Konstanz Turbulente Deutschstunde: Theater Konstanz zeigt Klassenzimmerstück "Nicht lustig!"

Die Schüler des Ellenrieder-Gymnasiums hatten zwar eine bequemere Deutsch-Stunde erwartet, zeigen sich aber im Nachhinein begeistert. An den Gästen aus Burundi entwickeln sie lebhaftes Interesse

Konstanz – Sie sitzen brav im Klassenzimmer. Ein Schultag wie jeder andere, jedenfalls fast. Der Deutschunterricht verspricht Abwechslung, denn das Theater Konstanz ist in Kooperation mit dem Theater Burundi mit dem Klassenzimmerstück "Nicht lustig!" zu Gast. Das Ensemble sorgt für unerwartete Momente und wohl für die lebhafteste Deutschstunde, die die Kinder je erlebt haben. Von draußen tönt Musik. Plötzlich öffnet sich die Tür. Singend und tanzend bewegen sich die vier Schauspieler durch die Reihen. Die jungen Zuschauer stutzen. Sie hatten ein Theater erwartet, bei dem man sich bequem zurücklehnen kann. Von wegen!

Sheila Inangoma, die im Spiel abgeklatscht wurde, steht wie versteinert da und wird wegen dieser Leistung von den Kindern bewundert. Peter Posniak rennt mit einer Mango durch das Klassenzimmer. Hinter ihm jagt Sophie Raissa Ndoruicimpa her. Sie will die Mango, bekommt sie aber nicht. Posniak wirft die Frucht den Kindern zu. Alle machen mit. Dann kommt ein Außerirdischer (Diogéne Rukunbo), der nicht weiß, wer er ist. Alle überlegen, wie man den Fremden nennen könnte. "Wir nennen ihn Monsieur Nix", meint Posniak. Den Gag verstehen allerdings nur die Erwachsenen. Im Laufe des interaktiven Stücks auf Kirundi, Französisch und Deutsch erfahren die Kinder einiges über Burundi, wo Hutu, Tutsi und Twa alles andere als friedvoll miteinander leben. Mit einem Witz bringen die Akteure die Situation auf den Punkt. Ein Engel fragt nach den größten Wünschen: Die Hutu wünschen sich, dass die Tutsi sterben; die Tutsi wünschen sich, dass die Hutu sterben. Was wünscht sich die kleinste Bevölkerungsgruppe, die Twa? "Wir haben keinen Wunsch mehr. Wenn sich die anderen beiden umbringen, haben wir unsere Ruhe." Die meisten Kinder finden diesen Witz nicht lustig.

Und schon überlegen Schauspieler und Schüler, was denn lustig ist, und erzählen sich gegenseitig Witze: deutsche und burundische. Rasch wird deutlich, dass – je nach Herkunft und Erziehung – Humor unterschiedlich ist, im Kern aber das Gemeinsame überwiegt. Dass man sich immer wieder im Leben als Außerirdische fühlt – etwa in Anbetracht einer extremen Produkt-Auswahl im Supermarkt oder beim Versuch, in Burundi eine SIM-Karte zu bekommen.

Auf spielerische Art und Weise dient das Stück auch der Völkerverständigung. Die Kinder waren höchst interessiert an der burundischen Kultur und stellten Fragen. Auch die Personen selbst faszinieren die Schüler. Ein paar Jungs fachsimpelten mit Diogène über Sport, die Mädchen wollen von den Schauspielerinnen wissen, was sie im Fernsehen ansehen. Die Deutschstunde, die auch die Fächer Geografie, Philosophie, Ethik, Französisch und Englisch beinhaltete, beeindruckte die Schüler nachhaltig. Ein Mädchen sprach das schönste Kompliment aus: "Können Sie mal wiederkommen?"

 

Nicht lustig!

  • Das Stück "Nicht lustig", das Theaterschaffende aus Konstanz sowie Schüler aus Burundi und Deutschland im Rahmen des interkulturellen Projekts "Comedie? Humaine 21st" entwickelt haben, wurde jetzt an Konstanzer Schulen präsentiert. 2018 wird das Stück in Burundi aufgeführt. Ausgangspunkt für das Projekt ist die Kooperation des Theater Konstanz mit Theatergruppen aus Burundi, die seit 2014 existiert.
  • Workshops: Zudem fanden Workshops statt, in denen Komik und die damit verbundenen sozialen Aspekte beleuchtet wurden. Die vorläufigen Ergebnisse der Seminare werden in einer Abschlusspräsentation am Freitag, 24. November, um 20 Uhr in der Spiegelhalle des Theaters gezeigt. (as)

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