Litzelstetten Telekom-Frust in Konstanz-Litzelstetten: Anwohner und Unternehmer sauer wegen schlechten Handyempfangs

Konstanzer Kunden des Bonner Unternehmens ärgern sich seit knapp zwei Jahren über den schlechten Service in Litzelstetten. Viele wechseln frustiert den Anbieter. Die Telekom verspricht erneut Verbesserungen

Seit fast einem Jahr wird den Litzelstettern gnadenlos vorgehalten, wie sehr unsere Gesellschaft von Handys und Smartphones abhängig ist. Kunden der Telekom sind in dem Vorort so gut wie nicht mehr erreichbar über Mobilfunk. Seit der Mast im Januar 2016 abgebaut wurde, ist das Telefonieren mit dem Handy ein Lotteriespiel – es sei denn, man hat einen Vertrag mit einem anderen Anbieter. „Seit rund eineinhalb Jahren bin ich nicht mehr bei Telekom“, erzählt der Taxi-Unternehmer Wolfgang Haberbosch. „Ich musste zwei Monate kämpfen, um überhaupt aus meinem Vertrag rauszukommen.“ Erst, als er mit dem Gang zur Bundesnetzagentur drohte, wurde seinem Wunsch entsprochen. Wie hoch sein wirtschaftlicher Schaden war, kann er nicht beziffern. „Es gab zwar regelmäßig Klagen, dass wir nicht erreichbar seien“, erinnert er sich, „doch ich weiß ja nicht, wie oft ich nicht erreicht wurde. Außerdem läuft bei uns viel über E-Mails.“ Der Unternehmer will es nicht verstehen, wieso die Telekom nicht mehr Service bietet in seinem Heimatort. "Es kann doch nicht sein, dass Selbstständige Geschäfte verlieren, weil das Mobilfunknetz so schlecht ist."

Frust beim IT-Berater

Wolfgang Flick ist selbstständiger IT-Berater. Privat und geschäftlich ist er Vertragspartner bei der Telekom. Regelmäßig sieht man ihn durch sein dreistöckiges Haus im Augustaweg, in dem er wohnt und arbeitet, mit ausgestrecktem Arm umher wandern. In der Hand sein Handy. „Ich bin so auf der Suche nach Empfang“, sagt er. „Es ist eine Katastrophe, vor allem in meinem Business ist Erreichbarkeit eminent wichtig.“ Warum er nicht kündigt? „Wir haben alle Verträge über die Telekom laufen. Das ist nicht so einfach. Den nächsten Stress mit neuen Verträgen möchte ich mir ersparen – ich hoffe lieber auf eine baldige Lösung mit Telekom.“ Ein Anspruch auf mobile Erreichbarkeit besteht nur außerhalb der eigenen vier Wände – auch wenn das in Litzelstetten nichts an der Situation ändert. Als er für die Stadt Konstanz bei der Entwicklung der städtischen App mitwirkte und einen Probedurchlauf starten wollte, musste er Litzelstetten verlassen, um überhaupt auf das Netz zurückgreifen zu können. „Das kann es doch nicht sein“, klagt er.

Hotelgäste beschweren sich

Jacqueline Perk berichtet als Pächterin des Hotels und Restarúrants Ko'Ono von unzufriedenen Kunden, die sich über den schlechten Empfang beschweren. „Im Sommer sind es primär Touristen“, sagt sie, „im Winter primär Geschäftskunden, die bei uns wohnen. Es scheinen zuletzt weniger Beschwerden geworden zu sein – aber trotzdem ist es geschäftsschädigend, wenn unsere Gäste nicht mit ihrem Handy telefonieren können.“

Ortschaftsrätin Karin Müller ist zwar für eine Verbesserung der Mobilfunkversorgung. Sie appelliert aber auch, auf weniger gesundheitsbedenkliche Techniken zurückzugreifen: „Wenn wir jetzt einen neuen Masten aufstellen, existieren neue, langjährige Verträge“, erklärt sie. „Wenn Masten, dann bitte außerhalb des Ortes oder wie auf der Mainau Smart Cells, die einen engen Umkreis versorgen. Da nimmt mit jedem Meter die Strahlenbelastung ab.“ Einer ihrer Söhne hat wie so viele Litzelstetter ganz pragmatisch auf die Probleme reagiert – und den Anbieter gewechselt.

Neuer Mast, alter Mast?

Der ehemalige Telekom-Mast stand in der Ortsmitte auf dem Volksbankgebäude, das abgerissen wurde. Die Masten im Kornblumenweg versorgen die Litzelstetter mit 25 Sektorantennen folgender Anbieter: Vodafone und O2. Der Standort eines neuen Mastes soll laut Telekom dieser bestehende Mast sein – was im Konstanzer Vorort nicht gut ankommt. Günter Dolak, Nachrichtentechnikingenieur im Ruhestand und engagierter Kämpfer für einen humanen Mobilfunk, sagte bereits vor einem Jahr dem SÜDKURIER: „Wenn die Telekom dort GSM 900, GSM 1800, UMTS und LTE einrichtet, wird die Strahlung deutlich erhöht.“ Der sowohl von der Insel als auch von den Litzelstettern präferierte Standort auf der Mainau wurde von der Telekom nicht weiter verfolgt – ohne Nennung von Gründen. Erklärtes Ziel des Ortschaftsrates: "Wir müssen die jetzige Situation, so frustrierend sie auch ist, als Chance für neue Techniken sehen", erklärt Wolfgang Flick.

Das sagt die Telekom

Telekom-Pressesprecher Hubertus Kischkewitz äußerte sich gegenüber dem SÜDKURIER zu der Problematik: "Wir gehen davon aus, dass wir in absehbarer Zeit in Litzelstetten LTE 1800er (Versorgung vieler Menschen auf engerem Raum, die Redaktion) anbieten können, nachdem wir in der Vergangenheit einige Herausforderungen bezüglich Netzplanung und Standort zu bewältigen hatten." Genauere Angaben konnte er noch nicht machen. Die Öffentlichkeit werde informiert, wenn ein exakter Zeitplan steht.

Neues für Konstanz

Laut Telekom-Pressesprecher Hubertus Kischkewitz plant das Unternehmen Verbesserungen in der Konstanzer Altstadt: "Wir schalten in diesen Tagen an 19 Mobilfunkstandorten LTE auf und stellen die Technik dort um. Das Stichwort ist Single RAN: Statt eigene Netzelemente für jede Technologie zu haben, wird es in Zukunft an den Standorten eine Hardware-Einheit geben, die alle drei Mobilfunkstandards verarbeiten kann: GSM, UMTS und LTE. Darüber hinaus wird in 2018 am Blätzleplatz eine erste SmallCell installiert, um dort in einem Umkreis von rund 150 Metern die Kapazität für den Sprach- und Datenverkehr deutlich zu erhöhen."

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