Mindestens sieben Jahre Geldsegen für die Universität Konstanz und Aufatmen für viele Arbeitnehmer: Die Hochschule erhält ab Januar 2019 jährlich bis zu 14 Millionen Euro für ihre Forschung. Am Donnerstag fiel in Bonn die Entscheidung über die Förderung der sogenannten Exzellenzcluster.

Uni-Rektorin: "Wir freuen uns riesig"

Kerstin Krieglstein, neugewählte Rektorin der Universität Konstanz.
Kerstin Krieglstein, neugewählte Rektorin der Universität Konstanz. | Bild: Schilling_Britt

57 von 88 Anträgen erhielten einen positiven Bescheid, darunter zwei Initiativen aus Konstanz. Die seit August amtierende Rektorin der Universität, Kerstin Krieglstein, sagte: "Wir freuen uns riesig über die Entscheidung. Mit den beiden Förderzusagen haben wir eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Exzellenzuniversität genommen. Allen Beteiligten kann ich nur gratulieren, sie haben großartige Arbeit geleistet."

Insgesamt werden bundesweit bis Ende 2025 2,7 Milliarden Euro ausgeschüttet

Die Exzellenzcluster sind Teil eines großen Finanzierungspakets von Bund und Ländern und sollen den Hochschulstandort Deutschland international wettbewerbsfähig machen. Allein für die Förderlinie Exzellenzcluster stehen bundesweit bis Ende 2025 jährlich etwa 385 Millionen Euro zur Verfügung, insgesamt also 2,7 Milliarden Euro.

Beworben hatten sich 41 Universitäten aus 13 Bundesländern. Knapp 400 Wissenschaftler, mehrheitlich aus dem Ausland, prüften insgesamt 88 Förderanträge. Die sogenannte Exzellenzkommission um Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), die Bildungsminister der Länder und 39 Experten verschiedener Forschungsbereiche, traf in den vergangenen beiden Tagen die Entscheidung.

Weil so viele Exzellenzcluster gefördert werden, könnte die Summe für Konstanz etwas kleiner werden

Ursprünglich vorgesehen war, 45 bis 50 Exzellenzcluster zu fördern. Weil es nun sieben mehr sind, könnten die erteilten Summen – in Konstanz circa sieben Millionen Euro pro Cluster – etwas geringer ausfallen als von den Universitäten beantragt.

Kerstin Krieglstein hebt hervor, dass nicht die genaue Höhe der Förderung entscheidend sei, sondern deren grundsätzliche Zusage: "Die Förderung nicht zu erhalten, wäre eine Niederlage gewesen. Damit hätten dutzende Projekte und auch Arbeitsplätze am Standort Konstanz nicht angestoßen werden können."

Glückwünsche gab es daher auch aus dem Landtag. Die Abgeordnete aus Konstanz, Nese Erikli (Grüne), nannte die Entscheidung "zukunftsweisend für die Universität Konstanz als Standort internationaler Spitzenforschung".

Konstanz nun im Rennen um den Status der Exzellenzuniversität

Außenansicht der Universität Konstanz. Frei zur Berichterstattung im Zusammenhang mit der Uni Konstanz
Außenansicht der Universität Konstanz. | Bild: Universität Konstanz / Inka Reiter

Mit den beiden erfolgreichen Exzellenzclustern hat die Uni Konstanz nun die Aussicht, auch weiterhin eine von elf deutschen Exzellenzuniversitäten zu sein und damit dauerhaft gefördert zu werden. Hier werden noch einmal circa 148 Millionen Euro pro Jahr ausgeschüttet, auf Konstanz entfielen bis zu 15 Millionen Euro jährlich.

Den Antrag müssen die 17 Universitäten und zwei Universitätsverbünde, die noch im Rennen sind, bis zum 10. Dezember um 12 Uhr einreichen. Ein Erfolg dort ist wichtig für den Wirtschaftsstandort Konstanz. An der Frage der Exzellenz hängen dutzende Arbeitsplätze.

OB Burchardt eilt für Glückwünsche aus dem Gemeinderat

Nicht ohne Grund hat Oberbürgermeister Uli Burchardt die zur Zeit der Entscheidung stattfindende Sitzung des Gemeinderats zwischenzeitlich in Richtung Uni verlassen, um die Glückwünsche aus dem Rathaus zu überbringen. Die Förderungen bezeichnete er als "tollen Erfolg für die Uni" und nannte die Nachricht "super erfreulich".

Universitätsrektorin Krieglstein betont: "Wichtig ist für unsere Universität nicht das Label Exzellenz. Es geht primär um die Möglichkeiten, die dahinter stecken, tolle Arbeit leisten zu können."

Erfolg für Forschungskolleg Kollektives Verhalten und Politikwissenschaftler

Konstanz hatte sich mit drei Exzellenzclustern beworben. Berücksichtigt wurde das "Forschungskolleg Kollektives Verhalten" zur datengestützten Erforschung gemeinschaftlichen Verhaltens, von der Schwarmintelligenz von Tiergruppen bis zum Entscheidungsverhalten des Menschen.

Außerdem die Initiative "Die politische Dimension der Ungleichheit", in deren Zentrum der Kreislauf aus Wahrnehmungen politischer Ungleichheit, politischer Mobilisierung und Gesetzgebung steht.

Pech für Initiative "ChemLife"

Keine Förderung gibt es für das Programm "ChemLife". Hierüber muss laut Uni-Rektorin Kerstin Krieglstein "Trauer erlaubt sein". Den Antrag bezeichnete sie dennoch als hervorragend und sprach den daran Beteiligten Mut zu: "Sie sollten sich nicht als Verlierer fühlen. Bei nur 57 ausgewählten von 88 beantragten Exzellenzclustern zeigt sich der extreme Konkurrenzkampf."