Musik gibt in Helmut Krügers Leben den Ton an. Es geht nicht ohne. Auch heute, mit fast 82 Jahren, hat er regelmäßig Auftritte auf Hochzeiten, Betriebsfeiern oder Geburtstagen. Zusammen mit der Singener Sängerin Jasmin Müller tritt er als Duo "Missy und Marc" auf. Seit dreizehn Jahren ist die 31-Jährige seine musikalische Begleitung. "Helmut ist ja eine echte Institution", sagt sie. Eine Institution, das passt perfekt.

Helmut Krüger ist ein großes Stück Konstanzer Musikgeschichte als Bassist der 70er und 80er Kultband Crusade. Zunächst begeisterte er Samstag für Samstag an der Seite von Roland Scherer (Gitarre), Rainer Heß (Keyboard) und Dieter Hog (Schlagzeug) die Konstanzer Fans. Nach kurzer Zeit schon wurde die Band im gesamten Landkreis gebucht und nur wenige Monate später gab es Auftritte in ganz Süddeutschland. "Wir hatten bis zu 1500 Fans in den Hallen", erinnert sich Helmut Krüger. "Wir waren ständig ausverkauft." 

Das ist das musikalische Duo Jasmin Müller (Mitte) und Helmut Krüger (rechts) - zusammen mit Crusade-Manager Rolf Ditting auf der Terrasse des Hörnle-Restaurants. | Bild: Andreas Schuler

Deep Purple, Uriah Heep, Jethro Tull, Pink Floyd, Queen oder Kansas – Crusade setzte als Coverband auf bewährte Musik, die den Zeitgeist der 70er und 80er Jahre widerspiegelte. Kritiker beschrieben Crusade als "beste Amateur Live-Band".

Wer die großen Rockstars live und in Natura sehen wollte, musste damals schon nach Zürich, München oder Stuttgart fahren. Wer es nur mit ihrer Musik hielt, kam bei Cursade auf seine Kosten. "Der Höhepunkt bei den Auftritten war stets die Pink-Floyd-Showtime in einer Qualität wie auf Platte", sagt Rolf Ditting, der die Band managte.

Ein Ostberliner sucht Palmen - und fand Konstanz

Helmut Krüger, das wissen nicht viele, ist eigentlich gar kein waschechter Konstanzer. 1957 kommt er aus Ostberlin hierher. "Ich habe in meiner Heimat am Ostbahnhof ein Plakat von der Mainau mit Palmen gesehen", erinnert er sich. "Da wusste ich sofort: Da musst du leben." Er verlässt Berlin, setzt sich in einen Zug nach Lindau. Von da geht's mit dem Schiff nach Konstanz.

"Als ich dann vergeblich die Palmen suchte und die Leute mir sagten, dass die nur auf der Mainau stehen, war ich schon etwas enttäuscht", sagt er lächelnd. Vom Hafen aus ging er in die Stadt, sah im Schaufenster der damaligen SÜDKURIER-Geschäftsstelle am Fischmarkt die Anzeige "Zimmer in Wollmatingen zu vermieten" und machte sich auf den Weg dorthin. "Ich bekam das Zimmer auf dem Bauernhof der Familie Stadelhofer", blickt er zurück. Auch einen Job auf dem Bau fand er schnell.

Fasnacht 1958: Der erste Auftritt einer jungen Band

In seiner Freizeit spielte er Gitarre. "Mein Vermieter erzählte mir von Peter Stadelhofer, der auch Gitarre spiele. Also habe ich ihn besucht – er war wesentlich besser als ich." Die beiden funkten auf einer Wellenlänge und beschlossen, eine Band zu gründen. Als "The Waits" hatten sie zur Fasnacht 1958 ihren ersten Auftritt in der Wollmatinger Linde, auch im Tanzcafé Pigalle in der Salmannsweilergasse feierten sie legendäre Gigs. Helmut Krüger spielte den Kontrabass.

"Von Cliff Richard über Freddy Quinn bis Frank Sinatra und Elvis haben wir alles nachgesungen", erzählt er. Ab dem Jahr 1962 trat die Combo im Park Café zwischen Klinik und Suso-Gymnasium auf – jeden Abend im Winter. "Das war verrückt. Es war immer voll." Fünf Mark pro Stunde gab's als Gage. "Ein Zubrot zu meinem geringen Lohn als Bauarbeiter." Aus "The Waits" wurden "Die Optimisten" und schließlich die "Four Sugars".

Die Optimisten im Jahr 1966 als Beatles: Klemens Mues, Wolfgang Buchmann, Helmut Krüger, Jürgen Sauter, Peter Stadelhofer.
Die Optimisten im Jahr 1963 als Beatles: Klemens Mues, Wolfgang Buchmann, Helmut Krüger, Jürgen Sauter, Peter Stadelhofer. | Bild: Archiv Rolf Ditting

Unter dem Namen Crusade werden die Musiker immer bekannter

An dieser Stelle kommt Rolf Ditting ins Spiel. Als er die vier Jungs bei einem Auftritt im Café Dierenbach in Fürstenberg sah, entdeckte er das große Ausbaupotenzial. "Die waren richtig, richtig gut", erinnert er sich. "Doch als erstes mussten wir den Namen ändern."

Crusade war geboren. Dazu entwarf er einen eigenen Schriftzug, Flugblätter und Plakate. "Ich war einmal pro Woche in den Schulen unterwegs zum Verteilen." Und prompt sprach sich in der Region herum, dass in Konstanz eine tolle Coverband beheimatet war. Es folgten Auftritte in Bohlingen, Engen, Gottmadingen oder Donaueschingen. "Wir wurden immer populärer", sagt Helmut Krüger.

Die Band erhielt nun 800 Mark pro Auftritt in kleinen bis mittleren Hallen; die Miete verschlang im Schnitt 500 Mark, die Gema-Gebühren 400, die Technik 200. Die Besucher zahlten fünf Mark Eintritt – bei bis zu 1500 Gästen blieb dann schon etwas übrig.

Anfang der 1980er endet die Zeit von Crusade

Im März 1982 gab Crusade sein letztes Konzert. Die Hallen waren immer schlechter besucht, die große Zeit war vorüber. "Manche Bandkollegen wollten eigene Kompositionen spielen", blickt Helmut Krüger zurück. "Das waren richtig starke Stücke – aber nicht das, was unsere Fans von uns hören wollten. Die schönste und erfolgreichste Zeit war die, als wir als reine Coverband aufgetreten sind."

Eigentlich wollte Helmut Krüger seine Musikerkarriere beenden. Eigentlich. Bei einem Urlaub in Südfrankreich 1984 sah er einen Alleinunterhalter, der zu Musik vom Band bekannte Lieder sang. "Das wollte ich auch machen", sagt er heute. "Als ich wieder daheim war, habe ich mir die Bänder besorgt und bin gleich beim Köcheball im Konzil aufgetreten. Die Leute haben vielleicht geschaut, als ich alleine vorne stand und 'New York, New York' gesungen habe." Seither ist er in wechselnder Zweitbesetzung im Duett zu sehen. Seit dreizehn Jahren an der Seite der bezaubernden Jasmin Müller.