Donald, der Protagonist in „Superhero“, ist 14 und leukämiekrank. Seine Geschichte ist zum Lachen und Heulen, manchmal ganz kurz hintereinander. Bei aller Komik hinterlässt das Ende des Stücks ein bedrückendes Gefühl. Wie ging es euch, als ihr es zum ersten Mal komplett gesehen und musikalisch begleitet habt?

Danny McClelland: Ähnlich. Die Geschichte ist natürlich bedrückend, aber auch sehr komisch. Diese ganzen Emotionswechsel haben wir erst richtig gespürt, als wir das Stück einmal komplett durchspielen konnten. Davor hatten wir ja immer nur einzelne Szenen geprobt.

Diese Stimmungsschwankungen, das Innenleben von Donald, drückt ihr in der Musik aus, die ihr live auf der Bühne spielt. Die Stücke dazu habt ihr selbst geschrieben – wie sind sie entstanden?

Laurin Rutgers: Zur Vorbereitung haben wir das Buch gelesen und uns dann überlegt, was wo passen könnte. Ob zum Intro beispielsweise oder als Teil der Comicwelt, in der Donald als Superheld unverwundbar ist. Diese Ideen haben wir dann mit dem Regisseur, Sascha Flocken, durchgesprochen, bei den Proben angepasst und auch die Schauspieler gefragt, was sie davon halten.

Markus Brückner: Wir haben relativ schnell gemerkt, dass die „normale“ Redensart-Musik, die wir sonst auf Konzerten spielen, nicht immer passend ist für das Superhero-Stück.„Donald wandelt zwischen so viel unterschiedlichen Gefühlswelten, die unsere eigenen Songs nicht immer abbilden können.“ Es war spannend, wieder andere Musikrichtungen auszuprobieren.

Also rockiger?

Danny McClelland: Naja, gerade der Anfang ist kantiger, punkiger und vertont die „Lasst mich alle mal in Ruhe“- Stimmung. Und die kann man über unsere Redensart-Musik nicht so transportieren. Wir sind aber auch alle groß geworden mit punkigen Nummern. Deshalb war das nicht so neu für uns. Letzten Endes ist die Gefühlswelt von Donald aber zwiegespalten, und auch unser ruhigerer Stil kommt durch.

Normalerweise spielt ihr auf Festivals, in Clubs und Kneipen. Aber hattet ihr vor Superhero schon Theaterbühnenerfahrung?

Markus Brückner: Nein.

Laurin Rutgers: Nein.

Danny McClelland: Also ich habe mal bei drei Schultheateraufführungen mitgespielt, allerdings als Schauspieler, nicht als Musiker.

Einen Soundtrack für ein Theaterstück zu komponieren und in den Vorstellungen live zu spielen, war also Neuland für euch.

Markus Brückner: Ja, und sehr spannend. Schon als es in Aussicht stand, dass wir das machen könnten, dachten wir uns: Cool. Nervös waren wir natürlich auch, weil wir so was noch nie gemacht haben. Inzwischen bekommen wir richtig gutes Feedback, auch von den Schauspielern. Laurin Rutgers: Die haben es uns auch sehr einfach gemacht. Die Schauspieler sind alle super nett und der Regisseur hat uns viele Freiheiten und keine strikten Vorgaben gegeben. Danny Mc Clelland: Wie jede andere Band auch sind wir darauf aus, viel zu touren und CDs zu veröffentlichen. Und jetzt kam dieses Projekt rein, was etwas ganz anderes ist und eine Chance, die nicht alle Musiker mal eben so bekommen.

Wie kam es überhaupt zu dieser Chance?

Danny McClelland: Wir waren vor einem Jahr auf Tour und haben auch in Konstanz gespielt. Der Intendant Christoph Nix ist über einen Artikel auf unseren Auftritt im Klimperkasten aufmerksam geworden. Die damalige Dramaturgin vom Jungen Theater, Sarah Wiederhold, hat sich dann das Konzert angeschaut, uns direkt danach angesprochen und grob die Idee skizziert. Der Rest hat sich dann entwickelt.

