Sie stecken in einer Situation, wie sie in jeder Großstadt anzutreffen ist: Fünf einander fremde Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, warten in einer anonymen, unfreundlichen U-Bahn-Station auf den Zug. Jeder schaut nur auf seinen kleinen Smartphone-Bildschirm, die triste Umwelt wird mit Kopfhörern ausgeblendet, bloß keinen Blick zu viel an seine Mitmenschen verschwenden. Plötzlich sirren, flackern und zucken die Leuchtstoffröhren, ein knallender Kurzschluss, und die Reisenden umgibt komplette Dunkelheit. Das Mobilfunknetz ist tot, die Ausgänge verriegelt.

Wie ein Stromausfall, ein magisches Licht, die eigene Fantasie und das gemeinsame Tanzen aus wildfremden U-Bahn-Reisenden Verbündete im ...
Wie ein Stromausfall, ein magisches Licht, die eigene Fantasie und das gemeinsame Tanzen aus wildfremden U-Bahn-Reisenden Verbündete im Herzen werden lässt, zeigte am Freitagabend im Bodenseeforum Blackout – A Digital Dance Show. Bild: Larissa Hamann | Bild: Larissa Hamann

Warten auf den Strom

Ohne Ausweg aus diesem Blackout bleibt den Reisenden nichts anderes übrig als zu warten. Ersehntes Warten auf den Strom und die digitale (Re-)Vernetzung. Wie aber „Blackout – A Digital Dance Show“ den Besuchern des Bodenseeforums auf beeindruckende Weise beweisen konnte, kann Langeweile und ein unscheinbarer Funke aus der Leuchtstoffröhre selbst in einem grauen U-Bahn-Schacht die eigene Fantasie beflügeln und das Warten zu einer kurzweiligen, beinahe magischen Begegnung zwischen Menschen in der unmittelbar realen, nicht-virtuellen Welt werden lassen.

Vom tiefsten Ozean, in die Welt von Pac Man, bis in einen magischen Urwald – das schafft nur die gemeinsame Fantasie der ...
Vom tiefsten Ozean, in die Welt von Pac Man, bis in einen magischen Urwald – das schafft nur die gemeinsame Fantasie der Bühnen-Figuren. | Bild: Larissa Hamann

Eine Reise zu eigenen Sehnsüchten

Auf den Blackout folgt eine Reise in die ganz eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Fantasien der fünf Fremden, die in der Imagination einer fantastischen Wirklichkeit zu Verbündeten im Herzen werden. Die Tanzshow führte die Zuschauer von surrealen Farbwelten in geheimnisvolle Urwald- und Meereslandschaften bis in das bunte Universum von Nintendos Tetris, Super Mario und Pac Man, imaginiert und projiziert auf der kahlen, weißen Wand des Schachtes.

Gedankenausflüge in die Realität

In von der Langeweile der Wartenden gezeichneten Zwischenspielen, die den Zuschauer von den entlegensten fantastischen Gedankenausflügen zurück in die Realität der grauen Stationshalle holen sollten, brachten die Darsteller akrobatisch, pantomimisch und tänzerisch ihre zuweilen lustigen Assoziationen mit dem Licht zum Ausdruck. So wird der Lichtstrahl der grellen Smartphone-Taschenlampen zum Lichtball für eine Partie Laser Light Tennis und sogar zu einem Jedi-Schwert.

Wie ein Stromausfall, ein magisches Licht, die eigene Fantasie und das gemeinsame Tanzen aus wildfremden U-Bahn-Reisenden Verbündete im ...
Wie ein Stromausfall, ein magisches Licht, die eigene Fantasie und das gemeinsame Tanzen aus wildfremden U-Bahn-Reisenden Verbündete im Herzen werden lässt, zeigte am Freitagabend im Bodenseeforum Blackout – A Digital Dance Show. Bild: Larissa Hamann

Ein begeisterndes Quintett

Als der Stromgenerator des Schachtes und das Mobilfunknetz wieder funktionieren und die Ausgänge endlich frei sind, um die Station wieder zu verlassen, begegnen sich die Fahrgäste zunächst mit einer gewissen Verlegenheit über die ungewohnte Vertrautheit und Intimität des gemeinsam überstandenen Blackouts. Diese währt allerdings nur kurz, denn dann zeigt sich das Quintett überglücklich, eine so einzigartige Erfahrung miteinander geteilt haben zu dürfen.

Magischer Funke springt über

Der magische Funke der Leuchtstoffröhre ist auch auf das Publikum übergesprungen. „Eine tolle, experimentierfreudige Gruppe, sollte man sich wieder anschauen!“, empfiehlt Adda Lehmann, die die Vorstellung mit ihrem Mann besuchte. Auch Sabine Mietzel-Feld zeigte sich begeistert: „Das Tanzen war wirklich toll, mal was ganz anderes.“ Monika Saint-Paul hat besonders das melancholische Tanz-Solo von Tänzer Flow Berger und die Anspielung auf alte Videospiel-Klassiker gefallen: „Ich fand es echt super und originell, auch gerade mit dem Bezug zu Tetris und Pac-Man waren total witzige Ideen dabei.“ Insgesamt hätte sie sich aber zu den aufwendigen Animationen noch einige zusätzliche Tanzeinlagen gewünscht, wie sie als einzigen Kritikpunkt anmerkte.