Konstanz Uni-Theater: Dreisprachige Winnie

Uni-Theaterleiterin Tessa Theodorakopoulos spielt in ihrer Beckett-Inszenierung selbst mit.

Nicht allein wegen der rund 90 Inszenierungen auf der Studiobühne gilt: Tessa Theodorakopoulos und das Konstanzer Unitheater sind eins. Im aktuellen Sommersemester geschieht nun das Unvermeidbare. „Tessa“, wie die Theaterfrau an der Universität bei allen heißt, hört auf. Rund 40 Jahre Unitheater, davon 35 Jahre als Leiterin, können jedoch nicht einfach so zu Ende gehen. Die Griechin, die dem südeuropäischen Temperament alle Ehre macht, bringt ihrem Publikum ein Abschiedsgeschenk: Sie spielt in ihrer vorletzten Inszenierung am Unitheater selbst mit. Eingebuddelt in einem Theater-Sandhaufen gibt sie die Winnie im Beckett-Stück „Glückliche Tage“. Premiere ist am 29. April in der Studiobühne.

Genauer gesagt: eine Winnie. Die Winnie ist in dieser besonderen Inszenierung gleich dreimal zu sehen. Neben Tessa Theodorakopoulos spielen Kate Amann und Gabriele Schwab, Weggefährtinnen der Regisseurin, mit denen sie Unitheater gemacht hat.

Damit nicht genug. Die drei Winnies spielen in unterschiedlichen Sprachen – in Englisch, Französisch und Deutsch. Das legt zunächst der Theaterautor Beckett nahe, der selbst so sprachgewandt war, dass er die englische Version von „Glückliche Tage“ nicht einfach ins Französische übersetzte, sondern eigens eine französische Version verfasste. Und auch des Deutschen war der Ire so mächtig, dass er die deutsche Ausgabe von „Glückliche Tage“ zumindest kontrollieren konnte.

Allerdings: „Wir spielen das Stück natürlich nicht dreimal.“ Tessa Theodorakopoulos vergleicht ihre Inszenierung mit einem Musikstück, in dem Tutti und Soli sich abwechseln. Das Stück wird durchgespielt, nur eben in drei Sprachen. Wobei die Wahl, welche Passage in welcher Sprache auf die Bühne kommt, vermeintlichen Nationalcharakteren entspricht: Dem Französischen die spielerischen und etwas koketten Textteile, dem Englischen die Passagen, die eine direkte Sprache sprechen, und dem Deutschen die Stellen, in denen die Vernunft regiert. Kate Amann, selbst Irin, die seit langem in Konstanz lebt, übernimmt selbstredend den englischen Part: „Beckett ist mein Landsmann, und sein Englisch in Winnies Mund ist die Sprache meiner Mutter und ihrer Vorfahren. Für mich ist das Freude und Verantwortung zugleich“, sagt sie.

„Ich bin begeistert von der Gelegenheit, noch einmal ein Stück unter der Regie von Tessa Theodorakopoulos zu machen – vor allem ein Beckett-Stück.“ Die das erklärt, ist Gabriele Schwab, die in den 1970er Jahren mit dem Unitheater eng verwoben war. Damals saß sie als Assistentin an ihrer Habilitationsschrift in Anglistik. Dass sie, die seit 30 Jahren in den USA lehrt, mit von der Partie sein kann, ist dem Kulturwissenschaftlichen Kolleg des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ zu verdanken, an dem sie sich derzeit als Gastwissenschaftlerin ist. Schließlich hat die Literaturwissenschaftlerin über Samuel Beckett promoviert und veröffentlicht. Im Stück übernimmt sie den deutschen Teil.

Was Tessa Theodorakopoulos selbst b etrifft: Auch sie hat seit 1984 nicht mehr selbst gespielt. Es war die Mirandolina in Turinis Stück „Die Wirtin“. Zwar steckt sie mit ihren beiden Mitspielerinnen im selben Sandhaufen fest, der von der Bühnenbildnerin Janice Jaeckle entworfen wurde und von Uni-Schreinermeister Georg Ritzi auf die Bühne gestellt wird, aber ihr Part ist heikler. Sie muss nicht nur selbst spielen – sie übernimmt den französischen Text –, sondern auch schauen, dass die Winnies ihrer Choreografie der sechs Hände folgen. Sie selbst eingeschlossen.

Um ihr eigenes Spiel überprüfen zu können, lässt sie sich per Video aufnehmen. Und dabei kommt ein weiterer Name ins Spiel, der mit dem Unitheater verbunden ist: Christina Egli, die als studentische Schauspielerin und Fotografin in der Studiobühne mitmischte, und nun die Regieassistenz übernommen hat. Im Stück schwatzt Winnie mit ihrem aufgesetzten Optimismus gegen Becketts Endzeitstimmung an. Wie sich das bei den drei gestandenen Frauen in drei Sprachen ausnimmt, darauf darf man gespannt sein.

 

Aufführungen täglich vom 29. April bis 4. Mai, jeweils um 20 Uhr. Kartenvorverkauf im Eingangsbereich der Universität, telefonisch unter 07531 / 88-2952, per E-Mail unter unitheater@uni-konstanz.de und bei der Buchhandlung Homburger & Hepp.

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