Konstanz Über Nacht ist ein Haus entstanden: Anschlussunterkunft für Flüchtlinge feiert Richtfest

Innerhalb weniger Stunden wuchs aus dem Sockel ein Haus, das reif war fürs Richtfest. Der Neubau der Wohnungen für Flüchtlinge in der Schottenstraße hat über Nacht einen gewaltigen Wandel durchgemacht.

In der Werkstatt vorgefertigte Holzmodule haben einen Blitzbau nach dem System des Vorarlberger Architekten Johannes Kaufmann ermöglicht. In einer Nacht wurden die Holzelemente auf den Sockel gesetzt. Gerade drei Monate nach dem Spatenstich war das Haus plötzlich fertig fürs Richtfest. Wäre nicht der Fund eines historischen Kellers dazwischen gekommen, wäre es noch schneller mit dem Aufbau gegangen, hieß es von Seiten der Bauherrin, der Wohnungsbaugesellschaft Konstanz (Wobak). Die Bauweise mit vorgefertigten Holzmodulen soll nun auch an anderen Stellen in der Stadt zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, zügig Wohnraum zu schaffen. An der Schottenstraße entstehen vier Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen für Flüchtlinge, welche die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen dürfen, also entweder anerkannt sind oder seit zwei Jahren in Deutschland leben.

"Über Nacht steht hier ein Haus", sagte Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn beim Festakt zum Richtfest. Die Module für die künftigen Wohnungen seien mit Türen und Türklinken geliefert worden. Mit dem Pilotprojekt an der Schottenstraße wachse ein weiterer Leuchtturm des Wohnungsbaus in Konstanz. Aus Sicht des Bürgermeisters nimmt die Stadt eine herausragende Rolle in der Entwicklung nachhaltiger Strukturen ein – auch im Wohnungsbau.

Er weist darauf hin, dass Vertreter von Wobak und Stadtplanung in einem Gremium zur Beratung der Bundesregierung für modernes Bauen sitzen, zudem sei es erst kürzlich gelungen, im geförderten Wohnungsbau Häuser in Dettingen zu planen, die mehr Energie erzeugen, als seine Bewohner verbrauchen (Plus-Energiehäuser), und bei den Zielen des Handlungsprogramms Wohnen komme die Stadt vor allem im sozialen Wohnungsbau voran.

Etwa bis ins Jahr 2020 würden die rund 700 Sozialwohnungen errichtet sein, die im gesamten bis ins Jahr 2030 ausgelegten Handlungsprogramm Wohnen vorgesehen waren. Wohnungen in dieser Kategorie würden also verstärkt gebaut, mehr als derzeit in allen anderen Ballungsregionen Baden-Württembergs. Es müsse dann Bilanz gezogen werden, ob dies ausreiche. Eine große Herausforderung bestehe darin, auch den preisgedämpften Wohnraum anzubieten, für den es keine Zuschüsse vom Land gibt, den aber die Menschen benötigen, die zwar kein sehr großes, aber doch kein so kleines Einkommen haben, dass sie einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten, dies bestätigen Langensteiner-Schönborn und Vertreter der Wobak auf Nachfragen.

Wobak-Geschäftsführer Bruno Ruess wies auf ein neues Wohnbau-Förderprogramm hin, welches das Land in Kürze herausbringen werde. Mit diesem sei es dann kein Problem mehr, geförderte Wohnungen für Einheimische und Flüchtlinge unter einem Dach zu bauen. Die ehemals getrennten Zuschussprogramme seien zusammengelegt worden. Für Flüchtlinge sind in Konstanz aktuell in der Schottenstraße, am Zergle und in Egg Wohnungen im Bau. Ab 1. März sollen die im Zergle bezugsfertig sein. Die anderen beiden Projekte würden auch etwa in dieser Zeit fertig. An der Schottenstraße fördert das Land die Baukosten in der Höhe von einer Million Euro mit einem Zuschuss von 250.000 Euro.

Der Vorarlberger Architekt Johannes Kaufmann strich die Vorteile des Systems aus Holzmodulen heraus. Es kann flexibel auf verschiedene Standorte angepasst werden. Der Vorteil für die Handwerker: Ein Großteil der Fertigung geschieht wetterunabhängig in einer Montagehalle. Die Beschäftigten könnten in dieser Zeit vor Ort arbeiten. "Das hat auch einen sozialen Aspekt." Nur für die Schlussmontage und die Ausbauarbeiten zum Abschluss seien sie an den Ort der Baustelle gebunden. Dem Unternehmer aus Dornbirn gelingt es unter diesen Arbeitsbedingungen, ortsansässige Fachleute für den Bau zu gewinnen. Er verarbeitet für die Module heimische Hölzer.

Bürgermeister Andreas Osner freut sich, dass es aus der Bürgerschaft keine Proteste gegen die Wohnungen für Flüchtlinge in der Schottenstraße gab. Grundsätzlich, so betonte er, baue die Stadt für Flüchtlinge und für Einheimische. "Kein Konstanzer wird eine Wohnung weniger bekommen, weil wir für Flüchtlinge bauen." Man versuche, kleinere Flüchtlingsquartiere möglichst breit gestreut über die gesamte Stadt zu verteilen, um so auch die Integration schnell voranzubringen.

Das Modellhaus

An der Schottenstraße entstehen vier 83-Quadratmeter-Wohnungen mit drei bis vier Zimmern für Flüchtlinge, welche die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen dürfen. Vorgefertigte Holzmodule ermöglichen das schnelle und flexibel auf den Standort angepasste Bauen. Der Bau entsteht auf einem 518 Quadratmeter großen Grundstück der Stadt, die es nach Erbbaurecht der Wobak überlassen hat. Wie viele Flüchtlinge dort leben werden, hängt von der Art der Belegung ab. Eine Wohnung kann bis zu vier Alleinstehende aufnehmen oder auch eine Familie. (rin)

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