Die Bürgermeister geben ihre persönlichen Dienstwagen ab, die Stadt richtet eine Koordinationsgruppe für den Klimaschutz ein (Task Force) und Bürger sowie Experten legen einen 30 Punkte umfassenden Aktionsplan fürs Klima vor: Nach der Erklärung des Klimanotstands in Konstanz wurden bei der jüngsten Gemeinderatssitzung und der ersten örtlichen Klimakonferenz mit mehr als 80 Teilnehmern erste konkrete Schritte eingeleitet, damit die Stadt bis 2030 klimaneutral werden kann.

Die drei Konstanzer Bürgermeister (im Bild OB Uli Burchardt bei einer mobilen Bürgersprechstunde) wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Sie verzichten künftig auf persönliche Dienstwagen. Sie haben ihre Leasingverträge dafür gekündigt und wollen auf Rad, Bahn und ein neues Carsharing-System innerhalb der Stadtverwaltung umsteigen.
Die drei Konstanzer Bürgermeister (im Bild OB Uli Burchardt bei einer mobilen Bürgersprechstunde) wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Sie verzichten künftig auf persönliche Dienstwagen. Sie haben ihre Leasingverträge dafür gekündigt und wollen auf Rad, Bahn und ein neues Carsharing-System innerhalb der Stadtverwaltung umsteigen. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Bei der Klimakonferenz am Freitag haben Experten errechnet, was jeder Bürger in Konstanz im Durchschnitt zahlen müsste, um den durch seine Lebensweise verursachten Ausstoß von Kohlendioxid zu kompensieren. Sie kamen auf 250 Euro im Jahr. Dieser Wert dürfte künftig eine Rolle spielen, wenn es um Investitionen in den Klimaschutz geht. Und es wird die Frage aufkommen, ob es auch auf kommunaler Ebene besondere Abgaben für klimabelastendes Verhalten geben soll.

Mehrere Vorschläge bei der Klimakonferenz drehten sich um den Ausbau der Solaranlagen auf dem Dach. So könnte jedes Haus zum eigenen Kraftwerk werden. Der Gemeinderat hat kürzlich erst die Solarpflicht für Neubauten beschlossen, allerdings mit Einschränkungen und Ausnahmen. Häuslebauer müssen sich aber zumindest zu dem Thema beraten lassen.
Mehrere Vorschläge bei der Klimakonferenz drehten sich um den Ausbau der Solaranlagen auf dem Dach. So könnte jedes Haus zum eigenen Kraftwerk werden. Der Gemeinderat hat kürzlich erst die Solarpflicht für Neubauten beschlossen, allerdings mit Einschränkungen und Ausnahmen. Häuslebauer müssen sich aber zumindest zu dem Thema beraten lassen. | Bild: Jörg-Peter Rau

Auf dem Tisch liegt schon die Anregung, die Kosten fürs Parken drastisch zu erhöhen und im Gegenzug den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern. Dies müsste allerdings politisch beschlossen werden. Einzelne Konferenz-Teilnehmer sahen im Konzil das aktuelle Angebot der Stadt kritisch, mit dem Besucher an Samstagen auf dem Parkplatz Schänzle Nord kostenfrei parken können.

Geht es nach den Teilnehmern der Klimakonferenz, dann sollen in der Stadt die Parkgebühren generell stark angehoben und der öffentliche Nahverkehr weiter ausgebaut werden. Solche Vorhaben müssten allerdings auch politisch beschlossen werden.
Geht es nach den Teilnehmern der Klimakonferenz, dann sollen in der Stadt die Parkgebühren generell stark angehoben und der öffentliche Nahverkehr weiter ausgebaut werden. Solche Vorhaben müssten allerdings auch politisch beschlossen werden. | Bild: Oliver Hanser

Es sei das völlig falsche Signal, den motorisierten Individualverkehr auch noch mit Sonderangeboten anzulocken. Andere Vorschläge wollen Bürger und Organisationen unabhängig von der Politik anpacken. Bei manchem dürften städtische Vorschriften und bürgerschaftliche Überzeugungsarbeit ineinander greifen. So etwa bei der Idee, künftig klimaverträglich zu bauen.