Was steht für euch an, wenn das Projekt vorbei ist?

Laurin Rutgers: Der grobe Plan ist, dass wir ab März, April wieder eine Tour spielen. Zwei Termine sind schon veröffentlicht, der Rest kommt dann Anfang nächstes Jahr. Ansonsten haben wir einige neue Songs, die wir präsentieren werden. Dann geht es ab Mai langsam in die Festivalsaison.

Spielt ihr auch in Konstanz?

Danny Mc Clelland: Ja, auf dem Campusfestival! Wir freuen uns schon darauf.

Wer war eigentlich der Superheld eurer Kindheit?

Markus Brückner: Wenn es um Comics geht: Donald Duck. Den habe ich total gefeiert.

Laurin Rutgers: War nicht Darkwing Duck der coolere Held?

Markus Brückner: Was? Ne, fand ich gar nicht. Ich hatte halt immer die lustigen Taschenbücher und Donald Duck verwandelt sich ja auch immer in Phantomias. Batman oder Superman waren nicht so meins.

Laurin Rutgers: Ich fand Spiderman ganz gut, der konnte aus seinen Handgelenken schießen.

Danny McClelland: Bei mir war’s Radioactive Man. Oder Tony Hawk. Ich hab lange geglaubt, dass er auch ein Superhero ist.

Fragen: Sandra Pfanner

"Superhero" in der Spiegelhalle – warum sich das Anschauen lohnt

  1. .Um was geht’s? Der vierzehnjährige Donald Delpe ist ein begnadeter Comiczeichner und hat – wie die meisten Vierzehnjährigen – vor allem eins im Kopf: Sex. Ein Mädchen kennen zu lernen ist ja schon schwierig genug. Aber wenn man aussieht wie ein Freak, dann macht das die Sache mit der Liebe und dem Sex nicht einfacher. Und Donald muss schneller erwachsen werden als andere Gleichaltrige: Er hat Leukämie.
  2. .Für welche Zuschauer? Empfohlen für Jugendliche ab 14 Jahren, lohnt sich aber auch als Erwachsener. Denn im Laufe des Lebens stellt sich jeder Mensch einmal die Frage nach dem Tod. Welche Kraft hält uns am Leben? Das ist die Frage, die am Ende des Stücks im Kopf bleibt.
  3. .Soundtrack: Der preisgekrönte Roman von Anthony McCarten wird in Konstanz in einer eigenen Fassung mit Live-Musik der Indie Pop-Band Redensart aufgeführt. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die mal düster-depressiv, dann gelöst und optimistisch klingt. Über fünf Wochen haben sich Redensart mit den Schauspielern mit der Lebensgeschichte von Donald beschäftigt. Dabei entstand unter anderem der Song „Was Bleibt“. „Durch die Auseinandersetzung mit der Thematik des Stücks haben wir persönlich viel dazu gelernt und uns dafür entschieden den Song auf Spendenbasis zur Verfügung zu stellen“, schreiben die Jungs auf ihrer Homepage www.redensartband.de. Alle Einnahmen dieses Songs gehen deshalb als Spende an eine Kinderkrebshilfe in Malawi. Anhören und downloaden kann man den Song unter www.redensart.bandcamp.com
  4. .Spieltermine: Samstag 17. Dezember, 20 Uhr. Dienstag 20. Dezember, 19 Uhr. Mittwoch, 21. Dezember 10 Uhr, Dienstag 27. Dezember, 19 Uhr. Freitag, 13. Januar, 20 Uhr. Sonntag, 15. Januar, 18 Uhr. Dienstag 17. Januar, 10 Uhr, Donnerstag 19. Januar, 10 Uhr. Alle Aufführungen in der Spiegelhalle, Tickets für 18 Euro an der Theaterkasse oder unter www.theaterkonstanz.de