Konstanz-Litzelstetten Unesco Weltkulturerbe in Konstanz-Litzelstetten: Das Geheimnis um eine Urkunde

Das Rätsel um die verschollene Unesco-Urkunde ist gelöst: Das gesuchte Papier hängt im Konstanzer Rathaus. Die Pfahlbauten vor Litzelstetten sollen nun touristisch genutzt werden.

Dies ist eine Geschichte über eine Urkunde. Nicht irgendeine Urkunde. Nein, über eine Urkunde der Unesco, die die prähistorischen Pfahlbauten am Litzelstetter Krähenhorn zu einem Weltkulturerbe auszeichnet. Die Crux bei der Sache: Die Urkunde war lange Zeit verschollen – wie vom Erdboden verschluckt. 100 Euro Finderlohn wurden geboten für denjenigen, der sie finden würde. Nun ist sie tatsächlich aufgetaucht. Plötzlich und ohne großes Aufsehen. Doch der Reihe nach.

Überreste am Seegrund

Wolfgang Flick, Vorsitzender des Vereins Bodanbürger, machte sich vor rund einem Jahr auf die Suche nach dem Papier, in der Hoffnung, dass der idyllische Konstanzer Vorort daraus touristisches Kapital schlagen möge. „Die Pfahlbauten sind zwar nicht zu sehen, weil nur noch Überreste am Seegrund existieren und die auch noch zum eigenen Schutz mit Kies zugeschüttet sind“, sagt er, „doch wir sind der Meinung, dass das trotzdem eine Attraktion ist.“ Warum er davon überzeugt ist? „Wir sind doch über vergangene Dinge begeistert, die nicht mehr existieren und die wir weder sehen noch anfassen können. Letztlich können wir unseren Glauben auch nicht sehen und sind doch fasziniert davon.“ Die Stadt Konstanz zeigte bis dato wenig Begeisterung für das Krähenhorn. Nicht sichtbar, nicht nutzbar. Was wiederum bei Wolfgang Flick wenig Begeisterung auslöst: "Mich wundert es, dass die Verantwortlichen der Stadt mit dem Welterbe nichts anfangen können. Aber nun gut, dann sind wir Litzelstetter gefragt."

Auszeichnung im Jahr 2011

2011 erhielt der damalige Baubürgermeister Kurt Werner die Auszeichnung beim Landesamt für Denkmalpflege. Zusammen mit 13 anderen Bürgermeistern der Bodenseeregion steht er auf einem Bild als Zeitdokument, das die Existenz der Urkunde zumindest zum damaligen Zeitpunkt beweist. Wolfgang Flick telefonierte sich die Finger wund, recherchierte. Fragte bei alten und neuen Bürgermeistern nach. Vergeblich. Bis er nun endlich die erhoffte Nachricht erhielt – die Urkunde ist aufgetaucht. An einem Ort, der eigentlich näherliegender kaum sein könnte: Im Rathaus hängt sie in einem Flur zwischen allerlei anderen Utensilien. "Und das schon seit Jahren", wie Stadtsprecher Walter Rügert leicht verschnupft berichtet. "Man hätte nur uns fragen müssen."

Wie geht es weiter?

Und nun? Wolfgang Flick möchte die Urkunde nach Litzelstetten bringen lassen. Und wenn das gute Stück dann am Fuße des Purren angekommen ist, wartet eine der zwei Vitrinen im Gebäude der Ortsverwaltung. "Hier liegen ja auch schon Fundstücke, die uns von der Pfahlbauausstellung in Dingelsdorf zur Verfügung gestellt wurden", erklärt Wolfgang Flick. "Wir sind einfach der Meinung, dass das unseren Ort etwas aufwertet." Den Finderlohn möchte er gerne der Person ausbezahlen, die die Urkunde im Konstanzer Rathaus entdeckt hat. "Das ist doch selbstverständlich", sagt er und lächelt.

Doch mit Schautafeln, Fundstücken und Urkunde alleine soll es das noch nicht gewesen sein. Eine weitere Maßnahme auf dem Weg zu einer kleinen, aber feinen Touristenattraktion könnte die Anschaffung von Pfahlbauhäuschen für die Übernachtung auf dem neuen Campingplatz sein. "Damit würde ein unvergleichlicher Hinweis auf die Geschichte geschaffen", sagen die Mitglieder des Vereins Bodanbürger. Eine ebenso eindrückliche Wirkung könne ein den Pfahlbauten nachgebautes Metallkonstrukt haben, das auf einer Aussichtsplattform in der Verlängerung des Hasenwiesenweges stehen könne. Andere Standorte im Voralpenraum haben ähnliche Schwierigkeiten mit dem Sichtbarmachen ihres Welterbes. Von dort haben Litzelstetter die Idee mitgebracht, auch hier ein Kunstwerk aufzustellen, das den Pfahlbau symbolisch aufgreifen soll. Pfahlbau-Spielplatz, ein jährliches Fest zum Gedenktag für das Kulturerbe, die Partnerschaft mit anderen Welterbestätten oder eine Flagge an der Ortseinfahrt, die an das Welterbe erinnert – die Palette an Ideen der Bodanbürger ist groß und durchaus ambitioniert.

Pfahlbauten

Ein erstes Treffen zwischen Mitgliedern des Vereins Bodanbürger mit Freunden und Förderern der Pfahlbauausstellung in Dingelsdorf in der Ortsverwaltung wurde für den 12. Dezember terminiert. Mitglieder der Interessengruppe werden nach Dingelsdorf aufbrechen, um mit den Aktiven ins Gespräch zu kommen, wie man sich in der gemeinsamen Arbeit um das Weltkulturerbe am Litzelstetter Krähenhorn austauschen und ergänzen kann. Auch soll ausgelotet werden, ob Projekte miteinander umsetzbar sind und wie die Außenkommunikation für das Weltkulturerbe gesteigert werden kann.

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