Die Klimakonferenz schlägt vor, nur noch so zu bauen, dass im Gebäude mehr Materialien stecken, die Kohlendioxid speichern (Holz, Stroh), als Stoffe, für deren Produktion Klimagase freigesetzt werden. Als besonders belastend fürs Klima gilt die Herstellung von Beton.
Die Klimakonferenz schlägt vor, nur noch so zu bauen, dass im Gebäude mehr Materialien stecken, die Kohlendioxid speichern (Holz, Stroh), als Stoffe, für deren Produktion Klimagase freigesetzt werden. Als besonders belastend fürs Klima gilt die Herstellung von Beton. | Bild: Robert Hahn Bauer

Einige Vorschläge wollen Bürger eigenständig umsetzen, etwa das Projekt „Konstanz tischt auf“, eine öffentliche Tafel, an der Bürger probieren können, wie veganes und damit energiesparendes Essen schmeckt, das klimafreundlich ohne tierische Produkte zubereitet wird. Auch in der Ausbildung müsse sich einiges ändern. Es könne nicht sein, dass ein Konditormeister heute nicht wisse, wie ein Kuchen vegan zubereitet werden kann, hieß es auf der Konferenz.

Aktivisten wollen Konstanzer Kantinen und Gastronomiebetriebe dazu bewegen, nur noch einmal die Woche die besonders klimabelastenden Fisch- und Fleischgerichte anzubieten. Fleisch soll, so wie früher der Sonntagsbraten, wieder etwas Besonderes werden. Auf der Klimakonferenz wurden nur Gerichte ohne tierische Eiweiße gereicht (vegan). Experten rechneten vor, wie viel mehr Kohlendioxid entstanden wäre, hätte der Koch Fleisch verwendet.
Aktivisten wollen Konstanzer Kantinen und Gastronomiebetriebe dazu bewegen, nur noch einmal die Woche die besonders klimabelastenden Fisch- und Fleischgerichte anzubieten. Fleisch soll, so wie früher der Sonntagsbraten, wieder etwas Besonderes werden. Auf der Klimakonferenz wurden nur Gerichte ohne tierische Eiweiße gereicht (vegan). Experten rechneten vor, wie viel mehr Kohlendioxid entstanden wäre, hätte der Koch Fleisch verwendet. | Bild: Fotolia

Eine Arbeitsgruppe will Visionen für 2030 entwickeln, also bildlich darstellen, wie das Leben aussieht, wenn alles so weiterläuft wie bisher oder wie es sich mit der Klimawende verändert. Auch ein großer Praxistest ist geplant: Wissenschaftlich begleitet sollen 100 Personen aus der Querschnittsbevölkerung ihren persönlichen Kohlendioxidverbrauch ermitteln und daran arbeiten, ihn zu verringern. Ihre Erfahrungen sollen aufgezeichnet werden.

Gruppierungen (im Bild eine Fridays-for-Future-Demo) wollen daran arbeiten, Bürger für klimafreundliches Handeln zu gewinnen. Unter anderem sind bildliche Darstellungen geplant, die vor Augen halten wollen, was passiert, wenn alles so weiter läuft wie bisher, und wie die Welt aussehen könnte, wenn sich beim Klimaschutz Grundlegendes bewegt.
Gruppierungen (im Bild eine Fridays-for-Future-Demo) wollen daran arbeiten, Bürger für klimafreundliches Handeln zu gewinnen. Unter anderem sind bildliche Darstellungen geplant, die vor Augen halten wollen, was passiert, wenn alles so weiter läuft wie bisher, und wie die Welt aussehen könnte, wenn sich beim Klimaschutz Grundlegendes bewegt. | Bild: Oliver Hanser

Dies geschieht auch mit allen Vorschlägen, die bei der Konferenz erarbeitet wurden. Sie werden in Kürze zum Nachlesen auf der Internetseite www.konstanzer-klimakonferenz.de veröffentlicht. Bürger sind eingeladen, die Ideen zu kommentieren und eigene hinzuzufügen.

Im Herbst/Winter sind weitere Veranstaltungen zum Thema geplant. „Wir begrüßen dieses breite Bündnis. Wir müssen nicht alles allein machen“, sagte Lorenz Heublein, der künftig bei der Stadt Konstanz die Arbeitsgruppe koordinieren wird, die sich um den Klimaschutz kümmert.

Eine der Sofortmaßnahmen: zusätzliches Personal

Heublein kann sich dieser Aufgabe verstärkt widmen, weil der Gemeinderat einem Vorschlag der Stadtverwaltung gefolgt ist und Sofortmaßnahmen beschlossen hat. So soll es unter anderem befristet zusätzliches Personal geben, damit Kräfte zur Koordination der Klimaschutzziele frei werden.

Zudem soll ein Mobilitätsmanager engagiert werden, der die Aufgabe hat, Alternativen zum Autoverkehr zu fördern; geplant sind mehr Stellenanteile für einen Gebäudemanager, der vor allem das Thema Energieverbrauch anpacken soll. Im Aufbau sind auch ein Klima-Bürgerrat, der Mitbürger für den Klimaschutz gewinnen will, und ein Expertenrat, der bei Bedarf von Fachinformationen hinzugerufen werden kann.