Alle Seiten sprechen von einem Kompromiss, aber die Stadtverwaltung will nicht sagen, wie ihr Beitrag dazu aussieht: Das ist das Ergebnis einer Pressekonferenz in Sachen Theater, Intendant und Baden-Württembergische Theatertage am Mittwochabend.

Zuvor hatten die Mitglieder des Kulturausschusses hinter verschlossenen Türen die verfahrene Lage diskutiert. Kulturbürgermeister Andreas Osner sagte lediglich, man suche gemeinsam nach einem Weg, dass Konstanz das landesweite Theatertreffen 2019 nun doch ausrichten könne. Genau das hatten Nix und noch am Mittwochmorgen auch seine Mitarbeiter klar abgelehnt.

Die Gewinner wären der Intendant und wohl auch das Publikum

Wenn es nun so kommt, wie es in der Pressekonferenz den Anschein hatte, geht Nix aus der Auseinandersetzung sowohl mit dem Gemeinderat als auch mit Kulturbürgermeister Osner gestärkt hervor. Die Stadt will ihm offenbar mit einer Vertragsverlängerung entgegenkommen, allerdings nicht um das geforderte ganze Jahr. Das würde allerdings bedeuten, dass der Gemeinderat, der eben diese Nachspielzeit erst am 19. Januar mit einer Mehrheit von 24 zu 13 Stimmen abgelehnt hatte, erneut über die Frage befinden müsste. Am 22.

Februar geht es in der Gemeinderatssitzung auch ums Theater, sagte dazu Andreas Osner und ergänzte, ein Teil der Debatte müsse nicht-öffentlich laufen, da Personalfragen betroffen seien. Will heißen: Zunächst stimmt der Rat erneut über Nix' Vertrag ab, dann geht es öffentlich um die Vorhaben Theatertage und das bodenseeumspannende Projekt "Atlantis", das Nix besonders am Herzen liegt.

Von einem Streit wollen beide Seiten nicht reden

Vor den Medien waren Osner wie Nix erkennbar bemüht, die Differenzen der vergangenen Tage und Wochen hinter sich zu lassen. Mit Blick auf die Theatertage sagte Osner: "Wir sind auf dem guten Weg einer Einigung. (...) Unser Ziel ist es, das Festival doch noch zu retten". Die Aussprache sei "offen, kritisch, konstruktiv" gewesen. Nix sagte: "Es geht um Bedingungen, in denen beide Projekte möglich sind." Er räumte Meinungsverschiedenheiten ein, erklärte aber auch: "Wir sind weit von Tragödien entfernt." Es gebe "sehr gute und konstruktive Gespräche", und das Theater Konstanz habe 2007 schon einmal bewiesen, dass es das Landes-Theatertreffen sehr erfolgreich umsetzen könne.

Noch wenige Stunden zuvor hatten Mitarbeiter das Theatertreffen abgelehnt

Nix hatte in der Vergangenheit die beiden Großprojekte davon abhängig gemacht, dass er über den Sommer 2020 hinaus Intendant bleiben kann. Unmittelbar vor einem bevorstehenden Wechsel an der Spitze eines Hauses seien sie nicht zu stemmen. In diesem Sinne hatten sich auch noch wenige Stunden vor der Aussprache gestern Nachmittag die Mitarbeiter des Theaters geäußert.

In einer Stellungnahme erklärten sie mit Bezug auf das Nein des Rats zu Nix' Vertragsverlängerung wörtlich: "Nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses hat das künstlerische Leitungsteam des Theater Konstanz beschlossen, die Baden-Württembergischen Theatertage nicht auszurichten, um so die Kräfte für die Umsetzung des Theaterschiffs 'Atlantis' zu bündeln. Wir begrüßen ausdrücklich diese Entscheidung – sowohl künstlerisch als auch arbeitsökonomisch." Auf die Frage, wie er die neue Situation seinen Mitarbeitern vermitteln wolle, gab Nix am Abend keine Antwort.

In dem Streit – in dessen Verlauf Nix seinem Vorgesetzten, Kulturbürgermeister Osner, noch am 2. Februar in einer öffentlichen Erklärung unter anderem vorwarf, seine Aussagen seien "unwahr" und sein Stil entbehre "jeder kommunikativen Kultur" – hatte zuletzt auch Oberbürgermeister Uli Burchardt vermittelt. Nix sagte, er habe mit dem OB am Mittwoch ein Gespräch gehabt, das "menschlich sehr angenehm" verlaufen sei.

Osner wollte sich weder zu Nix' Vorwürfen äußern noch eine Erklärung dazu abgeben, ob diese nun aus der Welt geräumt sind. Nix wies es von sich, er habe Osner der Lüge bezichtigt. Jetzt gelte es, nach vorne zu schauen. Kritische Auseinandersetzungen im Kulturbetrieb seien nicht ungewöhnlich, so der Intendant.

Bis zu einer Lösung der verfahrenen Lage ist es noch ein ziemlich weiter Weg

Ein Knackpunkt dürften die Theater-Mitarbeiter sein. Sie haben sich gegen die Ausrichtung der Baden-Württembergischen Theatertage ausgesprochen, da herrscht Klärungsbedarf. Und auch über diesen Satz in ihrer Erklärung wird zu reden sein: "Wir tragen den Stil der Auseinandersetzung nicht mit", denn diese Kritik nimmt Nix nicht aus. Und auch die Entscheidung im Rat könnte kompliziert werden. Der Gemeinderat tagt wieder am 22. Februar. Eine neuerliche Abstimmung über die Verlängerung für Nix ist nur möglich, wenn der Beschluss vom 19. Januar aufgehoben wird.

Die Hürden sind hoch. In Frage kommen Formfehler, etwa unvollständige Information durch die Verwaltung oder fehlerhafte geheime Abstimmung.