, den öffentlichen Nahverkehr gratis zur Verfügung zu stellen. Der OB macht deutlich, dass er Konstanz auf diesem Feld nicht in einer Pionierrolle sieht: "Wir müssen nicht gerade Vorreiter sein. Das kostet Millionen um Millionen." Vorerst setze die Stadt darauf, dass die neue Lenkung des Innenstadtverkehrs und andere Maßnahmen aus dem Masterplan Mobilität greifen. Ein Huckepacksystem mit einer Halterung am Bus für die Mitnahme von Rädern hält der OB für Fernbusse praktikabel, weniger für Stadtbusse. Denn die Haftung für den Transport liege beim Fahrer, der im Prinzip das Laden selbst übernehmen müsste, was im innerstädtischen Taktverkehr aus Zeitgründen undenkbar sei.

Eine Bürgerin klagte, die heutigen Regelungen für die Radmitnahme auf der freien Stellfläche im Bus sei unbefriedigend. "Das hängt sehr von der Willkür des Busfahrers ab. Nicht so sehr vom Platz." Der OB warb um Verständnis für die Lage der Fahrer, die die Verantwortung tragen, und entschuldigte sich pauschal, sollte einer einmal den falschen Ton getroffen haben. Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn sagte, die Akzeptanz der Radmitnahme sei innerhalb der Busbetriebe schon erreicht, er gehe davon aus, dass auch bald erkannt werde, dass es sich um eine Dienstleistung handle. Volker Lerch vom Stadtseniorenrat fordert, beim Neuaufbau des Schwaketenbads die Bürger einzubeziehen.

<p>Robert Grammelspacher, einer der beiden Geschäftsführer der Bädergesellschaft, erläutert an den Ruinen des abgebrannten Schwaketenbads, wie der Wiederaufbau geplant ist.</p>

Robert Grammelspacher, einer der beiden Geschäftsführer der Bädergesellschaft, erläutert an den Ruinen des abgebrannten Schwaketenbads, wie der Wiederaufbau geplant ist.

| Bild: Claudia Rindt

Eine Konstanzer Institution wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Bis 2018 soll das Kinderkulturzentrum generalsaniert und um ein Dachgeschoss angehoben sein und so Raum für eine Kindertagesstätte für bis zu 60 Kindern entstehen. Die Stadt hat Möglichkeiten über ein Bundesprogramm bis zu 1,9 Millionen Euro des Vorhabens für 4,1 Millionen zu bekommen. Das Haus muss während des Umbaus schließen, die Basisangebote sollen aber in Stadtteilzentren und über Spielmobil weiter bestehen, sagt Alfred Kaufmann, Leiter des Sozial- und Jugendamts. Der OB fügt an: Wie in so vielen Fällen in Konstanz seien auch hier weniger die Investitionskosten das Problem als die Fülle der gesamten Aufgaben und die Schwierigkeiten, sie abzuarbeiten und im Zweifel neue Mitarbeiter zu bekommen, die das übernehmen könnten.

<p>Mit einem Imbiss auf der Baustelle des Bodensee-Forums endet die Tour mit dem OB zu den wichtigsten Bauprojekten in der Stadt.</p>

Mit einem Imbiss auf der Baustelle des Bodensee-Forums endet die Tour mit dem OB zu den wichtigsten Bauprojekten in der Stadt.

| Bild: Claudia Rindt

Die Sprechstunde

OB Uli Burchardt hat nach seinem Amtsantritt eine neue Form des mobilen Bürgergesprächs eingeführt. Er lädt zur Tour zu den Baustellen in der Stadt und dabei zu Debatten. Sein Vorgänger Horst Frank pflegte jährliche Gespräche mit den Bürgern in den Stadtteilen. Er kam in die Quartiere, um sich die Bürgersorgen anzuhören. Dabei kamen häufig dieselben Probleme zur Sprache. Schon damals gab es ein Brennpunktthema, zu dem die Bürger Fragen hatten und Verbesserungen forderten: Der Verkehr in und nach Konstanz. (rin)