Was erwartet den neuen Seelsorger der Pfarrei Konstanz-Petershausen?

Die Pfarrei ist größer als die Pfarrei Klettgau, in der Thomas Mitzkus im Moment 7600 gemeldete Katholiken betreut. In Petershausen gibt es 9200 Katholiken. „Man muss anerkennen, dass die Arbeitslast groß ist“, sagt Mitzkus, „ich rechne nicht mit so sehr viel Freizeit am See“. Allerdings sieht Mitzkus auch die Möglichkeit für Entlastung – zum einen habe die Pfarrei mit Luis Collantes einen zweiten Priester. Außerdem seien in der Nähe einige pensionierte Priester ansässig, die gelegentlich eine Gottesdienst-Vertretung übernehmen können. „Was ich leisten kann, will ich tun“, sagt Thomas Mitzkus, „da ich mit Andreas Rudiger einen sehr aktiven Vorgänger hatte, wird es allerdings Dinge geben, die ich nicht leisten kann“.

Der Zuschnitt der Pfarreien soll noch größer werden

Thomas Mitzkus ist sich bewusst, dass die Pläne für das Projekt Pastoral 2030 eine abschreckende Wirkung haben. Die Pfarreien sollen in den nächsten Jahren neu geordnet werden, es wird deutlich weniger Pfarreien geben, die mit Priestern besetzt sind. Mitzkus korrigiert aber Extremvorstellungen: „In Konstanz ist geplant, dass die Münsterpfarrei das Zentrum bleibt und die Zwischenorte weiter gespannt werden. Die Diözese ist aber bemüht, auch die benachbarten Pfarreien mit Priestern besetzt zu lassen“. Der Pfarrer sieht die Gefahr, dass Gläubige und Engagierte befürchten, dass die Distanz zur Kirchengemeinde größer wird. „Es wird bei diesem Prozess etwas verloren gehen, das will ich nicht leugnen“, sagt der 48-Jährige. Manche Ehrenamtliche würden unter den neuen Umständen nicht engagiert bleiben, diese Freiheit müsse man ihnen zugestehen. Einen pragmatischen Ansatzpunkt nennt Mitzkus aber auch: In Klettgau hat er eine Ehrenamtskoordinatorin eingestellt, die sich um die Anliegen der Ehrenamtlichen kümmert, das entlaste ihn und funktioniere gut. Vielleicht wäre das auch ein Modell für Petershausen.

Wie die Pfarrei strukturiert ist und wie sie funktioniert

Rita Rotzinger-Magin, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, sieht die Pfarrei Petershausen gut aufgestellt. Den 9200 Katholiken werden ab Dezember wieder zwei Priester gegenüber stehen sowie zwei Diakone und zwei Priester im Ruhestand, die bereit sind, einzuspringen. Im Moment ist zusätzlich bis September ein Jungpriester vorübergehend in Petershausen angestellt. Das hauptamtliche Team wird ergänzt durch eine Gemeindereferentin, Mesner und Hausmeister, so Rotzinger-Magin. „Es läuft hier alles professionell weiter“, sagt sie. Was die Gläubigen angeht, so ist Petershausen nicht vom Trend abgekoppelt: „Ich habe das Gefühl, dass die Zahl der Kirchenbesucher im vergangenen Jahr zurückgegangen ist“.

Thomas Mitzkus' persönliche Sicht des Zölibats

Die Pfarrei ist vakant, weil Pfarrer Andreas Rudiger, Mitzkus‚ Vorgänger, seine Stelle aufgeben musste, nachdem er der Kirchengemeinde verkündet hatte, dass er Vater wird. Thomas Mitzkus empfindet davor hohen Respekt und ist froh, dass es für Priester heute möglich sei, öffentlich zu einem Kind zu stehen. Für ihn persönlich stelle der Zölibat kein Problem dar. Historisch bestehe der Sinn des Zölibats darin, für Gott Zeit zu haben. „Für viele Mitbrüder ist das gleichbedeutend damit, als Eremit zu leben“, sagt Mitzkus, das sehe er aber nicht so. „Wenn der Zölibat funktionieren soll, braucht es eine Gemeinschaftlichkeit“, ist der Priester überzeugt.

Warum der Zölibat auch von Vorteil sein kann

Persönlich könne er viel mit dem Zölibat anfangen. Thomas Mitzkus stellt den Lebensentwurf seines evangelischen Kollegen dem eigenen gegenüber. Der evangelische Pfarrer habe vier Kinder, sei eng eingebunden in die Familie, seine Rolle als Seelsorger, Vater, Ehemann. „Ich hingegen habe die Freiheit, auch mal eine Abendveranstaltung zu besuchen“, erläutert er. Hätte er noch die Rolle als Ehemann und Vater auszufüllen, hätte er das Gefühl, dem eigenen und dem Anspruch der Gesellschaft nicht gerecht zu werden.

Wie funktioniert Gemeinschaft, wenn man auf Familie verzichtet?

Thomas Mitzkus hat mit zwei weiteren Pfarrern eine eigene Form der Gemeinschaft entwickelt. Er, Marcus Guth, bis jetzt Pfarrer in Küssaberg und ab Dezember neuer Leiter der Pfarrei Wollmatingen-Allensbach und Luis Collantes, der bereits in Petershausen tätig ist, wollen eine Gemeinschaft bilden. „Das ist nicht so streng organisiert“, lacht Mitzkus, „ich nenne es eine WG dreier Katholiken“. Die drei Pfarrer kennen sich aus dem Priesterseminar. Mitzkus und Guth wollen gemeinsam das Pfarrhaus in St. Gebhard beziehen, Collantes nutze dort ein Zimmer. Ein solches Teilen von Beruf und Freizeit sei aber nur möglich, wenn man eine ähnliche Form des Glaubens praktiziere und sich gut verstehe.

Von der Herausforderung, junge Menschen zu überzeugen

Dass die Zahl der Gottesdienstbesucher nur noch an hohen Festtagen ausreicht, um eine Kirche zu füllen, ist am Hochrhein nicht anders als in Konstanz. Thomas Mitzkus gesteht offen ein, dass es neue Formen brauche, um junge Menschen zu überzeugen: „Ich habe dafür auch kein Rezept“, sagt er. Mitzkus verweist aber auf die Hillsong-Church, die in unmittelbarer Nähe zu seiner Pfarrei liege – und der es durchaus gelinge, für junge Menschen attraktiv zu sein. „Ich glaube, dass es Menschen mit Charisma braucht und Begegnungsmöglichkeiten“, sagt er, in dieser Hinsicht hätten die Freikirchen den etablierten Kirchen einiges voraus. Der Priester möchte, sobald er in Konstanz ist, gerne nach Talenten unter den Ehrenamtlichen suchen, die einen guten Draht zu jugendlichen Gläubigen haben.