Dort, wo einst das kleine gelbe Siedlungshaus eines älteren Ehepaars stand, liegt ein großer Schutthaufen. Auf dem rund 1350 Quadratmeter großen Grundstück an der Bettengasse 18 in Allmannsdorf sollen demnächst die Bagger anrollen. Zwei neue Wohnhäuser sollen im Herbst 2019 fertiggestellt sein.

Das rund 1,2 Millionen Euro teure Bauprojekt ist seit Jahren umstritten, der Bauträger musste die Pläne mehrmals überarbeiten, es gab Proteste von Anwohnern, die unter anderem die (wie sie sagen) massive Nachverdichtung und die Verschattung der angrenzenden Häuser nicht akzeptieren wollen. Kurze Zeit war es ruhig um das Bauprojekt. Doch jetzt gibt es neuen Ärger.

Ohne Bebauungsplan gibt es Spielraum bei der Gestaltung

Grund ist ein neuer Bauantrag. Aus zehn Wohneinheiten sollen zwölf werden. Am hinteren Haus soll das Treppenhaus breiter und höher werden, weitere Stellplätze kämen dazu.

"Mit mehreren kleinen Wohnungen holen Sie am Ende natürlich mehr raus", sagt Sven Martin, der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf Staad. "Und die immer neuen Bauanträge sind eine Salami-Taktik, mit der man sich gerade noch so im rechtlichen Rahmen bewegt." Es räche sich nun, dass es keinen rechtsgültigen Bebauungsplan gibt. Das Projekt muss sich nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs in die Umgebungsbebauung einfügen – und da gebe es Spielraum, so Martin.

"Typisches Investorenprojekt"

"Das ist ein typisches Investorenprojekt, das an der Zielgruppe Familien, die in Konstanz dringend bezahlbaren Wohnraum bräuchten, vorbei baut."

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Für die meisten Familien dürften die Wohnungen tatsächlich zu klein oder zu teuer sein. Zum Verkauf stehen sechs Wohnungen mit jeweils zwei Zimmern, die günstigste mit 46 Quadratmetern für 344.600 Euro. Die einzige Wohnung mit viereinhalb Zimmern kostet 707.300 Euro – soll aber schon verkauft sein, wie der Makler, das Allmannsdorfer Immobilienunternehmen Reimann, auf seiner Homepage angibt.

Anwohner wollen Widerspruch einlegen

Die Anwohner Alexandra Forster und Thomas Götz wollen auch gegen den neuen Bauantrag Widerspruch einlegen, der vorherige liegt noch beim Regierungspräsidium. Sie sind zunehmend frustriert über die Entwicklungen. "Das Bauvorhaben ist völlig überdimensioniert", sagt Götz, "und mit jedem neuen Bauantrag wird es für uns dramatischer". Vor ihrem Garten ist nun ein Wohnhaus für sechs Parteien geplant, "das mit dem ursprünglichen und im Gestaltungsbeirat empfohlenen Doppelhaus mit bestimmten Abmessungen nichts mehr zu tun hat", sagt Forster.

Mit jedem neuen Plan würden so die Vorschläge des Ausschusses umgangen. "Zudem ist es ein Unterschied, ob sechs Parteien vor einem wohnen oder zwei Familien", so Götz.

Der Bauträger Schendel Wohnbau aus Wutöschingen und der Makler haben auf Anfrage bislang keine Stellung bezogen.