Am sonnigen Sonntag, 11. August, etwa gegen 14.30 Uhr stürzte auf dem Areal, das der Stadt Konstanz gehört, unvermittelt ein etwa acht Meter langer Ast aus einer Silberpappel, und traf einen 46 Jahre alten Mann.

Dieser wurde schwer verletzt mit dem Hubschrauber ins Spital geflogen. Die Kantonspolizei, die Stadt Konstanz, die für die Baumpflege am Kuhhorn zuständig ist, und die Gemeinde Tägerwilen bestätigen auf Nachfragen den Unfall.

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft war eingeschaltet, sieht aber keinen Anlass für weitere Ermittlungen, wie Sprecher Marco Breu auf Nachfragen sagt.

Es hätten sich keinerlei Hinweise ergeben, dass der Astbruch auf unzureichende Pflege der Bäume zurück zu führen sei.

Die Stadt Konstanz habe vielmehr Dokumentationen zur regelmäßigen Baumpflege und -kontrolle vorlegen können. Der betroffene Baum sei zuletzt am 8. Oktober 2018 von Fachleuten untersucht worden.

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Nach dem Protokoll hätten sich keinerlei Anhaltspunkte für Schwächen am Baum ergeben. Der abgebrochene Ast habe auch keine Stellen mit Fäulnis oder Vorschäden gezeigt.

Damit sei keinerlei strafrechtlich relevantes Versäumnis erkennbar:

„Wir leiten keine Strafuntersuchung ein. Es fehlt der Anfangsverdacht“, so Marco Breu.

Der Baum, von dem der Ast fiel, hat nach Angaben der Technischen Betriebe Konstanz nicht zu den in einer Allee stehenden Hybrid-Pappeln gehört, die im Jahr 2015 im Tägermoos gefällt werden sollten, was aber zum Teil durch Bürgerproteste verhindert wurde.

Seit den Debatten um die Fällungen liegt gerade auf den Bäumen im Tägermoos ein besonderes Augenmerk. Andreas Hoffmann, Leiter der Grünpflege der Technischen Betriebe Konstanz (TBK) weist darauf hin, sie seien letzten Oktober intensiv überprüft worden, indem Fachleute in die Kronen kletterten und diese auf lockere und geschädigte Äste absuchten.

Trotz des erhöhten Kontrollaufwands sei es jetzt zum Unglück gekommen.

Die Stadt Konstanz vermute einen Grünastbruch, also den Abbruch des Asts ohne erkennbaren Grund oder vorherige Anzeichen, wie Walter Rügert sagt, Sprecher der Stadt Konstanz.

„Der abgebrochene Ast war belaubt und nicht abgestorben, außerdem war kein Schaden und auch keine Faulstelle erkennbar.“

Einige Baumarten wie ältere Hybridpappeln sind berüchtigt für das Abwerfen gesunder, belaubter Äste ohne Einfluss von Wind.

In der Fachliteratur ist auch von „Spontanbruch“ oder „Sommerbruch“ die Rede. Die Ursachen sind nicht geklärt. Vielfach tritt er nach längerer Trockenheit oder starker Hitze auf.

Andreas Hoffmann kennt keine zuverlässige Methode, den Grünastbruch zu verhindern oder vorherzusagen. Die Garantie, dass nie etwas passiert, gebe es nicht. Die nächste Kontrolle der Bäume ist nach Angaben der Stadt diesen Oktober geplant.

Das Kuhhorn ist weiter frei zugänglich. Das Baden dort weiter möglich.

Auf der Wiese liegt ein etwa acht Meter langer Ast, von dem kürzlich Biber die Rinde geschält haben. Franziska Wüthrich der Seerhein-Schenke Kuhhorn geht davon aus, dass es dieser Ast war, der den Mann getroffen hatte.

Sie war Augenzeugin des Geschehens. „Das ging zwei Sekunden, und der Ast war unten. Ohne Vorwarnung.“ Die Gäste der Gartenwirtschaft und die auf der Liegewiese seien geschockt gewesen.

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Alle hätten sich diszipliniert verhalten und geholfen, wo es geht. In direkter Nachbarschaft zur Gastwirtschaft wachsen große Pappeln.

Nach Stürmen seien schon manchmal Äste aufs Dach des Gastronomiebetriebs gefallen. Auch wenige spontane Astabwürfe habe sie schon beobachtet. Ihr machten die Bäume dennoch keine Angst. „Das ist Natur.“

„Das ist saumäßiges Pech“, sagt Markus Thalmann, Präsident der Gemeinde Tägerwilen, über das Unglück am Kuhhorn.

Auch er bestätigt, dass kein Baum auf dem Badeplatz je für die Fällung vorgesehen war. Über den jetzigen gesundheitlichen Zustand des Verletzten gibt es keine Angaben aus erster Hand.

Die Wirtin vom Kuhhorn, will gehört haben, dass der Schwerverletzte inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr schwebe.

Ein schwer Geschädigter könnte Schadensersatz von der Stadt fordern. Er müsste dann aber beweisen, dass sie im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht nicht genügend getan hat, um Schäden abzuwenden, sagt der Konstanzer Rechtsanwalt Hennig Stutz.