Konstanz Uni-Theater nähert sich vielschichtig dem Thema Alter

Unitheater Konstanz bringt mit neuem Stück das begeisterte Premierenpublikum zum Lachen – aber auch zum Nachdenken.

Alle Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sollten belohnt werden. Niemand sollte seinen wohl verdienten Lebensabend einsam und in völliger Gleichgültigkeit verbringen müssen. Dieser Ansicht ist der im Pflegeheim Freudental lebende Gast "Biermann" in der neuen Tragikomödie des Theaters der Universität Konstanz "Verzeihung, ihr Alten, wo finde ich Zeit, Liebe und ansteckenden Irrsinn". Der an Schizophrenie Erkrankte ist einer von vier Gästen des Pflegeheims, deren komischer und allmählich der Zeit entrückter Alltag auf eine überspitzte, leicht morbide, aber sehr unterhaltsame Art und Weise dargestellt wird. Denn auch vor ungewöhnlichen Methoden nicht zurückschreckend, versucht die engagierte Leitung des Pflegeheims Freudental, Frau Frauke (Lara Sauer), alles zu tun, um den wunderlichen Wünschen und Begehren ihrer Gäste zu entsprechen und ihnen ihre Zeit möglichst angenehm zu gestalten.

Dabei stößt sie aber aufgrund von Intrigen und Machenschaften aus den eigenen Reihen an ihre Grenzen. So besticht zum Beispiel der an Berührungsängsten leidende Pfleger Bernhard (Christoph Heiß) die schmerzmittelabhängige Pflegerin Öh Wilma (Maike Holzke) mit Ketogan, damit sie für ihn die Gäste bestiehlt. Pfleger Valentin verliebt sich in die kleptomanisch veranlagte, aber leider auch senil-demente Bewohnerin Vera und möchte sie zu sich "in ein kleines Haus für zwei" holen. Doch wird er von seinem Kollegen Bernhard ertappt und schließlich von Frau Frauke gekündigt. Verstrickt im Netz der eigenen Konflikte geht das Pflegepersonal kaum auf die Bedürfnisse der betagten Bewohner ein, die jeweils auch deren ganz persönlichen Umgang mit dem Alter widerspiegeln.

Das Publikum lobte bei der Premiere besonders die schauspielerische Leistung der Studierenden. "Bemerkenswert fand ich den Enthusiasmus der Schauspieler. Man hat gemerkt, dass das Spielen ihnen Spaß gemacht hat. Auch die Beziehung der einzelnen Charaktere zueinander fand ich ziemlich gelungen", erklärte Lukas Kaluscha, für den das Stück der erste Besuch im Uni-Theater war. Regisseurin Anna Hertz hat in der Vorbereitung auf das Stück großen Wert darauf gelegt, dass sich die Schauspieler möglichst gut in ihre Rollen hineinversetzen können. Neben vielen Diskussionen rund um das Thema Altwerden und Jungbleiben, ist in diesem Rahmen auch eine kleine Kooperation mit der Caritas-Alten-Hilfe St. Marienhaus in Konstanz entstanden, in deren Räumen die Schauspieler ihren Werbefilm drehen durfte. Außerdem gab es an zwei Tagen die Möglichkeit, mit Gästen und Pflegern ins Gespräch zu kommen und den Alltag mitzuerleben. "Ich glaube, dass es ganz wichtig war, dass wir so eine Umgebung in einem Pflegeheim einfach mal erleben konnten, obwohl das im Gegensatz zu unserem Stück ein sehr positives Beispiel von Heim ist. Da unterscheidet sich das Stückthema, das stark problematisiert und auch provoziert, was das Thema Heimleben angeht", erinnert sich Anna Hertz. Außerdem hat eine Seniorentheatergruppe das Unitheater Konstanz besucht und Ratschläge gegeben.

Eine weitere große Herausforderung war die Darstellung des Alters: "Wir haben uns lange überlegt, wie wir das machen, dass junge Leute alte Menschen spielen. Was zuerst als Interpretationsmöglichkeiten auf der Hand lag, war, dass wir nicht so alt sind, wie wir uns fühlen, allerdings hat das irgendwie noch nicht so ganz gereicht." Ottfried Laux (Bühnenbild und Technik) hatte die Idee, die Haare weiß einzufärben und mit abstrakten silbernen und weißen Gebilden die Veränderung der Haut im Alter hervorzuheben. Die Entscheidung gegen eine plakative Darstellung von Falten und anderen Alterserscheinungen kam beim Publikum gut an: "Die Darstellung des Alters wurde sehr kreativ gelöst mit der Farbe im Gesicht. Das verdeutlicht den künstlerischen Wert der Performance und schafft gleichzeitig Authentizität. Mit aufgemalten Falten und verstellter Stimme hätte es schnell lächerlich wirken können", fand auch Sarah Borowik. Ein gelungenes Stück, das einerseits von Ironie und Situationskomik lebt, andererseits auch zum Nachdenken anregt, dass es das Alter in unserer Gesellschaft zunehmend gibt und sich die Frage stellt, wie damit umgegangen werden sollte.

Weitere Aufführungen sind am 18., 19., 21., 22., 24., 25., und 26. Juli jeweils um 19.30 Uhr auf der Studiobühne der Uni Konstanz, Eintrittspreis: von sechs bis zehn Euro

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