Die Debatte um den Holzofen-Feinstaub in Konstanz kokelt weiter. Die Stadtverwaltung hat auf die Kritik an der Holzbefeuerung und den damit verbundenen Schadstoffausstoß reagiert.

"Seit Jahren werden die Grenzwerte für Feinstaub in Konstanz nicht überschritten", heißt es in einer Stellungnahme der Stadt auf SÜDKURIER-Anfrage. Entsprechend gebe es "keine Rechtsgrundlage und keinen akuten Handlungsbedarf für Verbote".

In Konstanz seien bislang keine solchen Verbote ausgesprochen worden. Die Feinstaub-Werte aus der Wallgutstraße sollen jedoch schon bald Thema im Technischen- und Umweltausschuss werden.

Geht es nach Jörg Kachelmann, sind Holzöfen eine Umweltkatastrophe

Die Debatte um Feinstaub aus Holzöfen hatte Wetter-Experte Jörg Kachelmann angestoßen.

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Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter lederte der bekannte Meteorologe zuletzt immer wieder gegen Kaminofenbesitzer – auch gegen jene in Konstanz. "Es stinkt am Bodensee, Ort für Ort", schrieb Kachelmann dort – und verwies auf die an der Wallgutstraße im Paradies gemessenen Feinstaub-Werte.

Seine Lesart: Die Werte seien hier in den späten Abendstunden, also deutlich nach dem Berufsverkehr, besonders hoch. Vonseiten der Konstanzer Kaminkehrer hatte das wiederum zu Kritik geführt.

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Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert vor allem die Holzofen-Hersteller

Auf die Berichterstattung des SÜDKURIER hat sich in der Zwischenzeit auch die Deutsche Umwelthilfe in die Debatte eingeschaltet: "Auch wir sehen die Schadstoffe aus dem Heizen mit Holz als gravierendes Problem", erklärt Patrick Huth, Projektmanager für Verkehr und Luftreinhaltung. "Allerdings", so Huth weiter, "vertreten wir eine differenziertere Position als Herr Kachelmann."

Er kritisiert vor allem die Holzofen-Hersteller: "Deren Angaben zum Feinstaubausstoß sind weit weg von der Realität."

Die Deutsche Umwelthilfe war in den vergangenen Monaten selbst massiv in die Kritik geraten. CDU-Politiker hatten gar eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit gefordert. Der Auslöser: Sie hatte vor deutschen Verwaltungsgerichten Fahrverbote für Dieselautos erstritten.

Beim Schweizer Nachbarn gelten strengere Grenzwerte als in Deutschland

Grundlage dafür waren die Stickstoffdioxid-Grenzwerte, bei denen sich die EU an den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) orientiert. Beim Feinstaub sei das anders: "Hier haben wir EU-weit viel zu lasche Grenzwerte, weshalb uns letztendlich das Druckmittel fehlt", begründet Huth, warum gegen den Diesel und nicht den Holzofen mobil gemacht wurde.

Die Schweizer Nachbarn hingegen sind an dieser Stelle deutlich strenger: Während beispielsweise in Deutschland der Feinstaub-Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm ganze 35 Mal im Jahr überschritten werden darf, ist es dort nur drei Mal erlaubt.

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"Bei strengeren EU-Grenzwerten wäre es für uns durchaus eine Möglichkeit, den Rechtsweg zu beschreiten, wenn zu wenig gegen die Feinstaubbelastung getan würde", sagt Huth. Die Verantwortung für diese Luftreinhaltung sieht die Umwelthilfe auch bei den Städten und Kommunen, wenn nötig sogar durch sogenannte Verbrennungsverbote.