Universitätsmusikdirektor Peter Bauer lotete aus, was er dem 65-köpfigen Uni-Orchester zumuten durfte, und die Rechnung ging auf: Bestens aufgestellt, schwungvoll, ausgefeilt vorbereitet, waren die "Gießberg-Symphoniker" unter bewegender Leitung im Audimax (dem Konzil und dem Bodenseeforum akustisch und konzeptionell um Längen voraus) in symphonischen Werken temperamentvoll zu erleben.

Es ging um den russischen Romantiker Modest Mussorgsky, der eher das Glück als das Pech hatte, mehrfach von anderen Komponisten bearbeitet zu werden. Drei Beispiele setzte Bauer wirkungsvoll ein: Sinfonische Dichtung, ergreifend aufgewühlte Orchesterlieder und symphonische Bildsprache. Nikolai Rimsky-Korsakov hatte sich in der "Nacht auf dem kahlen Berge" über Hexen und Satanssverehrung hergemacht und rüdes Posaunenthema, Piccoloschärfe und harte Perkussion aufeinanderprallen lassen, bevor sein lyrischer Abgesang die Wildheit zum Erliegen brachte.

"Lieder und Tänze des Todes" in der Konzertmitte: Ein dunkler Kontrast zu den eher märchenhaften Klangbildern davor und danach. Spannend, wie Dmitri Schostakowitsch 1962 die Klavierstimme in eine große Orchesterpartitur umsetzte. Das Uni-Orchester hatte die happigen Passagen bemerkenswert im Griff und ging mit Begleit- und klangtragender Rolle präzise um. Der Opernsänger Martin Summer ging mit seiner Bassklangkorpulenz hervorragend um: Das Drohende, Verführerische, Melodische, Derbe – Summer transponierte Tonfolgen in packende Erzählungen. Den ihm geltenden großen Beifall lenkte er bescheiden mit Fingerzeig auf seine Partitur um. Noble Geste!

Bei Mussorgskys "Bildern einer Ausstellung" war es Maurice Ravel, der 1922 für die Unsterblichkeit des Klavierwerks sorgte. Hier zeigte das Orchester eine ungebremste Spielfreude von den farbenkräftigen Soli der Flöten über die Holzbläser bis zu voluminösem Klang der Blechbläser. Durchaus hörbar blieb der Charakter eines Studentenorchesters, in dem Fortgeschrittene, Semi- und Vollprofis kooperieren: vom Gnom über keifende Marktfrauen bis zur Hexe – alles kulminiert in der dünnen Architekturzeichnung, aus der Mussorgsky plus Ravel ein ins Grandiose gesteigertes Osterfest samt Choral und Glockengeläut am Großen Tor von Kiew machten. Ein klanglicher Superlativ mit Welterbe-Charakter! Der Beifall im fast vollem Audimax war riesig, und Bauer dankte statt mit einer Zugabe allen Musikern, die bleiben können, und vorrangig denen, die – wie alle Jahre wieder – das Orchester verlassen müssen: Auch das eine noble Geste.