Klaus Eberhard zweifelt am Nutzen von Ersatzpflanzungen, wie sie bei Fällungen von Bäumen vorgesehen sind. „Um die Wohlfahrtswirkung eines jahrzehntealten Baums aufzufangen, müssten hunderte Jungbäume als Ersatz her“, sagt der pensionierte Landschafts- und Gartenbauarchitekt und frühere Präsident des Vereins Gesellschaft für Natur und Kultur Konstanz.

Er stützt sich dabei auf eine Berechnung des Bunds Naturschutz Freilassing. Dieser hatte im Zuge einer Fällung in der bayrischen Stadt ermittelt: Ein 100 Jahre alter Baum produziert pro Jahr 1000 Kilogramm Sauerstoff und filtert mehr als eine Tonne Staub aus der Umgebung. „Fällt man einen derartigen Baum müssten 2000 Jungbäume als Ersatz gepflanzt werden“, so die Mitteilung des Bunds Naturschutz.

Wie die Stadtverwaltung festlegt, welcher Baum gefällt werden muss

Die diesjährige Fällliste der Technischen Betriebe Konstanz (TBK) umfasst 58 Bäume, die zur Abwehr von Gefahren für die Bevölkerung entfernt werden sollen.

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Bei der Begutachtung folgen die TBK dabei einem festgelegten Schema. Fällungen erfolgten laut Stadtverwaltung in Abstimmung mit dem Amt für Stadtplanung und Umwelt, sowie bei Fragen des Artenschutz mit der Unteren Naturschutzbehörde. Bei Bedarf würden außerdem externe Gutachter hinzugezogen. Alle gefällten Bäume würden am selben Ort oder in unmittelbarer Nähe nachgepflanzt.

Zweifel an fehlender Verkehrssicherheit als Anlass für Fällungen

Klaus Eberhards Zweifel kommen nicht aus heiterem Himmel. Direkt vor seiner Haustür in der Brandesstraße im Stadtteil Allmannsdorf soll eine rund 70 Jahre alte Platane gefällt werden. Nachgepflanzt werde gemäß Baumschutzsatzung ein junger Ahorn. Bei der Platane handelt es sich zwar um keinen städtischen Baum, doch auch hier beanstandete die Verwaltung die angeblich fehlende Verkehrssicherheit.

Das Wurzelwerk der Platane hatte davor den Gehweg wölben und später aufplatzen lassen, zunächst wurde deshalb nur eine Wurzel gekappt. Würde man immer die Verkehrssicherheit als Anlass für eine Fällung heranziehen, „dann würde womöglich bis zu einem Drittel der Konstanzer Bäume gefällt“, schätzt Eberhard. Aufgewölbte oder aufgeplatzte Gehwege und Straßen gebe es schließlich überall in der Stadt. Er ist überzeugt: „Selbst wenn der Wurzelraum eingeschränkt ist, hätte der Baum noch eine bemerkenswerte Restlebenszeit gehabt.“

Hausverwaltung der Brandesstraße bestätigt geplante Fällung der Platane

Diese endet nun jäh. Die Hausverwaltung der Gebäude in der Brandesstraße, die SWB Sparkassen Wohnbau GmbH, hat die Fällung beantragt, nachdem dies von der Stadtverwaltung zur Auflage gemacht wurde. Dass die Platane sicher gefällt wird, bestätigt das Unternehmen. Derzeit würde aber mit der Eigentümergemeinschaft noch über Details gesprochen.

Klaus Eberhard rechnet mit einem baldigen Start der Fällarbeiten. Ein Gutachter hatte zuvor untersucht, wie es um die Gesundheit der Platane bestellt sei. „Wohlgemerkt ist der Gutachter vom selben Unternehmen wie jenes, das die Fällung durchführen wird“, sagt Eberhard. „Warum gab es nicht wenigstens einen zweiten Gutachter?“

Eberhard: Begutachtung nur von außen lässt keine Rückschlüsse auf Innenleben des Baums zu

Der 70 Jahre alte Baum sei lediglich optisch von außen untersucht worden. „Eine solche Prüfung birgt die Gefahr, viel zu oberflächlich zu sein“, sagt Eberhard. Sie lasse keine Rückschlüsse über den inneren Zustand zu.

Hierzu müsste eine deutlich aufwendigere und teurere Baumtomografie durchgeführt werden, bei der mittels Schall auch das Innere eines Stamms untersucht werden kann. Für Klaus Eberhard ein Aufwand, der sich lohnen würde: „Uns fehlt mehr und mehr das Gefühl dafür, was ein Baum eigentlich wert ist.“