Den Kreuzlinger Richtern steht ein weiterer spektakulärer Prozess bevor. Drei Tage sind reserviert für den Fall. Am 25. und 26. März werde man den mutmaßlichen Mörder befragen und die Plädoyers hören, am 27. März beraten und das Urteil eröffnen.

So sieht zumindest der Plan von Bezirksgerichtspräsidentin Ruth Faller Graf aus. Es geht um einen Mann, dem die Thurgauer Staatsanwaltschaft die Tötung einer Konstanzerin vorwirft. Eine Spaziergängerin hatte die Frau an Pfingsten 2016 tot am Ufer des Tägerwiler Strandbads gefunden.

Der Mann war nach der Tat ins Ausland ausgewandert

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft fordert für den 62-Jährigen, der nach Teneriffa ausgewandert war, eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschließender Verwahrung. Spuren und Zeugenaussagen führten damals zu einem Verdächtigen, den spanische Behörden zwei Tage später am Flughafen von Barcelona verhaften konnten.

Kurze Zeit später wurde der Mann, der offenbar eine Liaison mit seinem späteren Opfer gehabt hatte und noch am Vortag der Tat mit der Frau nahe dem Tatort gesehen worden war, an die Schweiz ausgeliefert. Die damals 38-jährige Tote hatte massive Verletzungen am Kopf.

Vermutlich eine Beziehungstat

Momentan befindet sich der Beschuldigte im vorzeitigen Strafvollzug. Die Polizei werde ihn für die Gerichtsverhandlung nach Kreuzlingen bringen und während des Prozesses bewachen, so die Bezirksgerichtspräsidentin. Weitere Sicherheitsvorkehrungen seien derzeit nicht vorgesehen.

Da es sich offenbar um ein Beziehungsdelikt handle, sei die Gefahr nicht sehr groß. Ruth Faller Graf geht zwar davon aus, dass neben Direktbetroffenen vor allem die Medien großes Interesse an dem Fall hätten. Der normale Gerichtssaal in Kreuzlingen dürfte jedoch vom Platz her ausreichen, meint sie.

Der Mann hat ein früheres Geständnis wieder zurückgezogen

Nach seiner Verhaftung hatte der Angeklagte die Tat zugegeben. Mittlerweile bestreite er sie jedoch und zog sein Geständnis zurück. Von daher werde es einen Indizienprozess geben, erklärt die Richterin auf Anfrage. Neben der Befragung des Angeklagten komme als Privatkläger auch ein Opfervertreter zu Wort und die Plädoyers würden wohl umfangreich ausfallen. "Das braucht Zeit", sagt die Richterin.

Der Aktenberg des Falles, in welchem sich die fünf eingesetzten Richter einlesen müssen, ist groß. Auch die Ermittlungen mit vielen Befragungen und einem psychiatrischen Gutachten über den Angeklagten seien umfangreich. Nach seinem anfänglichen Geständnis hatte der Angeklagte aus eigenem Antrieb heraus von der Untersuchungshaft in den vorzeitigen Strafvollzug wechseln wollte. Ein Beschuldigter kann das bei Aussicht auf eine lange Haftstrafe nach Artikel 236 der Schweizer Strafprozessordnung beantragen. Sofern der Stand des Verfahrens es erlaubt, kann die Staatsanwaltschaft das genehmigen.