Im Gegenzug gibt sie das Marienhaus als Pflegeheim auf, und verwandelt es in ein Zentrum für betreutes Wohnen, Pflegegemeinschaften, Tagespflege und Beratungsangebote. Das Haus Chris-Tina plant langfristig mit einen Erweiterungsbau. Aktuell allerdings hängt die Zukunft des Hauses auch von Ausnahme-Regelungen von der Heimbau-Verordnung des Landes ab. Diese haben die Umwälzungen in der Konstanzer Pflegelandschaft überhaupt erst in Gang gesetzt.

Der Caritasverband zieht die Konsequenzen aus den ab 2019 geltenden neuen Anforderungen an Wohngruppen- und Raumgrößen, die sich in einem denkmalgeschützten Altbau wie dem Marienhaus schwer verwirklichen lassen. Er habe sich für einen Neubau entschieden, der unbedingt in der Altstadt oder im Paradies stehen sollte, wie Caritas-Geschäftsführer Andreas Hoffmann auf Nachfrage sagt. Sechs Grundstücke seien unter die Lupe genommen worden. Jetzt melden alle Beteiligten gemeinsam: Der Kauf des Areals der Schule Zoffingen durch die katholische Gesamtkirchengemeinde ist in den trockenen Tüchern. Die Caritas-Altenhilfe tritt dort als Pächterin auf. Das Marienhaus mit heute 101 Pflegeplätzen soll für alte Menschen erhalten bleiben, etwa für Pflege-Wohngemeinschaften oder für betreutes Wohnen. "Es wird ein Mehr an Angeboten geben", sagt Hoffmann. Der Unterricht in der Mädchenschule Zoffingen endet zum Schuljahresende 2018/19.

"Wir haben uns ganz bewusst nicht für die maximale Rendite entschieden, sondern wollen auf die Bedürfnisse der immer älter werdenden Gesellschaft reagieren. Es war unser Wunsch, dass das Gelände in kirchlicher Hand bleiben kann", schreibt die Priorin des Klosters, Schwester Martina Amrhein, in der gemeinsamen Stellungnahme. Die Gesamtkirchengemeinde betrachtet den Kauf als langfristige Investition mit einem verlässlichen Pächter.

Die Caritas hatte im denkmalgeschützten Marienhaus keine Chance mehr gesehen, die Auflagen der Heimbau-Verordnung des Landes zu erfüllen. Schwierig sei vor allem die Beschränkung der Größe der Wohngruppen auf maximal 15 Personen, sagt Andreas Hoffmann, der als früherer CDU-Landtagsabgeordneter an der neuen Verordnung selbst mitgewirkt hatte. Er sagt, die ursprüngliche Zielrichtung sei eine ganz andere gewesen. Es sei darum gegangen, neue Qualitätsstandards in den Häusern mit Vielbettzimmern für bis zu sechs Personen zu setzen. In die Umsetzungsverordnung seien dann aber neue Auflagen hineingeschrieben worden, die jetzt zur Änderung ganzer Hauskonzepte zwinge.

Davon betroffen ist auch das privat geführte Haus Chris Tina. Hier macht vor allem die Regelung zu schaffen, dass es ab 2019 keine Doppelzimmer mehr geben soll. Allerdings sind Ausnahmen durch die Heimaufsicht möglich. Heimleiter Hansjürgen Schumacher hofft auf sie. Bei der Generalsanierung 2007/2008 sei fast eine Million Euro ins Haus investiert worden. Erst danach kam die Verordnung mit den neuen Auflagen. Jetzt gleich wieder bauliche Änderungen in Angriff zu nehmen, sei nicht finanzierbar.

Auch das Haus Chris Tina ist in einem denkmalgeschützten Altbau untergebracht. Bis 2028 könnte ein Anbau in Angriff genommen werden. Schumacher bedauert, dass der Gesetzgeber die Häuser mit den Vorgaben auch konzeptionell einschränkt. In dem eher familiär geführten Haus mit eigener Küche und Wäscherei fühlten sich viele Bewohner auch in Doppelzimmern wohl. Müsste das Haus ab 2019 alle Auflagen der Heim-Verordnung umsetzen, würden 29 der 55 Plätze wegfallen.

Die Heimbau-Verordnung

Seit 2009 gilt die neue Heimbauverordnung mit Übergangsfristen bis 2019. Sie hat an sich große Ziele. Es geht um den Erhalt von Würde, Selbstbestimmung und Lebensqualität. Sie schreibt für Pflegebedürftige auch in bestehenden Heimen (nicht nur in Neubauten) künftig Einzelzimmer mit mindestens 14 Quadratmetern Größe, einer lichten Raumbreite von 3,2 Metern und Wohngruppen mit maximal 15 Bewohnern vor. Im schlimmsten Fall könnten in Konstanz, wo heute schon Pflegeplätze fehlen, mehr als 100 wegfallen. (rin)