Die Stadt hat sich kaum von der tödlichen Messerstecherei in einer Bar im März erholt, da erschüttert Konstanz die nächste Nachricht von einer Bluttat. Bei dem Angriff des mutmaßlich 34-jährigen Täters kommt ein Türsteher der Disk Grey ums Leben, der Angreifer selbst erliegt nach einem Schusswechsel mit der Polizei seinen Verletzungen, zwei Besucher werden verletzt. In Allensbach ist die schwere Verwundung eines Beamten das Gesprächsthema am Sonntag.

Das Geschehen von Sonntagmorgen im Grey an der Max-Stromeyer-Straße steckt Linda Sophia Baur noch Stunden später in den Knochen. Die junge Frau war in der Diskothek, als der Täter vor dem Gebäude das Feuer eröffnet. Als sie zur Seitentür entkommen sei, habe sie Schüsse gehört, erklärt sie gegenüber dem SÜDKURIER. "Wir haben uns dann hinter einem Auto versteckt", beschreibt Linda Sophia Baur. Türsteher der angrenzenden Diskothek Berry's, denen sie dankbar sei, hätten dann Zuflucht geboten. "Wir hatten Angst und dann war auch schon alles vorbei", erklärt die junge Frau, und: "Es war eine grausame Nacht, die wir mit Sicherheit so schnell nicht vergessen werden." 

Der 34-jährige anerkannte Asylbewewerber irakisch-kurdischer Herkunft, den Staatsanwaltschaft und Polizei für die Tat verantwortlich machen, hat nach den tödlichen Schüssen auf den Türsteher bei einem Schusswechsel einen Beamten schwer verletzt. Es handelt sich hierbei um einen 29-Jährigen, der in Allensbach lebt und Mitglied des dortigen Narrenvereins Alet ist. Er befindet sich im Krankenhaus, ist laut Polizeisprecher Bernd Schmidt außer Lebensgefahr. Ein Projektil, abgefeuert aus dem Sturmgewehr M 16 des Angreifers, durchschlug den Schutzhelm aus Titanium. Nach Darstellung Schmidts soll der Polizist einen Streifschuss erlitten haben. Allerdings soll er, heißt es Informationen des SÜDKURIER zufolge, am Montag operiert werden. Das lässt den Schluss zu, dass die Verletzung durch die Kugel stärker als nur ein Streifschuss ist. 

In Allensbach hat die Nachricht vom verletzten Polizisten schnell die Runde gemacht, dort fand am Wochenende das Seetorfescht statt. Alet-Präsident Ludwig Egenhofer erklärte auf Anfrage: „Wenn man so etwas hört, ist man in einer Art Schockstarre und man überlegt, wie schnell so etwas Schlimmes passieren kann. Gestern ist man noch mit ihm zusammengesessen. Da ist das Fest nicht mehr so wichtig, sondern Nebensache. Es waren alle geschockt und konsterniert, die es erfahren haben. Aber es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Ich bin mit ihm in Kontakt.“

Für die Ermittler gibt es noch viele Fragen zur Tat zu klären. Sie hoffen auf Hinweise von Diskobesuchern und haben eigens ein Portal eingerichtet, über das eventuell zur Tatzeit angefertigte Fotos und Videos hochgeladen werden können (https://bka-hinweisportal.de). Die Betroffenheit über das Geschehene ist im Umkreis groß. OB Uli Burchardt hat sich am Sonntagmorgen zusammen mit Martin Jäger vom Landes-Innenministerium vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. In einer Pressekonferenz am Abend mit Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt und Polizei hat er den Einsatz- und Hilfskräften großen Dank ausgesprochen. Besonders die Polizisten, die zuerst vor Ort waren, hätten Schlimmeres verhindert. Sie haben den Angreifer im Schusswechsel außer Gefecht gesetzt. Er verstarb später, trotz einer Notoperation, im Krankenhaus.

Die Betreibergesellschaft hat am Sonntagabend über einen Konstanzer Rechtsanwalt eine Stellungnahme versandt. Die Geschäftsführung sei tief getroffen vom Tod des Sicherheitsmitarbeiters und von der Verletzung der weiteren Personen. "Derzeit werden noch Mitarbeiter unseres Hauses vernommen. Deshalb können wir noch keine genaueren Angaben zu dem Vorfall machen." Des Weiteren korrigierte die Geschäftsführung ein Detail, das der Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, Johannes-Georg Roth, während der Pressekonferenz den Medienvertretern gab. Es habe sich beim mutmaßlichen Täter um den Schwager eines Mitarbeiters gehandelt, nicht um den Schwiegersohn.

Weitere Vorfälle in Konstanz mit blutigem Ende

Wo es in den vergangenen Jahren weitere schwere Attacken und Tötungsedelikte in Konstanz gegeben hat.

  • 11. März 2017: Ein 17-Jähriger sticht an einer Shisha-Bar in Konstanz auf einen 19-Jährigen ein. Er verstirbt noch am Tatort. Zuvor soll es zwischen beiden jungen Männern zu einer Auseinandersetzungen gekommen sein. Angeblich habe der Jüngere eine Frau aus der Gruppe des 19-Jährigen angetanzt. Der mutmaßliche Täter soll einen Begleiter gehabt haben, der an dem Streit beteiligt gewesen sein soll. Auch dieser war in Untersuchungshaft genommen worden. Zudem hat der 17-Jährige die Polizei später zur Tatwaffe geführt.
  • Oktober 2016: Ein 29-Jähriger soll während eines Streits mit einem Messer einen 35-Jährigen verletzt haben. Auch drei weitere Männer, die in die Schlägerei verwickelt waren, wurden ermittelt. Die Attacke geschah im Umfeld eines Bordells im Industriegebiet, das House 24. Vorausgegangen war ein handfester Streit zwischen zwei Gruppen.
  • Januar 2014: Das Landgericht verurteilt einen 33-Jährigen zu lebenslanger Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er in Wollmatingen eine Nachbarin und später seine Lebensgefährtin getötet hat. Zudem hat er zwei Frauen in seine Gewalt gebracht und vergewaltigt. Den Frauen war die Flucht aus ihrem Martyrium gelungen.
  • März 2012: Ein 24-Jähriger setzt an der Dreifaltigkeitskirche einen gezielten Stich auf einen Mann an. Das Opfer stirbt. Es handelte sich um eine Eifersuchtstat. das Opfer war der neue Freund der Ex-Freundin des 24-Jährigen.
  • November 2010: Szenen wie aus einem Gangsterfilm spielen sich im Oberlohn ab: Zwei Männer geraten in Streit. Einer der beiden sticht mit einem Messer zu und verletzt einen 44-Jährigen lebensgefährlich. Nur eine Notoperation kann ihm das Leben retten. Schon wenig später nimmt die Polizei einen 46-Jährigen als Tatverdächtigen fest, er hatte sich zunächst verschanzt.
  • November 2010: Ein 19-Jähriger greift nahe dem Zähringerplatz einen 32-Jährigen an und verletzt ihn lebensgefährlich. Der Täter tritt und schlägt auf sein Opfer ein und raubt es aus.
  • Juni 2008: Eine 41-Jährige sticht in Litzelstetten mit einem Messer auf ihren Verlobten ein. Der Stich durchdringt den Rücken und die Niere. Ein Beziehungsstreit war Anlass.