Das Bild unterscheidet sich zum Szenario vom Vortag: Im Herosepark und am Seerheinufer sitzen überall Menschen, zu zweit, zu dritt, zu viert. Sie lesen oder unterhalten sich. Und sie halten Abstand.

Das sah am Vortag noch anders aus: Das Seerheinufer entlang reihte sich Gruppe an Gruppe, Party an Party, acht Personen, elf Personen, sechs Personen. Studierende, Familien, Freundeskreise. Alle in Feierlaune mit viel Zeit, Bier und bei lauen Temperaturen. Covid-19, war da was?

Nun hat die Stadt Konstanz Ansammlungen von mehr als fünf Personen verboten. Oberbürgermeister Uli Burchardt wandte sich in einer Videobotschaft, die über die sozialen Medien verbreitet wurde, an die Konstanzer.

Viele zeigen Einsicht

Klara Schöttgen, Studentin, drückt sich an diesem Nachmittag klar aus: „Ich hätte schon lieber Party gemacht, aber ich finde die Maßnahme absolut sinnvoll“, sagt sie. Wobei sie davon überzeugt ist, dass es wichtig sei, nach draußen zu gehen: „Das stärkt das Immunsystem.“

Ihre Kommilitonin Sarah Mattes unterstützt das: Sie wohne im Wohnheim auf 16 Quadratmetern, es sei ein Bedürfnis, auch mal nach draußen zu gehen. Das Verbot hält sie für angemessen: „Gruppen bis fünf Personen, das ist doch gut.“

Bild: Wagner, Claudia

Am Vortag war fast allen das Feiern wichtiger

Das hörte sich am Tag zuvor, am 18. März, noch ganz anders an. Nur wenige Feiernde sind zu diesem Zeitpunkt bereit, öffentlich zu sagen, warum sie am Rheinufer feiern, obwohl die Behörden versuchen, die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Leonard Sebastian Graf von Bassewitz ist eine Ausnahme, er redet. „Wir bleiben ja hier unter jungen Leuten“, sagt er, „ich gefährde niemanden.“ Sein Freund Dyson Hartfiel ergänzt: „Wir unternehmen schon seit zwei Wochen viel miteinander. Und niemand von uns weist Symptome auf.“

Die drei Studierenden, die hier am Seerhein feiern, wollen lieber unerkannt bleiben.
Die drei Studierenden, die hier am Seerhein feiern, wollen lieber unerkannt bleiben. | Bild: Wagner, Claudia

Andere Feiernde reagieren abwehrend, als sie auf ihr Verhalten angesprochen werden. Sie mieden den Kontakt zu älteren Menschen, beteuern viele junge Menschen. Sie blieben unter sich und seien wenig gefährdet. An anderen Orten könne man sich auch anstecken – es häufen sich die Ausflüchte, die die Fröhlichkeit rechtfertigen sollen. Eine Studentin bringt es auf den Punkt: Es sei doch klar, dass jeder hier sich unwohl fühle, weil alle das Gefühl hätten, dass es nicht richtig sei, in großen Gruppen zusammen zu sein.

Anderen Konstanzern geht die Feierfreude ihrer Mitmenschen an die Nieren. Angelika Regg hat das Gelände am Mittwoch beobachtet und kann das Verhalten nicht gutheißen. „Ich empfinde das, wenn ich es positiv ausdrücke, als unbedacht und sorglos“, sagt sie, „wenn ich es schärfer ausdrücke: als verantwortungslos und egoistisch.“ Die 71-Jährige fürchtet, dass die Menschen auf diese Weise eine Ausgangssperre provozieren.

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Bernd Schweikhart ist wütend

Bernd Schweikhart hat eine ordentliche Wut auf seine jüngeren Mitbürger. „Seid ihr eigentlich wahnsinnig?“, habe er gedacht. Im Angesicht einer Krankheit, die so viele Opfer koste, sei das Verhalten unverantwortlich. „Ich würde mir wünschen, dass die Leute im Herosépark mitdenken. Dass sie sich bewusst werden, was sie anrichten“, sagt Schweikhart.

Nach 17 Uhr wird es deutlich dichter am Seerhein

Zurück am Seerhein, am Abend eines Tages, an dem ein Oberbürgermeister klare Worte gesprochen hat. Es ist nach 17 Uhr, inzwischen haben sich die Zwischenräume gefüllt. Die Menschen halten immer noch Abstand, aber er ist geringer geworden. Jetzt feiern eben kleinere Gruppen. Die Landespolizei fährt hier Streife, hat aber offenbar nichts zu beanstanden.

Bild: Wagner, Claudia

Steffi Geiselmann, die mit zwei Studienkollegen da ist, zeigt Einsicht in die Notwendigkeit: „Ich kann die Maßnahme nachvollziehen und finde sie gut. Gestern haben hier alle Party gefeiert. Ich glaube, die Ansprache von Angela Merkel hat einige Menschen wach gerüttelt“, sagt die Studentin.

Es gehe darum, die Menschen zu schützen, ergänzt Kommilitonin Lisa Fesenbeck. Ihr gehe es nicht ums Feiern, sondern darum, nicht in der Wohnung zu sitzen. „Gestern haben wir uns noch mit Spielen eingedeckt, falls doch eine Ausgangssperre kommt“, berichtet sie.

Adrian Scheel, Steffi Geiselmann und Lisa Fesenbeck, alle drei Studenten, sind gern draußen, halten sich aber an die Regel des Versammlungsverbots.
Adrian Scheel, Steffi Geiselmann und Lisa Fesenbeck, alle drei Studenten, sind gern draußen, halten sich aber an die Regel des Versammlungsverbots. | Bild: Wagner, Claudia

An wenigen Stellen kann man jetzt auch Gruppen mit sechs Personen erkennen. Ein Paar rückt erschrocken von den Freunden ab, als es merkt, dass die Gruppe zu groß ist. Doch, die Maßnahme sei sinnvoll, das sagen hier alle. Aber richtig umsetzen wollen sie manche doch lieber nicht.